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Text: GRÜNE · 7. März 2010 10:52 Uhr

Grüne fordern Maßnahmen zur Armutsverhinderung von Frauen mit Behinderungen

Jarmer: Frauen mit Behinderungen werden doppelt diskriminiert: Auf Grund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung

2010: Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung

Frauen mit Behinderungen werden doppelt diskriminiert: aufgrund ihres Geschlechtes und auf Grund ihrer Behinderung. "Frauen mit Behinderung sind, wenn man das geringe Einkommen und die Armutsgefährdung betrachtet, in höherem Ausmaß betroffen als Männer mit Behinderungen", so die Behindertensprecherin der Grünen, Helene Jarmer.

Lt. Bericht der Bundesregierung über die Lage von Menschen mit Behinderungen in Österreich aus dem Jahr 2008 haben Frauen mit Behinderungen eine um die Hälfte höhere Armutsgefährdungsquote als Männer (23% zu 16%).

Insgesamt ist diese Quote von Menschen mit Behinderungen mit 20% fast doppelt so hoch wie die von nichtbehinderten Menschen (11 %). Während 22 % der nicht behinderten Bevölkerung über ein Pro-Kopf-Haushaltseinkommen im untersten Einkommensviertel der Gesamtbevölkerung verfügt, ist dies bei 34 % der Menschen mit Behinderung der Fall. Besonders hoch sind die Anteile der Frauen mit Behinderungen im Erwerbsalter (38 %) und der der über 65-jährigen Frauen (36 %).

"Neben Kampagnen zur Sichtbarmachung von Frauen mit Behinderungen in der Gesellschaft sind gezielte Maßnahmen zur ihrer Förderung notwendig", fordert die Grüne Behindertensprecherin. "Besonders wichtig ist der Bereich der Bildung und Ausbildung". Gendermaßnahmen müssen aber auch im Berufsalltag von Frauen mit Behinderungen getroffen werden.

"Frauenbeschäftigungsquoten halte ich für eine geeignete Maßnahme, um die hohe Arbeitslosigkeit von Frauen mit Behinderungen zu bekämpfen", so Jarmer. Auch in der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen findet sich ein spezieller Artikel für Frauen und Mädchen mit Behinderungen. In Artikel 6 Abs. 2 wird "die Stärkung der Autonomie der Frauen mit Behinderungen durch gezielte Maßnahmen gefordert.

"Wichtig ist auch, dass alle Daten geschlechtsdifferenziert erhoben werden. Nur so kann die Situation der Frauen mit Behinderungen sichtbar gemacht und in der Folge gezielt verbessert werden", so Jarmer.

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Christa · 8. März 2010 13:40 Uhr

Alle Menschen sind durch eine ganze Reihe von Eigenschaften liebenswert, nur die äußerliche Attraktivität ist hoffentlich nicht ausschlaggebend! Was mir wichtig erscheint, ist aber die Kenntnis von Zahlen, Daten und Fakten zu behinderten Frauen. Wie viel der Förderungen geht an Projekte, die sich an behinderte Frauen richtet - auf allen Ebenen von sozialen Förderungen und von Sozialleistungen im Vergleich zu behinderten Männern.

Stefanie · 7. März 2010 19:21 Uhr

Dazu kommt natürlich noch, dass behinderte Männer ihr Handicap durch beruflichen Erfolg zum Teil kompensieren können. Und für Frauen ist eben Status, Erfolg und Geld entscheidend für die Attraktivität.

Da bei der Bewertung von Frauen die berufliche Leistung aber nicht diesen Stellenwert hat, hat eine Frau kaum Möglichkeiten für einen Mann interessant zu werden. Dementsprechend mitdleidig sind dann auch die Blicke der Menschen, wenn sie Frauen zum Beispiel im Rollstuhl sehen. Es ist vollkommen klar, dass sie für die meisten Menschen nicht mehr als attraktive Frau existiert.

Doppeltes Lottchen · 7. März 2010 12:16 Uhr

Bei Frauen, die behindert sind, kommt natürlich ein wesentlicher Faktor hinzu: Attraktivität ist ganz generell, aber speziell bei der Arbeitsplatzsuche (und am "Partnermarkt"!) bei Frauen ein großes Thema und noch immer wesentlich wichtiger als bei Männern (auch wenn das nicht immer so klar zugegeben wird). Eine offensichtlich behinderte Frau, wird selten als attraktiv empfunden und damit hat sie im wahrsten Sinne des Wortes ein doppeltes Problem.

Dazu kommt dann noch, dass es die Gesellschaft bei Frauen für selbstverständlicher hält, dass die Familie doch irgendwie für das behinderte Familienmitglied aufkommen soll. Da sind alte Rollenbilder noch viel stärker verwurzelt, als im Rest der Gesellschaft. Ebenso dürfte es das Phänomen geben, dass man Frauen, die in dieser Form versorgt werden nicht in den üblichen Statistiken der diversen Stellen finden wird, die soziale Leistungen auszahlen, oder vielleicht nur zum Teil. Falls eine Frau einen Job ergattert, hat sie natürlich mit denselben Diskriminierungen zu kämpfen, die üblicherweise bestehen, wie geringerem Lohn, weniger Fortbildung, geringeren Aufstiegschancen.

Besonders problematisch ist die Situation von Frauen, die keine eigenständige Erwerbsarbeit hatten (z.B. als Hausfrau) und die dann krank werden, weil in Österreich sehr viele soziale Leistungen und deren Höhe an die Erwerbsarbeit gekoppelt sind. Man müsste sich auch anschauen, wie viel Rehab Frauen über die medizinische Rehab hinaus bekommen, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Erschwerend kommt dazu, dass - wie das Magazin Cancer im November 2009 berichtet hat - Frauen bei schweren Erkrankungen viel öfter vom Partner verlassen werden als Männer. Nachdem sie eine Diagnose wie Gehirntumor hatten, stand plötzlich 21% der verheirateten Frauen ohne Beziehung da, aber nur 3 % der verheirateten Männer!

Die Diskriminierungen von Frauen mit einer Behinderung sind also sehr vielschichtig. Deshalb wären valide Daten so wichtig!

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