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Text: Mark Wassermann · 9. November 2009 09:56 Uhr

Klagenfurt barrierefrei erleben?

Vom Stadtführer für Menschen mit Behinderungen in die Irre geführt.

Klagenfurt am Wörthersee - barriererfrei erleben

Um die 30 Stufen muss ein Rollstuhlfahrer im schönen Klagenfurt schon zu überwinden in der Lage sein, wenn er oder sie sich auf den Folder der Abteilung Tourismus des Magistrats verlässt.

Dabei fing alles so vielversprechend an:

Frühjahr 2007

Im Frühjahr 2007 regte der Gleichstellungsbeirat der Landeshauptstadt Klagenfurt an, für die Fußball-EM 2008 einen Folder mit barrierefreien Tourismusangeboten aufzulegen. Die Mitglieder des Beirates boten darüber hinaus ihre Mithilfe bei der Konzeptionierung sowie bei der Qualitätssicherung an, stießen damit aber auf wenig Gegenliebe.

Frühjahr 2008

Ein Jahr später wurde der Folder vom zuständigen Stadtrat für Tourismus, Vizebürgermeister Walter Zwick, präsentiert und die Kritik des Gleichstellungsbeirates als destruktive Nörgelei abgetan. So wurden gravierende Fehler im Bereich der Bedürfnisgruppierung von Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen gemacht und geltende Normen für barrierefreies Bauen schlichtweg ignoriert. Letztendlich stimmte der Beirat der Veröffentlichung für die Fußball-EM mit der Auflage zu, dass nach der Großveranstaltung eine Überarbeitung zu erfolgen hat.

Sommer 2008

Die Fußball-EM war durchs Land gezogen, aber in punkto Überarbeitung schwiegen die Verantwortlichen. Dafür häuften sich die Beschwerden über unrichtige Angaben des Folders. Eine daraufhin durchgeführte Evaluation der Inhalte ergab ein schockierendes Ergebnis. 5 von 6 in der Innenstadt besichtigten Objekten entsprachen nicht den gemachten Angaben. Absoluter (negativer) Höhepunkt war die Landhausgalerie, die im Folder folgendermaßen bewertet wurde:

  • "Eingeschränkt zugänglich stufenlos bis 3 Stufen oder Rampe bis max. 15 % Steigung, Tb min. 70 cm"
  • "WC voll zugänglich, WC stufenlos, TB mind. 80 cm genügend Platz vor dem WC, Rangierraum 120 cm vor dem WC"
  • sowie ein nicht näher beschriebenes Piktogramm für einen barrierefreien Parkplatz

In der Realität ist die Landhausgalerie aber nur über rund 30 Stufen zu erreichen. Ein barrierefreies WC ist laut Auskunft der Galerie nicht vorhanden und einen der Galerie zugehörigen Parkplatz gibt es auch nicht. Daher forderte der Gleichstellungsbeirat im September 2008 die sofortige Rückholung des Folders sowie eine komplette Überarbeitung. Leider hat die zuständige Abteilung die Forderung bis heute nicht erfüllt. Sowohl die Printausgabe als auch die Online-Version des Stadtführers sind nachwievor unverändert verfügbar.

Oktober 2009

Anfang Oktober 2009 bewies dann sogar der neue Stadtrat für Tourismus, Ing. Herbert Taschek, eindrucksvoll seine Unwissenheit über das von ihm im Frühjahr angetretene Erbe, indem er bei einer öffentlichen Veranstaltung den Folder als Vorzeigeprojekt bezeichnete und die dafür verantwortliche Person namentlich lobte.

Es ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen in dieser Causa bald aufwachen und eine Überarbeitung dieses (Irre)Führers in Angriff nehmen. Bis dahin kann man aber nur vor dem Gebrauch des Folders "Klagenfurt barrierefrei erleben" warnen und hoffen, dass nicht zu viele Menschen mit Behinderungen in die Irre geführt werden!

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Daniel Zollinger · 12. November 2009 00:43 Uhr

Manchmal fragt man sich, was da Studiert wird! Kürzlich in einem Restaurant; "Behindertentoilette vorhanden, aber um den Schlüssel zu holen musste man die Treppe hoch ins obere Stockwerk! Super, wie soll das denn gehen, wenn man Querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt?"

theresia haidlmayr · 11. November 2009 14:52 Uhr

Dass da was mit dem Stadtführer falsch läuft, zeigt ja schon das nette Foto! Ein Rollstuhlfahrer, links und rechts eine Frau und alles auf Stufen ohne Rampe. Also die Frauen links und rechts sind wahrscheinlich die netten über die Stufen Trägerinnen und dass der Rollstuhlfahrer so glücklich drein schaut hat wahrscheinlich den Grund, dass die Stufe nicht so schlimm sein kann, wenn links und rechts eine hübsche Frau ja da ist. Ein zynisches Bild und ein Stadtführer der nicht einmal als WC-Papier verwendbar ist, weil das Material rutscht!

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