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Text: Annemarie Srb-Rössler · 12. Mai 1997 15:40 Uhr

Frauenvolksbegehren - Warum ich nicht unterschrieben habe

Als politisch denkende Frau fällt es mir nicht leicht, demokratische Entscheidungen - die viele gute und wichtige Forderungen zum Inhalt haben - nicht mitzutragen.

Ich habe daher meine Entscheidung nicht leichtfertig getroffen und möchte einige meiner Überlegungen festhalten.

Behinderten Frauen ist es kaum oder meist gar nicht möglich, an Veranstaltungen der Frauenbewegung teilzunehmen oder diese mitzugestalten. Veranstaltungsorte sind für behinderte Frauen nicht zugänglich; das Frauencafe oder der Frauenbuchladen sind nach wie vor nur über Stufen erreichbar. Gespräche, diese Mißstände zu beseitigen, blieben ohne Erfolg bzw. kamen Reaktionen, über die wir Frauen uns zu Recht ärgern. "WIR HABEN NICHT DARAN GEDACHT."

Als ich dann noch den Medien entnommen habe, daß die Schlußkundgebung am Tag des Frauenvolksbegehrens in einem für RollstuhlfahrerInnen nicht zugänglichen Lokal stattfindet, war meine Entscheidung getroffen, dieses Volksbegehren nicht zu unterzeichnen.

Nach einer öffentlich geäußerten Kritik bei einer Veranstaltung der Regenbogenkoalition kam von der Initiatorin des Volksbegehrens, Eva Rossmann, nachfolgendes Fax, welches ich schlicht als Frechheit empfinde:

"Liebe Frauen!

Theresia Haidlmayr hat mir erzählt, daß Sie einiges im Zusammenhang mit dem Frauenvolksbegehren - gelinde gesagt - nicht so gut finden. Was den Inhalt des Frauenvolksbegehrens angeht, so ist uns bewußt, daß wir nicht alle Anliegen abdecken können. Wir haben uns daher darauf beschränkt, bessere ökonomische Rahmenbedingungen für Frauen einzufordern.

Aber natürlich werden wir uns in den nächsten Monaten auch für andere wichtige Frauenthemen einsetzen. Die Lage behinderter Frauen in Österreich ist mit Sicherheit besonders schwierig. Wenn irgendwie möglich, sind wir gerne bereit, Sie bei Ihrem Einsatz für Gleichberechtigung und faire Chancen zu unterstützen.

Zum zweiten Kritikpunkt: Unser Fest zum Ende der Eintragungswoche findet in der ´Zugabe´ - einem nicht behindertengerechten Lokal - statt. Ich sage es ganz ehrlich: Das ist uns einfach passiert, es tut uns leid. Leider denke ich nicht immer im ausreichenden Maß an die Bedingungen, die behinderte Menschen brauchen, um nicht ausgegrenzt zu werden. Ich finde es sehr gut, daß Sie sich gegen solche Ignoranz möglichst laut zur Wehr setzen. Wahrscheinlich können sich die an sich Gutwilligen nur so merken, worauf es ankommt. Was mich persönlich angeht, so habe ich mir die Kritik mit Sicherheit eingeprägt. Ich weiß schon, daß Sie nicht viel davon haben wenn ich sage: Es wird nicht wieder vorkommen, dennoch will ich es festhalten. Mit solidarischen Grüßen Eva Rossmann."

Die zentrale Aussage "Wenn irgendwie möglich ..." wollen wir Sie unterstützen, ist unsolidarisch, weil es hier um gleichberechtigte Forderungen von Frauen geht. Seit diesem Fax ist ein Monat vergangen - es gibt noch immer keinen Termin mit Frau Rossmann; Frauencafe und Frauenbuchladen sind noch immer nicht zugänglich. Über die Reaktionen werden wir in den nächsten Nummern von BIZEPS-INFO berichten.

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