Arzneimittel-Hotline soll in einfachen Worten Auskunft über die Beipacktexte geben

Am 3. November 2009 wurde im parlamentarischen Gesundheitsausschuss ein Entschließungsantrag für eine österreichweite Arzneimittel-Hotline beschlossen. BIZEPS-INFO führte diesbezüglich ein schriftliches Interview mit Mag. Höllerer (ÖBSV).

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„Eine Initiative der FPÖ, in der Abgeordneter Norbert Hofer auf die Probleme von Blinden mit Beipacktexten von Arzneimitteln aufmerksam machte, war Ausgangspunkt für eine Fünfparteien-Einigung über die österreichweite Schaffung einer Arzneimittel-Hotline für Blinde. Der Gesundheitsminister wird demnach aufgefordert, mit der Apothekerkammer und dem Verband der Blinden und Sehschwachen in diesbezügliche Gespräche einzutreten“, berichtet die Parlamentskorrespondenz.

„Wir hoffen, dass wir die Arzneimittel-Hotline noch heuer gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium umsetzen können“, kündigt Mag. Gerhard Höllerer, Präsident des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, in einer Presseaussendung an.

Wozu eine Arzneimittel-Hotline?

Um Details zur österreichweiten Arzneimittel-Hotline, deren Hintergründe und Ziele zu erfahren, führten wir folgendes schriftliche Interview mit Präsident Höllerer:

BIZEPS-INFO: Warum wird eine Hotline benötigt? Wo haben sehbehinderte und blinde Menschen konkret Probleme?

Mag. Gerhard Höllerer: Menschen mit starken Sehbeeinträchtigungen können die Beipacktexte der Medikamente nicht lesen. Gemäß einer EU-Richtlinie ist es daher notwendig, nicht nur die Verpackungen der Arzneimittel mit Braille-Blindenschrift zu versehen, sondern auch die Gebrauchsinformationen in Formaten, die für blinde und sehbehinderte Personen geeignet sind, verfügbar zu machen.

Diese Richtlinie hätte bereits Mitte 2005 umgesetzt werden müssen!

BIZEPS-INFO: Warum ist diese von der Richtlinie vorgeschriebene Hotline nicht schon im Jahr 2005 eingerichtet worden?

Mag. Gerhard Höllerer: Das entzieht sich leider meiner Kenntnis. Der ÖBSV fordert bereits seit Jahren die Einführung dieser Arzneimittel-Hotline und konnte die Umsetzung dieser Forderung schließlich durch hartnäckiges Lobbying auch erreichen.

BIZEPS-INFO: Was konkret wird die Hotline für diese Menschen tun können?

Mag. Gerhard Höllerer: Wenn Betroffene diese gebührenfreie Hotline wählen, sollen sie von einer kompetenten Person in einfachen Worten Auskunft über die Beipacktexte von Medikamenten, vor allem über Wechselwirkungen bzw. Verträglichkeit und allfällige Nebenwirkungen sowie Dosierung, erhalten.

BIZEPS-INFO: Wann erwarten Sie die Einrichtung der Hotline?

Mag. Gerhard Höllerer: Wir hoffen, dass wir die Arzneimittel-Hotline noch heuer gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium umsetzen können.

BIZEPS-INFO: Derzeit werden sehbehinderte und blinden Menschen als Zielgruppe genannt. Sollte diese Hotline nicht für alle behinderte Menschen offen stehen, die Probleme in diesem Bereich haben?

Mag. Gerhard Höllerer: Selbstverständlich werde ich mich bei den Detailverhandlungen mit dem Gesundheitsministerium dafür einsetzen, dass die Arzneimittel-Hotline von ALLEN Menschen, die sie benötigen, benutzt werden kann. Ich denke hier insbesondere an intellektuell beeinträchtigte bzw. in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen.

BIZEPS-INFO: Wer wird diese Arzneimittel-Hotline finanzieren?

Mag. Gerhard Höllerer: Finanzieren wird diese Hotline gemäß EU-Richtlinie und Beschluss im parlamentarischen Gesundheitsausschuss der Bund. Wo die Arzneimittel-Hotline schlussendlich eingerichtet wird, werden die Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium ergeben.

BIZEPS-INFO: Wir danken für das Interview.

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