Grüne fordern Maßnahmen zur Armutsverhinderung von Frauen mit Behinderungen
Jarmer: Frauen mit Behinderungen werden doppelt diskriminiert: Auf Grund ihres Geschlechts und ihrer Behinderung
Lt. Bericht der Bundesregierung über die Lage von Menschen mit Behinderungen in Österreich aus dem Jahr 2008 haben Frauen mit Behinderungen eine um die Hälfte höhere Armutsgefährdungsquote als Männer (23% zu 16%).
Insgesamt ist diese Quote von Menschen mit Behinderungen mit 20% fast doppelt so hoch wie die von nichtbehinderten Menschen (11 %). Während 22 % der nicht behinderten Bevölkerung über ein Pro-Kopf-Haushaltseinkommen im untersten Einkommensviertel der Gesamtbevölkerung verfügt, ist dies bei 34 % der Menschen mit Behinderung der Fall. Besonders hoch sind die Anteile der Frauen mit Behinderungen im Erwerbsalter (38 %) und der der über 65-jährigen Frauen (36 %).
"Neben Kampagnen zur Sichtbarmachung von Frauen mit Behinderungen in der Gesellschaft sind gezielte Maßnahmen zur ihrer Förderung notwendig", fordert die Grüne Behindertensprecherin. "Besonders wichtig ist der Bereich der Bildung und Ausbildung". Gendermaßnahmen müssen aber auch im Berufsalltag von Frauen mit Behinderungen getroffen werden.
"Frauenbeschäftigungsquoten halte ich für eine geeignete Maßnahme, um die hohe Arbeitslosigkeit von Frauen mit Behinderungen zu bekämpfen", so Jarmer. Auch in der UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen findet sich ein spezieller Artikel für Frauen und Mädchen mit Behinderungen. In Artikel 6 Abs. 2 wird "die Stärkung der Autonomie der Frauen mit Behinderungen durch gezielte Maßnahmen gefordert.
"Wichtig ist auch, dass alle Daten geschlechtsdifferenziert erhoben werden. Nur so kann die Situation der Frauen mit Behinderungen sichtbar gemacht und in der Folge gezielt verbessert werden", so Jarmer.
Weitere Informationen: Bundespolitik
Speichern bei:
Google-Werbung:
Google-Werbung:
Christa · 8. März 2010 13:40 Uhr
Stefanie · 7. März 2010 19:21 Uhr
Da bei der Bewertung von Frauen die berufliche Leistung aber nicht diesen Stellenwert hat, hat eine Frau kaum Möglichkeiten für einen Mann interessant zu werden. Dementsprechend mitdleidig sind dann auch die Blicke der Menschen, wenn sie Frauen zum Beispiel im Rollstuhl sehen. Es ist vollkommen klar, dass sie für die meisten Menschen nicht mehr als attraktive Frau existiert.
Doppeltes Lottchen · 7. März 2010 12:16 Uhr
Dazu kommt dann noch, dass es die Gesellschaft bei Frauen für selbstverständlicher hält, dass die Familie doch irgendwie für das behinderte Familienmitglied aufkommen soll. Da sind alte Rollenbilder noch viel stärker verwurzelt, als im Rest der Gesellschaft. Ebenso dürfte es das Phänomen geben, dass man Frauen, die in dieser Form versorgt werden nicht in den üblichen Statistiken der diversen Stellen finden wird, die soziale Leistungen auszahlen, oder vielleicht nur zum Teil. Falls eine Frau einen Job ergattert, hat sie natürlich mit denselben Diskriminierungen zu kämpfen, die üblicherweise bestehen, wie geringerem Lohn, weniger Fortbildung, geringeren Aufstiegschancen.
Besonders problematisch ist die Situation von Frauen, die keine eigenständige Erwerbsarbeit hatten (z.B. als Hausfrau) und die dann krank werden, weil in Österreich sehr viele soziale Leistungen und deren Höhe an die Erwerbsarbeit gekoppelt sind. Man müsste sich auch anschauen, wie viel Rehab Frauen über die medizinische Rehab hinaus bekommen, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.
Erschwerend kommt dazu, dass - wie das Magazin Cancer im November 2009 berichtet hat - Frauen bei schweren Erkrankungen viel öfter vom Partner verlassen werden als Männer. Nachdem sie eine Diagnose wie Gehirntumor hatten, stand plötzlich 21% der verheirateten Frauen ohne Beziehung da, aber nur 3 % der verheirateten Männer!
Die Diskriminierungen von Frauen mit einer Behinderung sind also sehr vielschichtig. Deshalb wären valide Daten so wichtig!