App-Tipp: KNFB Reader

Thema: App zum Erkennen und Vorlesen gedruckter Texte / mit VoiceOver bedienbare Apps

iPhone
Edward Lich

Der KNFB Reader ist eine leistungsstarke App zum Erkennen und Vorlesen gedruckter Texte.

Neben einer Hilfe zur Kameraausrichtung (Tilt) erleichtert ein Sichtfeldbericht die Handhabung, um festzustellen, ob das gesamte Blatt von der Kamera erfasst wird. Der Blitz kann nicht nur zugeschaltet, sondern auch auf Automatik gestellt werden. Texte lassen sich speichern, können nochmals erkannt und auch exportiert werden.

Bedienoberfläche

Die vier nachfolgend erläuterten Detailbildschirme scheinen mir die repräsentativsten für die Hauptaufgaben der App.

Start-Bildschirm: Der Start-Bildschirm ist in drei Hauptbereiche gegliedert – Im oberen Bereich unterhalb der Statusanzeige befinden sich die Tasten „Dateimanager“ (links), „Einstellungen“ (rechts) und unmittelbar unterhalb der Einstellungen „Tilt einstellen“. Die beiden ersten Tasten führen zu den jeweiligen Untermenüs, der Schalter „Tilt einstellen“ kann auf „ein“ oder „aus“ gestellt werden. Dahinter verbirgt sich die Ausrichtungshilfe für die Kameraführung beim Scanvorgang.

Der mittlere Bereich ist vertikal geteilt: Links befindet sich die Taste „Bild aufnehmen“, womit die Erkennung gestartet wird, rechts die Taste „Sichtfeldbericht“, die ansagt, wie viele und welche der vier Blattränder sichtbar sind.

Oberhalb des Home-Buttons befinden sich die drei Schalter „Texterfassungssprache“, „Dokumenttyp“ (ein- oder zweispaltig) und „Profil auswählen“ (automatisch oder manuell scannen). Unmittelbar darüber gibt es noch zwei Tasten, die linke heißt „Bild aus der Bibliothek hinzufügen“ und erlaubt den Import von Fotos, rechts daneben der Schalter für den Batch-Modus. Ist dieser eingeschaltet, können mehrere Seiten am Stück gescannt werden.

Dateimanager: Oberhalb der Liste der eingescannten Dokumente sind links zwei untereinander angeordnete Tasten. Die obere heißt „Zurück“ und führt zum Start-Bildschirm, die darunter liegende schaltet das Bearbeitungsmenü ein. Rechts oben befindet sich, genau wie am Start-Bildschirm, die Taste für die Einstellungen.

Ist ein Dokument fokussiert, können durch einen Senkrechtwisch mit einem Finger die Aktionen „Löschen“, „Umbenennen“, „Freigeben“, „Zur Auswahl hinzufügen“ und „Objekt aktivieren“ (Standardaktion) erreicht werden. Tippt man alternativ auf die Taste „Bearbeiten“, werden diese Aktionen sichtbar unterhalb von „Zurück“ und „Einstellungen“ eingeblendet.

Dokument lesen: Öffnet man durch Doppeltipp eines der im Dateimanager angezeigten Dokumente, wird der Lesebildschirm aktiviert, der übrigens auch gleich nach dem Scan-Vorgang erscheint. Auch hier werden oben „Zurück“ und „Einstellungen“ unterhalb der Statusleiste angezeigt. Darunter erfolgt die Angabe des Dokumentumfangs (hier Seite 1 von 8). Es folgt die Leiste mit den vier Optionen „Bild anzeigen“, „Seite hinzufügen zum Dokument“, „Diese Seite erneut erkennen“ und „Dokument speichern“.

Es folgt ein Textausschnitt und eine Bedienleiste mit fünf Elementen: „Nächsten Seite“, „Zurück Satz“, „Abspielen“, „Nächsten Satz“ und „Zurück Seite“.

Anmerkung: Zu diesen Tasten gibt es unter der Überschrift „Wichtige Hinweise“ noch einen Kommentar.

Abgeschlossen wird dieser Bildschirm mit den beiden Tasten „Sprache“ und „Tempo“. Ersteres bezieht sich auf die Dokumentsprache, letzteres auf das Vorlesetempo für den Abspiel-Knopf.

Einstellungen: Den Einstellungsbildschirm erreicht man (rechts oben) sowohl über den Start-Bildschirm als auch über alle Detailansichten zu den Dokumenten.

Es gibt die drei Tasten „Allgemeines“, „Anzeige“ und „Info“, die sich oberhalb des Home-Buttons befinden.

„Allgemeines“ bezieht sich auf die Texterfassung, deren Wiedergabe mittels Sprache sowie einige Leseoptionen. Unter „Anzeige“ finden sich alle visuellen Einstellungsmöglichkeiten und „Info“ bietet Angaben zum Hersteller sowie eine Kommentarfunktion und die Möglichkeit die Dokumentation wieder herzustellen, falls diese gelöscht wurde.

Nutzung

Jeder muss seine eigene Methode finden, die am besten funktioniert. Ich mache es wie folgt:

Ich lege das iPhone so auf das Dokument, dass sich die Kamera ungefähr in der Mitte des Blattes befindet, öffne die App und hebe das iPhone danach möglichst waagerecht in die Höhe. Meist betätige ich dann auch gleich den Auslöser (Mitte, links). Manchmal nutze ich auch die Taste „Sichtfeldbericht“, um zu kontrollieren, ob das gesamte Dokument sichtbar ist.

Steht „Tilt“ auf ein, vibriert das iPhone, wenn es verkantet wird. Sobald keine Vibration zu spüren ist, kann der Auslöser betätigt werden. Ich habe die Option aber sehr bald ausgeschaltet, weil mich das Vibrieren irgendwie irritiert.

Normalerweise löse ich eine Aktion mit einem Doppeltipp aus; beim Scannen bin ich aber zum geteilten Tippen übergegangen, um das Bild nicht zu verwackeln.

Hätte ich das automatische Vorlesen aktiviert (wie dies standardmäßig der Fall ist), würde der Text auch gleich vorgelesen, wobei man sich mit den entsprechenden Tasten (siehe oben) „portionsweise“ durch den Text bewegen kann. Das erlaubt einerseits ein „Überfliegen“ des Dokuments und ein gezieltes Navigieren in größeren Sprüngen. Ein Klick auf „Speichern“ sichert das Dokument für die Weiterverarbeitung, ein Tipp auf den Zurück-Button führt zum Scan-Bildschirm zurück.

Fotoimport: Der Erkennungsvorgang von Fotos ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn sich Text darauf befindet. Oft ist dies bei Dokumenten der Fall, die man als PDF erhält, die aber keinen mit Screen Readern lesbaren Text enthalten, sondern reine Grafiken sind.

Befindet sich dieses Bild in den Fotos, kann die Taste „Bild aus der Bibliothek hinzufügen“ im unteren Drittel des Bildschirms genutzt, das Foto ausgewählt und im Anschluss durch Doppeltipp auf „Wiedererkennen“ gescannt werden.

Auch ein Import aus der Dropbox ist über einen kleinen Umweg möglich: Man öffnet dazu die Dropbox und dort das gewünschte Bild. Über die Taste „Freigeben“ erhält man den Dialog für die Weitergabe, worin auch „Öffnen mit“ enthalten ist. Hier wird der KNFB Reader auch gelistet. Nach erfolgtem Import wird der Dateimanager (am Start-Bild links oben) mit einem entsprechenden Hinweis ergänzt, dass auf Importe zugegriffen werden kann. Die Erkennung erfolgt dann wieder über die Taste „Wiedererkennen“.

Wichtige Hinweise

Ich möchte auf einige wenige Bereiche der App hinweisen, weil sie möglicherweise von bekannten Mustern abweichen.

Lesen eines Dokuments: Wie bereits erwähnt, gibt es im oberen Bereich eine Anzeige der im Dokument enthaltenen Seiten. Hier wäre es intuitiv, mit einem vertikalen Wisch mit einem Finger durch die Seiten blättern zu können, was aber nicht funktioniert. Um im Text satz- oder seitenweise zu navigieren, müssen die Steuerungselemente im unteren Bildschirmbereich benutzt werden.

Dabei ist zu beachten, dass derzeit (Version 1.4) die Bezeichnungen „nächsten Seite“ und „Zurück Seite“ genau gegenteilig wirken. Möchte man also von Seite 1 auf Seite 3 blättern, muss man zweimal auf „Zurück Seite“ klicken. In die entgegengesetzte Richtung geht es dann mit „Nächsten Seite“. Beim Vor- oder Zurückblättern um jeweils eine Seite wird auch ein Tonsignal, dem Kameraklick vergleichbar, ausgegeben.

Während das seitenweise Blättern „stumm“ erfolgt, wird beim satzweisen Spulen die Sprache automatisch aktiviert. Hier stimmt übrigens die Richtung von zurück und nächste.

Betrachtet man die Anordnung der fünf Elemente, wird auch schnell klar, dass es sich nur um eine falsche Beschriftung handelt. Es gilt die Logik: Links geht es zurück, rechts geht es vorwärts.

Dokument freigeben: wie erwähnt, befindet sich dieser Punkt im Dateimanager und kann entweder durch die Taste „Bearbeiten“ oder einen senkrechten Wisch mit einem Finger beim entsprechenden Dokument erreicht werden. Als Dateitypen stehen „KNFB“, „Plaintext-Datei.txt“, „Plaintext-Datei.RTF“ und „formatierte Textdatei HTML“ zur Verfügung.

Bei meinem allerersten Textexport wollte nach der Formatauswahl das dazugehörige Menü für die Auswahl der entsprechenden App einfach nicht auftauchen. Erst als ich das Dokument einmal im KNFB-Format gespeichert hatte, waren die anderen Formate auswählbar. Ob dies nach den letzten Updates immer noch so ist, kann ich nicht sagen, wollte dieses Verhalten aber erwähnen, damit nicht andere ebenso verzweifelt nach einer Lösung suchen wie ich es getan habe.

Weiterführende Informationen:

Fazit

Der KNFB Reader zählt mit einem Preis von 99 Euro sicher zu den teureren Apps. Die Anschaffung will also gut überlegt sein. Ich möchte daher an dieser Stelle meine eigenen Überlegungen kurz umreißen.

Ich scanne sehr wenig mit dem iPhone, weil ich zu Hause ein sehr gutes standortgebundenes System habe. Aus diesem Gesichtspunkt amortisiert sich der Preis also nicht.

Entscheidend bei einer mobilen Texterkennung ist für mich jedoch nicht die Häufigkeit der Nutzung, sondern vielmehr die Zuverlässigkeit im Bedarfsfall. Ein Informationsblatt im Hotel oder ein ausgelegtes Dokument bei einer Veranstaltung sofort lesen zu können, ist ein Stück Unabhängigkeit.

Die Entscheidung, die 99 Euro zu bezahlen, fiel mir nicht besonders schwer, kostete doch der KNFB Reader für die Nokia-Geräte damals an die 1000 Euro.

Was den KNFB Reader für mich im Vergleich zu allen anderen installierten Scan-Apps also so wertvoll macht, sind seine Eigenschaften, die ihn so zuverlässig machen:

  • Enorm rasche Erkennung,
  • der Sichtfeldbericht, der mir sagt, ob das ganze Blatt erfasst wurde,
  • die Ausrichtungshilfe, die vor allem am Anfang eine enorme Lernhilfe bei der Kameraführung ist, auf die ich aber inzwischen verzichte, weil
  • selbst bei extremer Schieflage der Kamera immer noch so viel Text erkannt wird, dass ich den Inhalt erfassen kann.

Die App ist also tolerant hinsichtlich der Kameraführung und rasch in der Erkennung und somit das richtige Werkzeug, wenn schnell und zuverlässig Text erfasst werden soll. Gebe ich mir mit der Kamerahaltung mehr Mühe und investiere in die Ausrichtung etwas mehr Zeit, ist das Scan-Ergebnis nahezu fehlerfrei. Das Dokument kann sogar weiter verarbeitet werden.

Der KNFB Reader ist kein „Wunderscanner“ und scheitert an allzu bunten Vorlagen, extrem großen Schriften und handschriftlichen Notizen, was auch in der Anleitung ausdrücklich erwähnt wird. Aber das Etikett einer Weinflasche oder ähnliche Herausforderungen können damit schon gemeistert werden. Durch die Schnelligkeit der App experimentiere ich auch gern, was möglich ist und was nicht.

Da der Reader speziell für blinde Nutzer entwickelt wurde, dürfen wir auch davon ausgehen, dass keines der Updates die App unbedienbar machen, sondern jedes eher Verbesserungen bringen wird.

Seit ich den KNFB Reader habe, nutze ich keine der vielen installierten Scan-Apps mehr und deinstalliere diese nach und nach, weil sie überflüssig geworden sind.

KNFB Reader im App-Store / Bedienbarkeit mit VoiceOver: Ausgezeichnet.

Dieser Artikel ist der Teil der Serie „Mit VoiceOver bedienbare Apps“ von Eva Papst.

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0 Kommentare

  • Martin Wolkerstorfer
    Wann kommt der knfb Reader für android? genau, den brauche ich

  • Wann kommt der knfb Reader für android?