Filmtipp: Komödie „Was ist schon normal?“
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Barrieren humorvoll entlarven, Gebärdensprache sichtbar machen und dabei einen Nerd in den Mittelpunkt rücken - all das gelingt dem Kurzfilm „Andi macht’s“.
Beim französischen Festival Film’Ô räumte die Produktion gleich doppelt ab: Hauptdarsteller Manfred Schütz gewann in der Kategorie „Best Actor“, Regisseur Christoph Kopal erhielt eine Nominierung in der Kategorie „Best Editor“ für seine satirische Handschrift.
Wir haben mit beiden über den Film „Andi macht’s“, Technikpannen, Gebärdensprach‑Avatare und neue Filmpläne gesprochen.
„Andi macht’s“ zeigt einen technikverliebten Tüftler, der stolz seine neue Navigations‑App in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) präsentiert – bis Software‑Bugs und Alltagschaos ihn einholen. Der 12‑Minüter verbindet Slapstick mit Gesellschaftskritik: Was passiert, wenn Barrierefreiheit ohne Einbindung der Betroffenen nur simuliert wird?
Schon vor Film’Ô überzeugte das Werk Jury‑Runden in London und Paris. Die aktuelle Auszeichnung bestätigt, dass Geschichten in ÖGS ein internationales Publikum erreichen können – wenn sie authentisch erzählt werden.
BIZEPS: Worum geht es im Film?
Christoph Kopal: Ein Nerd stellt seine neue ÖGS‑Navigations‑App vor – doch dabei geht alles schief.
BIZEPS: Wie kamen Sie darauf, ein Navigationssystem in Gebärdensprache zur satirischen Hauptfigur zu machen?
Christoph Kopal: Die Idee liegt schon lange in meinem Notizbuch. Während der Corona‑Zeit hatte ich endlich Gelegenheit, alte Skizzen zu sichten – „Andi macht’s“ sprang mich sofort an.
BIZEPS: Gegen wen oder was richtet sich die Satire stärker: Technik‑Hype, Werbeversprechen oder mangelnde Barrierefreiheit?
Christoph Kopal: Ganz klar gegen Gebärdensprach‑Avatare, die in der Community wenig Anklang finden. Beim Donauinselfest 2025 etwa löste ein Avatar auf der Bühne einen Shitstorm aus. Viele gut gemeinte Lösungen entstehen ohne echte Zusammenarbeit mit Betroffenen – genau das kritisiere ich.
BIZEPS: Warum fiel Ihre Wahl auf Manfred Schütz, und was brachte er der Figur, das im Drehbuch noch nicht stand?
Christoph Kopal: Ursprünglich war er nur für Testaufnahmen vorgesehen, doch er war schlicht perfekt. Manfred improvisiert großartig – wenn er den Text vergisst, spielt er weiter, und genau das blieb im Film.
BIZEPS: Welche Unterschiede spüren Sie in Arbeitsabläufen und Kommunikation, wenn ein Team überwiegend gehörlos ist?
Christoph Kopal: Mit gehörlosen oder ÖGS‑kompetenten Teammitgliedern zu arbeiten ist befreiend: keine Kommunikations‑Barrieren, kein ständiges Erklären. In hörenden Teams muss ich oft wiederholen, warum Hände im Bild sein müssen, damit man die Sprache versteht.
BIZEPS: Der Film wurde bereits mehrfach prämiert. Wie beeinflussen Preise Ihre nächsten Projekte?
Christoph Kopal: Weitermachen – auch wenn die Barrieren noch da sind! Der nächste Kurzfilm wird sich mit sozialen Medien und ihrem negativen Einfluss beschäftigen. Natürlich wieder mit schwarzem Humor und in ÖGS. Geplant ist eine Premiere 2026.
BIZEPS: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie beim Film’Ô‑Festival als „Bester Schauspieler“ ausgezeichnet wurden?
Manfred Schütz: Ich war total baff. Damit hab ich wirklich nicht gerechnet. Ich hatte Spaß beim Dreh – aber dass daraus gleich ein Preis wird? Wahnsinn! Ich war einfach nur stolz – vor allem, weil der Film eine taube Hauptfigur ernst nimmt und nicht zur Randfigur macht.
BIZEPS: Haben Sie erfahren, was die Jury an Ihrer Darstellung besonders überzeugend fand?
Manfred Schütz: Ja, mir wurde gesagt, dass meine Ausdruckskraft in Gebärdensprache – vor allem die Wechsel zwischen humorvollen und ernsten Momenten – sehr stark gewirkt haben. Auch dass ich Andis Emotionen ohne Stimme, nur über Mimik, Körperhaltung und ÖGS so klar rübergebracht habe, sei besonders gewesen.
BIZEPS: Inwiefern erkennen Sie sich in Andis Begeisterung für Technik und schnelle Autos wieder?
Manfred Schütz: Also Technik auf jeden Fall – da bin ich ganz Andi. Ich tüftle gerne, probiere neue Geräte aus, bastle auch manchmal an Lösungen für barrierefreie Kommunikation. Bei Autos bin ich eher gemütlich unterwegs, aber die Leidenschaft kann ich gut nachvollziehen!
BIZEPS: Welche schauspielerischen Mittel halfen Ihnen, Andis Euphorie und Frustration in ÖGS sichtbar zu machen?
Manfred Schütz: ÖGS lebt ja von Rhythmus, Mimik und Raum. Ich habe viel mit Tempo gearbeitet – wenn Andi euphorisch ist, gebärdet er schnell, groß, fast hektisch. In den frustrierten Momenten ist er langsamer, Gestik reduziert, die Schultern sinken. Ich habe versucht, mit Körpersprache den inneren Zustand zu zeigen.
BIZEPS: Gab es reale Technikpannen, die spontan in den Film übernommen wurden?
Manfred Schütz: Ja, tatsächlich! Eine Szene, wo das Navi (das Handy) kurz hängt, war ursprünglich nicht geplant – aber weil es beim Dreh wirklich abgestürzt ist, haben wir’s einfach eingebaut. Das hat Andis Frustmoment gleich noch echter gemacht.
BIZEPS: Welche Rückmeldungen haben Sie von gehörlosen und hörenden Zuschauer:innen erhalten?
Manfred Schütz: Viele fanden’s super, dass ÖGS so selbstverständlich im Zentrum steht – und dass es auch mal eine nerdige, schräge Hauptfigur gibt, die nicht perfekt ist, aber sympathisch. Hörende haben oft gesagt: „Ich hab zum ersten Mal so richtig verstanden, wie reich Gebärdensprache eigentlich ist.“
BIZEPS: Öffnet der Preis bereits neue Türen, etwa Rollenangebote oder Festival‑Einladungen?
Manfred Schütz: Ein bisschen was tut sich schon – es gab erste Anfragen von anderen Festivals, auch für Podiumsdiskussionen. Wer weiß, vielleicht geht da noch mehr! Ich wär auf jeden Fall bereit für neue Rollen – aber immer barrierefrei, bitte.
Mit feiner Ironie, liebevoller Detailarbeit und einer gehörlosen Hauptfigur im Zentrum zeigt „Andi macht’s“, wie kraftvoll barrierefreies Storytelling sein kann, wenn gehörlose Menschen nicht nur dabei, sondern federführend sind.
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Milbradt ,
29.07.2025, 13:02Hallo,
Wo kann man den Film als ganzes (nicht nur den Trailer) sehen?
Danke für die Info
Markus Ladstätter BIZEPS
30.07.2025, 09:47Hallo Milbradt!
Derzeit ist der Film leider nirgendwo zu sehen. Im Herbst soll eine Vorführung im WITAF stattfinden (nicht barrrierefrei zugänglich). Eine barrierefreier Vorführort wird noch gesucht, ist aber noch nicht fix.