Arbeitsmarkt: Die Wiener Deklaration

Es gibt viele Gründe, warum Menschen mit Behinderungen in Europa nicht arbeiten.

BilderBox.com

Viele sind schlecht ausgebildet, das Schulsystem sondert aus, viele werden wie in Österreich per Gesetz von Arbeit ausgeschlossen, weil sie als arbeitsunfähig gelten, viele müssen enorme Nachteile in Kauf nehmen und werden in ihrer Existenz gefährdet, weil sie Hilfen aufgrund ihrer Behinderung verlieren, viele erhalten nicht die richtigen Unterstützungen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können oder eine Arbeit zu behalten oder sie erhalten nur ein Angebot in einer Beschäftigungswerkstätte mit Taschengeld. Erschwerend kommt immer dazu, dass vielen nichts zugetraut wird.

Dass das auch anders geht, das zeigen viele Beispiele. Sie wurden in der Konferenz „Arbeit für Alle“ am 27. September 2018 in Wien vorgestellt.

Da Arbeiten für Menschen mit Behinderungen in ganz Europa eine Herausforderung darstellt, hat das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz im Rahmen der Österreichischen EU – Ratspräsidentschaft gemeinsam mit dabei Austria, dem Österreichischen Behindertenrat und den Europäischen Dachverbänden EASPD – European Association of Service Providers for Persons with Disabilities, EUSE – European Union of Supported Employment und EPR – European Platform for Rehabilitation diese Konferenz veranstaltet.

Wiener Deklaration: Strategien zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
dabei austria

Jetzt wurde die Deklaration von Wien veröffentlicht. Sie ist das Ergebnis dieser Konferenz und zeigt auf, was getan werden kann, damit die Menschen mit Behinderungen, die arbeiten möchten, das auch können.

Arbeit zu haben, bringt wirtschaftliche Selbständigkeit, soziale Inklusion und persönliche Zufriedenheit und trotzdem ist die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderungen in Europa um mehr als 20 Prozentpunkte niedriger als die von Menschen ohne Behinderungen. Dazu kommt, dass ihre Arbeitslosigkeit seit 2008 dramatisch zunimmt (in Österreich um 140%).

Die 270 TeilnehmerInnen haben sich in dieser Konferenz damit beschäftigt, welche Maßnahmen und Gesetze in einzelnen Europäischen Staaten wirken, um diese Situation zu verbessern. Die Deklaration von Wien soll den Interessenvertretungen, politischen EntscheidungsträgerInnen in der EU und auf nationaler Ebene, Gewerkschaften und der Wirtschaft Orientierung geben, wie Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt verbessert werden kann.

Die Deklaration enthält dazu Empfehlungen. Dass Arbeiten für Menschen mit Behinderungen durch geeignete Politik unterstützt werden kann, das zeigen die großen Unterschiede in den Beschäftigungsquoten verschiedener Länder. In Luxemburg waren nur 2% weniger Menschen mit Behinderungen als nicht behinderte Menschen beschäftigt, in Österreich beträgt dieser Unterschied mehr als 21%.

Die Deklaration arbeitet die Gründe für dieses politische Scheitern heraus und entwickelt aus den erfolgreichen Beispielen Empfehlungen. Diese Empfehlungen sollten nun in die nächste Phase der Europäischen Behindertenstrategie sowie die Nationalen Aktionspläne der Mitgliedsstaaten einfließen.

Für Europäische Wirksamkeit sorgen die Europäischen Dachverbände, die die Deklaration in ihren Vorständen bestätigt haben. Sie setzen sie nun für ihre Lobbyarbeit ein. Damit das gut gelingt, wird die Deklaration neben einer deutschen und einer englischen Fassung noch in weitere Sprachen übersetzt. 

Sie können die Deklaration selbst für ihre Informationsarbeit verwenden. Sie finden Sie hier.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ein Kommentar

  • Bei diesem ArbeitsMARKTfetischismus fällt uns nur das „Manifest gegen die Arbeit“ der wertkritischen Gruppe krisis ein …

    http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit/

    Interessanterweise wird beim „Recht auf FREI gewählte Arbeit“ fast immer das „frei gewählt“ vergessen und letztlich in neoliberaler Manier aus einem Menschenrecht eine Pflicht um jeden Preis Lohnarbeit annehmen zu müssen gemacht.