Algorithmus bewertet die Jobchancen von Arbeitssuchenden

Das sorgt für massive Kritik: Ein AMS-Algorithmus ermittelt in Zukunft die Vermittlungschancen von Arbeitssuchenden anhand von Merkmalen wie Geschlecht oder Behinderung. Ein Kommentar.

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Wie hoch sind die Chancen, erfolgreich auf dem Arbeitsmarkt vermittelt zu werden? Wenn es nach dem AMS geht, soll das in Zukunft anhand eines Computeralgorithmus ermittelt werden. Auf der Homepage von DerStandard kann man sich selbst testen.

Konkret sieht das so aus, dass bestimmte Merkmale wie zum Beispiel Geschlecht, Alter, Staatsangehörigkeit oder auch eine Behinderung herangezogen werden, um die Chancen von Personen auf dem Arbeitsmarkt zu ermitteln. 

Die Methode wird im AMS Arbeitsmarktchancen-Modell erklärt. Auf Basis der ermittelten Chancen werden die Jobsuchenden dann in drei Gruppen eingeteilt und zwar in jene mit hohen, mittleren und niedrigen Chancen. Jetzt kommt das eigentliche Problem. Wie im Standard berichtet, soll anhand dieser Berechnungen entschieden werden, wie das AMS seine Ressourcen effizienter einsetzen kann.

Damit würden bestehende Vorurteile reproduziert. Der AMS-Algorithmus sei ein „Paradebeispiel für Diskriminerung“, berichtet die Futurezone und DerStandard. In einem anderen Artikel wird erwähnt, warum diese Art der Entscheidungsfindung problematisch ist

Das heißt im Klartext: Je nachdem in welche Gruppe man fällt, wirkt sich das auch auf die Zuteilung von Fördermaßnahmen aus. Wessen Chancen schlechter eingeschätzt werden, der könnte weniger Förderung bekommen. Eine solche Vorgangsweise ist fatal für jene, die ohnehin schon benachteiligt sind.  

Diskriminiert der neue AMS Algorithmus Menschen mit Behinderungen?

Es ist nichts Neues, dass sich bestimmte Merkmale wie Geschlecht, Migrationshintergrund oder eine Behinderung negativ, auf die Integration auf den Arbeitsmarkt auswirken können. Wie in der Vergangenheit von BIZEPS berichtet, ist die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen in den letzten acht Jahren um über 100 % angestiegen.

Daher stimmt die Tatsache besonders nachdenklich, dass der neue Algorithmus bestimmte Merkmale mit einem Plus oder Minus bewertet, das heißt positiv oder negativ für die Chancen einen Job zu bekommen. In einer im Standard veröffentlichten Anleitung zum neuen Algorithmus ist zu lesen, dass das Merkmal einer Beeinträchtigung mit Minus 0,67 bewertet wird.

Ähnlich nachteilig wirken sich die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht (-0,14), zur Altersgruppe 50+ (-0,70) oder wenige Beschäftigungstage (-0,74) aus. Könnten durch das neue AMS-System die bestehenden Ungleichheiten und Benachteiligungen, die es auf dem Arbeitsmarkt zum Beispiel für Frauen oder Menschen mit Behinderungen gibt, noch verschlimmert werden?

BIZEPS fragte beim AMS nach

BIZEPS hat AMS Vorstand Johannes Kopf gefragt, ob es stimmt, dass das AMS Menschen mit Behinderungen pauschal abwertet. Seine Antwort via Twitter lautet:

Es stimmt, dass der Algorithmus abbildet, dass Menschen mit Behinderung schlechtere Chancen am Arbeitsmarkt haben. Es stimmt aber auch, dass wir gerade für diese Zielgruppe einen eigenen Schwerpunkt haben um diesen schlechteren Chancen entgegen zu wirken.

Diese Antwort ist nicht wirklich befriedigend. Denn wie man den schlechteren Chancen entgegenwirken will, darauf ist Johannes Kopf bisher nicht eingegangen.

Auch muss man sich fragen, wie ein System, das Menschen anhand der Zugehörigkeit zu einer Gruppe bewertet – und zwar eindeutig negativ, um dann an diese Bewertung auch die Zuteilung von Ressourcen zu knüpfen, die Inklusionschancen von Menschen mit Behinderungen oder anderen Gruppen verbessern soll.

AMS Vorstand Johannes Kopf gab aber kürzlich in einem Standard-Interview zu verstehen, dass die letzte Entscheidung immer noch bei den Beraterinnen und Beratern des AMS läge.

Allerdings tendieren Menschen dazu, eine Vorgabe des Computers häufig zu befolgen, zumal die Vorgabe des Computers bereits bestehende Tendenzen in der Beurteilung von Personen mit bestimmten Eigenschaften wiedergibt.

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4 Kommentare

  • Wie im Standard vor ein paar Tagen nachzulesen, ist dieser „Algorithmus“ derartig Stümperhaft programmiert, dass man bessere Jobchancen hat, je öfter man zum AMS geht, sowie etliche andere grobe Ungereimtheiten.

    Ich würde das ganze nicht ernst nehmen.

    Das Behinderte schlechtere Chancen haben, ist ja wohl nicht neu.

  • Ein sehr gelungener Artikel! Stellt sich die Frage, ob man dagegen wegen Diskriminierung klagen kann. Was sagt der Klagsverband?

  • AMS Vorstand Johannes Kopf gab aber kürzlich in einem Standard-Interview zu verstehen, dass die letzte Entscheidung immer noch bei den Beraterinnen und Beratern des AMS läge! Doch er hat nicht dazugesagt, dass AMS MitarbeiterInnen ja auch nach „Erfolgsquoten“ bewertet werden und da schaut es dann für Menschen mit Behinderungen wieder schlecht aus! Es wird nicht besser werden und das wird halt noch so lange es irgendwie geht, weggeschwiegen. Was kündigte Minister Hofer bereits schon im Vorfeld an: „Wir werden uns noch wundern, was alles möglich ist“. Na also, und keiner hat es gewusst?

    • Wundern wir uns wirklich? Ich hab mir eigentlich nichts anderes erwartet.
      Heute Nacht hatte ich einen Traum. Mein Lebenspartner und ich sind beide nach einer Erkrankung schwer körperbehinderte, leben aber eigenständig in einer Mietwohnung mit netten Nachbarn in einer hilfsbereiten Dorfgemeinschaft in der nicht nur wir voll integriert sind sondern auch „unsere“ Flüchtlinge und Migranten. Sehr angenehm zu leben.
      Heut Nacht habe ich geträumt: kickls Eingreiftruppe kam und brachte uns in eine Einrichtung, wo wir konzentriert gehalten werden damit man uns gezielter helfen kann und die für uns aufgewendeten mittel des anständigen Steuerzahlers so Effektiv wie möglich eingesetzt werden. Dort kann man uns notfalls auch von unserem leiden erlösen. Natürlich nur wenn wir freiwillig zustimmen.
      Achtung! Dss ist keine Unterstellung nur ein Traum.