Auch für Menschen mit psychischer Erkrankung gibt es Barrieren im öffentlichen Verkehr

Menschen mit psychischer Erkrankung benutzen öffentliche Verkehrsmittel oft ungern, denn speziell Menschenansammlungen sind eine große Herausforderung für sie.

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Lichterkette

Seit Oktober 2020 läuft in Wien daher das Forschungsprojekt „Angstfrei mobil“.

Verschiedene Kooperationspartner*innen, unter anderem die Wiener Linien, WiPARK, die Universität Wien und auch der Verein Lichterkette arbeiten an einer Studie, um Barrieren für Menschen mit psychischer Erkrankung abzubauen.

Die Lichterkette stellt die Erfahrungsexpert*innen für Befragungen und ist an jeder Sitzung als Betroffenenvertretung beratend beteiligt.

Man denkt bei Barrierefreiheit manchmal nur an bauliche Verbesserungen für Menschen mit körperlicher Behinderung oder Sinnesbehinderung, doch eine Erfahrungsexpertin aus dem Bereich der Angststörungen berichtet wie eine Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt:

„Ich muss meine Wege meistens schon vorab genau planen. Ich schaue zu Hause nach und notiere mir, welche Linien ich brauche und wo man umsteigen muss. Oft fehlen aber Informationen, wie etwa, welchen Ausgang muss man nutzen, um ans Ziel zu kommen. Zum Beispiel, wenn man in Wien zur Urania will, muss man bei der U‑Bahn-Haltestelle Schwedenplatz noch durch die U4-Station gehen, um zur Urania zu kommen, das ist aber vorab nicht ersichtlich.“

Das klingt jetzt noch nicht sehr speziell, aber im Gegensatz zu Menschen ohne psychische Erkrankungen, die unterwegs zum Beispiel noch eine App nutzen können, sind Menschen mit Angststörung während der Fahrt damit beschäftigt, die Umgebung im Blick zu haben.

Oft ist es nötig zu schauen, ob viele Leute im Waggon sind, die vielleicht den Weg zur Türe verstellen. Manche Menschen zum Beispiel mit Sozialphobie trauen sich nicht, darum zu bitten den Weg frei zu machen. Menschen mit Zwangsstörungen haben auch Ängste mit anderen Menschen oder der Ausstattung durch Berührung in Kontakt zu kommen.

Andere Betroffene haben Panikattacken auf Grund von Platzmangel. Es fehlt zum Beispiel an ausgewiesenen Ruhebereichen in den Öffis, Uhren zur zeitlichen Orientierung oder auch an Personen, an die man sich vertrauensvoll wenden kann, wenn man sich unwohl fühlt. „Angstfrei mobil“ setzt sich mit all diesen Fragen auseinander.

Die Studie läuft noch bis Dezember 2022 und bringt hoffentlich viele positive Veränderungen – nicht nur für Menschen mit psychischen Erkrankungen, denn Barrierefreiheit ist für alle Menschen von Vorteil.

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2 Kommentare

  • Warum gibt es eigentlich keine Alternativen zu Öffis? Taxiunternehmen könnten sich auch beteiligen.

  • Nicht nur Mitmenschen mit Angststörungen müssen beim Öffi-Fahren „schauen, ob viele Leute im Waggon sind,“ sondern auch Mitmenschen mit EHS-Syndrom. In einer der erfolgreichsten Gehirnwäschekampagnen der Gegenwart gelingt es der Mobilfunkindustrie seit Jahren, Elektrosmoghypersensitivität (EHS), einfach als „Einbildung“ hinzustellen und die Schäden durch Mobilfunkstrahlung als „Verschwörungstheorie“ abzustreiten. So muss beispielsweise meine Partnerin manchmal eine oder mehrere Straßenbahn-Stationen zu Fuß gehen, bis endlich ein schwächer besetzter Zug kommt, mit weniger Handys, deren Abstrahlung ihr unerträgliche Kopfschmerzen verursachen. Obwohl Schäden – z.B. Beschleunigung vorhandener Krebs-Erkrankungen – seit langem zweifelsfrei nachgewiesen sind, etwa durch das angesehene Fraunhofer-Institut 2010 und dann nochmals durch eine Überprüfungs-Studie 2015 aus der Ecke der Mobilfunkindustrie selbst -, haben neben der Industrie selbst auch die Massenmedien keine Lust zur Verbreitung dieser Information und daher wurde sie auch nie zu der Sensation, die sie eigentlich ist. Dabei wäre sie für Millionen bereits an Krebs Erkrankte eigentlich von grösstem Interesse. Auch die meisten Mitmenschen – vielleicht auch Leser*innen des BIZEPS-Newsletters – fassen Kritik an übermäßigem Gebrauch von Handy, WLAN und Co. als Angriff auf ihr liebstes Spiel- bzw. Werkzeug auf und stimmen in den Spott über die vermeintlich eingebildeten Kranken ein.
    Warum ich diesen Brief trotzdem an den BIZEPS Newsletter richte? Weil EHS in manchen anderen Ländern (z.B. Schweden) als Behinderung anerkannt ist (die allerdings bei Abschalten der jeweiligen Strahlungsquelle bald verschwindet), Behinderung mit Anspruch auf Hilfe beim Umzug in minder-strahlenbelastete Gegenden, Rücksichtnahme z.B. in Spitälern, etc.

    Mit freundlichen Grüßen
    Univ.-Lektor i.R. Mag.Dr. Gernot Neuwirth, ehemals Lehrbeauftragter für Umweltpolitik an der Wirtschaftsuniversität Wien und anderen österreichischen und amerikanischen Universitäten