An OTTO STÄNKERER: Leserbrief

Es ist schon sehr lange her, daß mich ein Artikel so in Erstaunen versetzt hat wie der über die "Hundis" in der Märzausgabe Ihres Blattes.

Otto Stänkerer - Kürbis der böse schaut
BIZEPS

Ich gratuliere Ihnen aufrichtig zu Ihrem Mut, endlich einmal vonseiten der Betroffenen eine Diskussion über dieses meiner Meinung nach viel zu emotionell behandelte Thema vom Zaun zu brechen. Ich habe schon seit über 20 Jahren Blindenführhunde und bin seit 1984 Führhundreferentin des Österr. Blindenverbandes. Ich fühle mich daher berechtigt, ja verpflichtet, auch meinen Beitrag zu Ihren Ausführungen zu liefern.

Grundsätzlich empfinde ich es als äußerst störend, wenn sich Helfer, die für schweres Geld Dienstleistungen anbieten, so darstellen, als ob sie gänzlich von den Freuden des Daseins Abschied nehmen würden, um ihr Leben den armen und hilflosen Behinderten zu weihen. Daher ist es hoch an der Zeit, offen auszusprechen, daß Ausbildungsstätten für Tiere Gewerbebetriebe sind, deren Leitung derzeit vom Gesetz her nicht die geringste Ausbildung erfordert. Es sind also in Österreich lediglich private Firmen, in denen kein einziger Trainer tätig ist, der eine einschlägige fundierte Ausbildung absolviert hat.

Es kann bestenfalls auf eine kurze Schnupperlehre (sprich längerer Besuch in einem Trainingszentrum im Ausland) verwiesen werden. Um alle Privilegien, die aus öffentlicher und privater Hand (vor allem Spenden gutgesinnter, aber beileibe nicht als wohlhabend zu bezeichnender Leute) voll ausschöpfen zu können, lassen sich die „Schulen“ noch Vereine gründen. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, in die saftigen Preise alles hineinzurechnen, was gut und teuer ist. Zugute kommt den Firmen, daß es ja kaum Konkurrenz und keinen öffentlichen Kostenträger gibt, der prüft, ob und inwieweit die verrechneten Preise gerechtfertigt sind.

Bezüglich der Blindenführhunde hat der Österr. Blindenverband, der ja aufgrund der reichhaltigen und nicht immer positiven Erfahrungen betroffener Führhundhalter sehr genau weiß, was ein solcher Hund zu können hat und wie lange ein guter Trainer braucht, diese Kenntnisse einem geeigneten Hund anzutrainieren, hat eine Prüfungsordnung erarbeitet, die schon seit vier Jahren angewandt wird. Der Standard der Hunde hat sich dadurch wesentlich gebessert.

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