aktion leben: Kinder mit Down-Syndrom brauchen eine Chance

90 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom kommen nicht zur Welt, bestätigte einmal mehr Peter Husslein, Leiter der Wiener Uni-Frauenklinik.

aktion leben österreich Martina Kronthaler
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aktion leben fordert angesichts dieser bestürzenden Entwicklung verstärkte Informationen über psychosoziale Beratung bei auffälligen Befunden sowie über das Down-Syndrom selbst.

Zudem teilt der unabhängige Verein die Ansicht von Behindertenanwalt Erwin Buchinger, dass die eugenische Indikation eine offensichtliche Diskriminierung behinderten Lebens ist.

„Der mittlerweile flächendeckende Einsatz von Pränataldiagnostik (PND) geht einher mit der kontinuierlichen vorgeburtlichen Selektion von Kindern mit Down-Syndrom“, beobachtet Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich. Der eigentliche und wichtige Zweck der vorgeburtlichen Untersuchungen – die Sorge um die Gesundheit ungeborener Kinder – werde dadurch ins Gegenteil verkehrt.

Statistik über Abbrüche nach eugenischer Indikation fehlt

Dazu passe, dass in Österreich die eugenische Indikation kaum öffentlich diskutiert werde. Dabei geht es um die Möglichkeit, Kinder mit Behinderungen bis zum Einsetzen der Wehen straflos zu töten. „Nicht einmal eine Statistik gibt es, wie viele Schwangerschaften im Rahmen der eugenischen Indikation beendet werden und welche Behinderungen dazu führen“, beanstandet Martina Frontaler.

Soziale Benachteiligungen abschaffen

„Kinder mit Down-Syndrom leben ebenso gerne wie andere Kinder. Das Leben mit ihnen ist anders, aber keinesfalls weniger lebenswert“, so die Erfahrung der meisten betroffenen Mütter und Väter. Viele von ihnen sowie ihre Eltern würden allerdings sozial benachteiligt. “ Anstatt die sozialen Probleme zu lösen, wird der Medizin zugemutet, lebensfähige ungeborene Kinder zu beseitigen“, kritisiert Kronthaler.

Schwierig sei für Eltern etwa nach wie vor, geeignete inklusive Betreuungs- und Schulplätze zu finden. „Es braucht einen Anspruch auf Betreuungsplätze.“ Besonders schwierig stelle sich die Suche nach Arbeitsplätzen dar, weiß Kronthaler. „Wir erwarten von der Politik rasch konkrete Schritte zur Inklusion, damit Kinder und Eltern mit Down-Syndrom gute Lebenschancen vorfinden.“

Verstärkt über psychosoziale Beratung informieren

Bedauerlich sei weiters, dass die Möglichkeit der psychosozialen Beratung nach einem positiven pränataldiagnostischen Befund kaum beworben werde. Viele Paare wissen nicht, dass es auf Pränataldiagnostik spezialisierte Einrichtungen gibt, zu denen auch aktion leben gehöre. In Deutschland etwa sind diagnostizierende ÄrztInnen seit Anfang 2010 verpflichtet, auf psychosoziale Beratung hinzuweisen. Eine solche Regelung wünscht die aktion leben auch für Österreich.

Entscheidungen über Leben und Tod brauchen Zeit

„Psychosoziale Beratung bietet einen Raum für andere als medizinische Fragen, die aber ebenso wichtig sind.“ Eltern, die erfahren, dass ihr Kind Down-Syndrom oder eine Behinderung hat, stehen zumeist unter Schock. Diesen aufzufangen und sodann Informationen und Vernetzungen anzubieten, sei dabei eine wichtige Aufgabe. Vor allem brauchen diese Eltern Zeit: „Eine Entscheidung über Leben oder Tod eines Kindes kann nicht unter Zeitdruck getroffen werden.“

Neugeborenen-Box für Eltern

„Eltern wiederum, die ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt bringen, sehen sich oft mit großer Hilflosigkeit ihrer Umgebung konfrontiert“, berichtet Kronthaler. Kaum jemand wage eine Gratulation zur Geburt. Aktion leben oberösterreich hat daher eine „Neugeborenen-Box“ mit vielen Informationen über Beratung, Medizin, Therapie und Förderung vorfinanziert. Erstellt wurde sie von Eltern mit Down-Syndrom-Kindern.

„Es geht um eine realistische Vermittlung des Lebens mit Down-Syndrom, das bei Weitem positiver ist als in dem Köpfen vieler Menschen verankert.“

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0 Kommentare

  • Dass man mich nicht falsch versteht. Es geht mir um rein theoretische Betrachtungsweisen. Den Begriff „Euthanasie“ meine ich gar nicht wertend, auch wenn der Begriff schon eine impliziert. Deshalb stört mich auch das zweierlei Maß. Während man im Mutterleib noch von „Zellhaufen“ spricht, nennt man dasselbe später Mensch. Als wäre ein Mensch kein Zellhaufen.
    Wenn jemand oder eine Gesellschaft den Tatsachen ins Gesicht schaut und meint, dass Selektion nützlich ist, ist es mir recht.

  • Huch. Wenn ich solche Praktiken als „Selektion“ und „eugenische Indikation“ bezeichne, werde ich mit radikalen Abtreibungsgegnern gleichgesetzt, die meist auch Befürworter der Todesstrafe seien und zudem keine Ahnung von biologischer Entwicklung hätten. Das verlogene an der ganzen Sache ist, dass dies im Namen der Freiheit passiert. Wenn schon, müsste man konsequent die Abtreibung legalisieren, auch im 12. Monat, im 40. Jahr, wann auch immer. Es sollte demnach nicht verboten sein, einen Menschen 81-jährig zu euthanasieren, wenn es gesetzlich bis kurz vor der Geburt straffrei gewesen wäre.