Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen um fast 30 % gestiegen

Die Zahl der arbeitslosen behinderten Menschen ist im Vergleich zum Vorjahr um 26,3 % gestiegen (Juni 2014).

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Sind Menschen mit Behinderung einmal in die Arbeitslosigkeit gerutscht, dann sind sie in der Regel noch länger arbeitslos als nicht behinderte Menschen. Behinderte Frauen sind davon noch stärker betroffen als Männer.

AKNÖ-Präsident Markus Wieser: „Die Lockerung des Kündigungsschutzes soll zurück genommen werden. Die Wirtschaft nahm diese Erleichterung leider nicht an und stellt nach wie vor zu wenig Menschen mit Behinderung ein.“

Wieser unterstützt Behindertenanwalt Erwin Buchinger, der ebenfalls eine deutliche Erhöhung der Ausgleichszahlungen gefordert hatte. Für den AKNÖ-Präsidenten „kann die Ausgleichszahlung durchaus einen durchschnittlichen Grundlohn ausmachen“. Die derzeitige Höhe von 364 Euro sei jedenfalls wirkungslos.

Durch den Beitritt Österreichs zur Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung hat sich Österreich verpflichtet das gleiche Recht von Menschen mit Behinderung auf Arbeit anzuerkennen; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderung zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird.

Wie die Zahlen zeigen, ist Österreich von der Gewährung dieser Rechte weit entfernt: Fast vier Fünftel der ArbeitgeberInnen bevorzugen die Zahlung der Ausgleichstaxe gegenüber der Einstellung von Menschen mit Behinderungen.

„Behindert sein“ wird mit „krank sein“ gleichgesetzt, Assoziationen wie „lange Krankenstände und Ausfälle“, „längere Pausen“, „häufigere Arztbesuche“, „langsameres Arbeiten“ sind mit ArbeitnehmerInnen mit einer Behinderung verknüpft. Dabei handelt es sich leider schlicht um Vorurteile.

Zudem werden Förderungen für die Schaffung von barrierefreien Arbeitsplätzen sowie Lohnförderungen angeboten. Tatsächlich wurde die Geltung des Kündigungsschutzes vor drei Jahren von 6 Monate auf 4 Jahre Beschäftigungsdauer hinaufgesetzt.

In ihrem nationalen Aktionsplan „Behinderung 2012 bis 2020 hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen zu verringern. Bis dato waren diese Maßnahmen offensichtlich nicht erfolgreich.

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0 Kommentare

  • war natürlich @gerald schlemmer gemeint -entschuldigung für den schreibfehler.

  • @Gerhard Schlemmer: Was meinen Sie damit: Probemonat oder Kündigungsschutz!? Der Kündigungsschutz gilt erst nach vier Jahren Dienstverhältnis – und nicht mit Beginn der Arbeitsaufnahme und dann vier weiteren Jahren Dienstverhältnis.

  • Wenn ich einen Behinderten einstelle und er entspricht nicht – kann meine Anforderung nicht erfüllen – so muss ich ihn trotzdem 4 Jahre lang angestellt lassen?

  • „Inklusion“…. wenn ich diese Schoenworte nur lese! Was wir brauchen ist einfach ein normales Neben- und Miteinander und nicht neue Modeworte die ohnehin nix bringen! Zuerst heiss es ja „Integration“, dann „Anerkennung“ und jetzt jault man staendig von „Inklusion“ …

    Und was kommt als naechstes…. sicher irgendwelche Anglizismen, die sind ja in schwer in Mode…

    [1] Besonders im Berufsleben, wo man ohne diese nix mehr ist. Jede Häuselfrau ist da ein „Productive-Shit-Manager“, jeder Strassenkehrer ein „Half-Cyrcle-Ingeener“… Wer braucht das in Englsich? Haben wir ja auch in Deutsch, zB hat jeder anstaendige Friedhofsgaertner „hunderte Leute unter sich“ …

    [1] Nicht zu ernst nehmen, das Leben ist hart genug …

  • Solange Inklusion nicht endlich gelebt wird, werden Menschen mit Behinderung immer benachteiligt sein.

  • @erwin riess – genauso ist es – und der Unsozialminister und EX oberster ÖGBler Rudolf Hundsdorfer“ hat mitgespielt – ob wohl er ist Vorfelde versprochen hat – ohne der Zustimmung von MmB (KOBV) etc. wird er dies nicht zulassen. LÜGNER – und der Herr Leitl, da die Wirtschaftkammer die Einstellungsfrist nicht erfüllt – hat bei der Gesetzeswertung eigentlich nichts mitzubestimmen.

    Meine Forderung: Alte Gesetzeslage wieder herzustellen – Ausgleichstaxe wie von AK NÖ gefordert auf EUR 1500,– mtl. anzuheben – sowie öffentliche Aufträge nur an Unternehmen vergeben die die Einstellungspflicht zur Gänze erfüllen!

  • erwin buchinger hat die dinge beim namen genannt. was jeder, der nur ein wenig grips hatte, immer schon gewußt hat, daß die „wirtschaft“ mit scheinargumenten hausiert und sich aus gemeinschaft & verantwortung stehlen will, ist jetzt, nach drei verlorenen jahren offensichtlich. die ausgleichstaxen sollten drastisch erhöht werden! nach diesem schändlichen pflanz auf dem rücken behinderter arbeitnehmer (wieviele sind in den letzten drei jahren NICHT eingestellt worden?) hat die „wirtschaft“ das redlich verdient. der guten ordnung halber sei nicht vergessen, daß övp-behindertensprecher huainigg für die verschlechterung des kündigungsschutzes getrommelt hat – und die öar hat sich angeschlossen! gibt es ein wort des bedauerns?
    fazit: ohne erwin buchinger hätten wir keine institutionelle vertretung behinderter menschen.

  • Als selbst Betroffener kann ich dies alles nur bestaetigen. Wobei nicht nur die Aufhebung des Kü-Schutzes fuer dier ersten 4 Jahre eine Ursache sind, sondern einfach die gesellschaftliche Einstellung gg. Behinderten das Problem sind (das man leider nur langfristig ueber Generationen hinweg aendern koennte).
    „Zwang“, wie sie zB die Ausgleichstaxe darstellt, bringt in diesem jetzigen Ausmass nichts, die Summe wird sozusagen aus der Portokasse bezahlt. Eine Anhebung dieser Summe waere auf jeden Fall notwendig – ich wuerde sie auf *mindestens* der Hoehe eines KV-Mindestlohns in der Branche anheben, besser noch auf 150% dieser Basis. Denn dann erscheint es auch den verbohresten Chefs „logischer“ Behinderte einzustellen, weil sie dann ja ersten weniger kosten als die angedrohte Taxe und sie zweitens auch „ein wenig was produktiv bringen“. Manche Unternehmer denken eben so, so hatte zB auch ich mal einen Arbeitgeber der mir selbst das so sagte, dass er mich als „sozialen Aspekt“ sah (und das treuherzigen Blicks, nichts boeses denkend) – und dies obwohl ich mindestens das selbe leistete wie alle andere Nichtbehinderten, vielleicht sogar Einsatzmaessig mehr.

    Das Problem sitzt im Hirn, angelernt durch die gesellschaftliche Einstellung zum Thema „Behinderte“.

  • Ein Schritt wär auch , wenn Buchinger beim Staat einforderen würd, dass bei Stellenausschreibungen zumindest behinderte Bewerber auch angesprochen werden , ergo im Text darauf hingewiesen würd. Dazu sollt er sich kritisch zur Anführung des Passus zur Bevorzugung von Frauen gemäß §§ 11c Bundes-Gleichbehandlungsgesetz und die Einstellung von Behinderten konterkariert, äußern. Letzteres sehe ich beim Öffentlichen Dienst als zusätzliche Hürde für behinderte männliche Arbeitnehmer an.