Arm, aber reinlich

ÖAR: ÖBB - Qualität findet ohne Menschen mit Behinderungen statt

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Gleich zwei öffentliche Termine des ÖBB-Personenverkehr haben heute wieder einmal mehr bewiesen, dass Bahnfahren in Österreich offensichtlich nicht für Menschen mit Behinderungen gedacht ist.

Bei einer Pressekonferenz am späten Vormittag wurde eine Gallup-Umfrage zum Thema „Kundenzufriedenheit“ präsentiert, nach der Fahrgäste die Leistungen der Bahn mit „Gut“ beurteilt hatten.

Ausgeklammert waren jedoch alle Fragen, die ein Indiz für die Kundenzufriedenheit von behinderten oder mobilitätsbeeinträchtigen Fahrgästen gegeben hätten, ebenso wie Fragen über die Zufriedenheit mit dem neuen Nahverkehrszug „Talent“, der ja, wie bereits berichtet, in Salzburg seit mehr als drei Monaten eingesetzt wird und dessen Fehleranfälligkeit mindestens ebenso legendär ist wie seine mangelnde Barrierefreiheit für behinderte Menschen.

Auf die Frage, warum bei 130 Einzelfragen solche zur Barrierefreiheit keinen Platz gehabt hätten, meinte der Vorstandsdirektor der ÖBB Personenverkehr, Dr. Stefan Wehinger, sinngemäss, „man könne sich ja nicht um alles kümmern“, versprach jedoch gleichzeitig die Einrichtung einer Stabsstelle „Barrierefreiheit“ in naher Zukunft.

Die Zeitungsmeldung der Salzburger Nachrichten , wonach es beim „Talent“ in seinen ersten drei Betriebsmonaten 441 Störmeldungen gegeben hätte – ein Vertreter des BMVIT korrigierte auf „nur“ 80 nennenswerte Zwischenfälle, bezeichnete er als „Unsinn von A bis Z“, es habe nur 2 nennenswerte Störfälle gegeben.

Ebenfalls am Vormittag luden die ÖBB und das BMVIT zu einem Rampen-Neigungstest auf den Wiener Westbahnhof. Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR, und seit Jahren mit dem Thema „Zugänglichkeit“ befasst: „Was bei diesem Termin offensichtlich wurde, ist schon hinlänglich bekannt: Rampen über 10 % Neigung sind gefährlich. Diese Dinge kann man nachlesen, schließlich prüfen Ministerium und ÖBB ja auch nicht mit eigenen Versuchsreihen, ob ein Rad auch tatsächlich rollt.

Auch die Vorstellung in einigen Köpfen, man könne mit Hilfe von Bahnpersonal steilere Rampen sicher bewältigen, zeigen, dass einige Entscheidungsträger komplexere Zusammenhänge immer noch nicht verstanden haben. Wer Bahnpersonal das Rückhalten eines Elektrorollstuhls (150 bis 300 kg!) auf 17 % und mehr Steigung zumuten will und das bei jeder Witterung und unter gleichzeitigem Festhalten des Rollstuhlbenutzers (weil dieser sonst aus seinem Sitz rutscht oder fällt) handelt grob fahrlässig!“

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0 Kommentare

  • Ohne, dass ich jetzt gesteinigt werde, aber ich habe IMMER Probleme bei der deutschen Bahn erlebt. Bei der ÖBB nie. Ganz im Gegenteil. Selbst bei der Reservierung konnte ich die Rampe bestellen und die war da und ich wurde auch noch von 2 netten Bahnbeamten zum Gleis gebracht und zu meinem Platz.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich eine „transportfreundlichere“ Behinderung habe und daher das Befödern etwas einfacher ist. Ich sitze in einem kleinen Rollstuhl und bin diesbezüglich recht selbstständig und bin auch nicht auf den Mund gefallen.

    Vielleicht ist das Problem wirklich so gross, wenn Passagiere mit E-Rollstuhlen mit der Bahn fahren wollen und die Toiletten nicht zu benutzen sind. Und das sind sie nicht!!

    Ich denke, dass auf beiden Seiten noch sehr viel zu tun ist, und da kann man sich auch nicht rausreden „man kann sich nicht um alles kümmern!“. Man hat einen Job und der ist gut zu machen, sonst sollte man sich um einen anderen Job umschauen. Und es schadet auch nicht, mal Betroffene zu Rate zu ziehen, denn die wissen ja am Besten, was nötig ist und was nicht!!

    Die ÖBB muss daran interessiert sein, dass ALLE Passagiere zufrieden reisen können. Und wenn selbst die grundlegensten Dinge nicht passen, dann ist das schade, denn dadurch lässt die Bahn die Möglichkeit aus, zusätzliche Stammkunden zu bekommen. Und so gut stehts ja auch wieder nicht um die Bahn.

  • Die von Ihnen dargestellten Behauptungen „man könne sich ja nicht um alles kümmern“ habe ich so nie gemacht. Wenn sie sich bei Herrn Rodlauer informieren wissen sie dass ich sehr angagiert in behinderten Fragen bin. Solch diskriminierende Aussagen sind mir deshalb fremd. Ich bedaure sehr dass von Ihrer Seite immer wieder polemisiert wird. MfG Stefan Wehinger