Aufstand der Rollstuhlfahrer

Die Journalistin Susanne Scholl und Vertreter österreichischer Behinderten- und Entwicklungshilfeorganisationen protestieren gegen die Budgetkürzungen der Regierung in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Soziales und Pflege.

Gruppe vor BKA mit Text: Wir werden behindert!
Anna Rauchenberger

„Die Rechte von Menschen mit Behinderungen müssen endlich umgesetzt werden“, fordern die Aktivisten heute Früh im Rollstuhl sitzend vor dem Bundeskanzleramt in Wien. „Bei den ärmsten Menschen zu sparen, ist kurzsichtig, denn das bringt auch uns in Gefahr. Wenn es Hungerkriege oder andere Krisen gibt, bleiben wir davon sicher nicht verschont“, warnt Susanne Scholl, Journalistin des Jahres und prominente Kinderpatin bei ‚Licht für die Welt’.

Setzt die Rechte behinderter Menschen um!

„Die Rechte von Menschen mit Behinderungen müssen endlich umgesetzt werden. Heute sitzen alle im Rollstuhl, egal ob behindert oder nicht, und sind daher auf Augenhöhe. Diesen Ansatz erwarten wir auch von den Politikern“, so lautet die Forderung der (heute) im Rollstuhl sitzenden Aktivisten Gerhard Höllerer (Österreichischer Blinden- und Sehbehindertenverband), Lukas Huber (Österreichischer Gehörlosenbund), Emilie Karall (Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation), Martin Ladstätter (BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben), Sumiko Morino (Rotes Kreuz), Rupert Roniger (Licht für die Welt), Susanne Scholl und Brigitte Stöppler (Hilfswerk Austria International) zum Welttag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember.

Kein Sparen auf Kosten der Allerärmsten

Österreich hat vor zwei Jahren die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ratifiziert und sich damit verpflichtet, deren Prinzipien von Barrierefreiheit, Inklusion, Gleichberechtigung und Mitbestimmung vollständig umzusetzen. Die aktuellen Kürzungen gehen aber in eine völlig andere Richtung: Die Regierung will bis 2014 ein Drittel des Budgets für Entwicklungszusammenarbeit kürzen und gefährdet damit das Leben von tausenden Kindern mit Behinderungen in Entwicklungsländern.

„Es ist unfair, auf Kosten jener Menschen zu kürzen, die weit weg sind und daher hier in Österreich nicht selbst für ihre Rechte eintreten können. Stellvertretend fordern wir, dass die österreichischen Politiker diese unverhältnismäßig hohen Kürzungen zu Lasten der allerärmsten Menschen der Welt wieder zurücknehmen“, so Rupert Roniger, Geschäftsführer von ‚Licht für die Welt’, einer österreichischen Hilfsorganisation, die sich für blinde und anders behinderte Menschen in Entwicklungsländern einsetzt. „Diese Kürzungen sind unmenschlich und widersprechen den internationalen Verpflichtungen, die Österreich in den vergangenen Jahren eingegangen ist“, so Roniger weiters.

Auch im eigenen Land ist Österreich mit der Umsetzung der UN-Konvention säumig: „Österreich setzt die Verpflichtung zu Barrierefreiheit nicht um. Wir sind außerdem weit entfernt von einer gerechten Entlohnung behinderter Menschen und einem Bildungssystem mit gleichen Chancen für alle“, kritisiert Martin Ladstätter, Gründungsmitglied von BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben.

Gemeinsam mehr erreichen

Als Antwort auf die säumige Politik haben österreichische Behinderten- und Entwicklungshilfeorganisationen nun die Arbeitsgruppe „Behinderung und Entwicklung“ ins Leben gerufen. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit voranzutreiben, denn das Recht auf Entwicklung steht allen Menschen zu. Dieses Ziel verfolgen die österreichischen Organisationen ‚Licht für die Welt’, Rotes Kreuz, Hilfswerk Austria International, Diakonie Österreich, Österreichisches Gehörlosenbund, Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, Doctors for Disabled und BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben.

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