Aussonderung: Vorarlberg diskutiert über weitere Vorgangsweise

Behinderte Menschen werden in Vorarlbergs Bildungssystem größtenteils in Sonderschulen ausgesondert. Nur rund ein Drittel der behinderten Schülerinnen und Schüler (mit sonderpädagogischem Förderbedarf) besucht eine Integrationsklasse.

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Land Vorarlberg

Die Inklusion von behinderte Menschen ist ein Recht – schreibt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen fest. Österreich hat diese Konvention unterschrieben – aber die Umsetzung wird blockiert.

Am 28. April 2010 hielt der Unabhängige Monitoringausschuss zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Parlament seine 2. öffentliche Sitzung ab. Das Thema der Veranstaltung war Inklusive Bildung und die in Diskussion befindliche Stellungnahme zur Bildungssituation von Menschen mit Behinderungen in Österreich. Zu ändern sei diese nur mit einer Strukturreform, die die Abschaffung der als menschenrechtswidrig erkannten Sonderschulen beinhaltet.

Sonderschulen abschaffen

Diese Einschätzung findet auch in Vorarlberg – beispielsweise durch den Verein „Integration Vorarlberg“ und von der Lebenshilfe – Zustimmung. Langfristig müsse es eine Gesamtschule für alle Kinder geben, fordert Heinz-Werner Blum von der Lebenshilfe.

Auch der Verein „Reiz-Selbstbestimmt leben“ fordert die generelle Abschaffung von Sonderschulen, da Kinder darin von Anfang an ausgegrenzt werden, berichtet der ORF.

In Vorarlberg werden mehr als doppelt so viele Kinder an einer Sonderschule unterrichtet als in der Steiermark. Viele dieser Kinder könnten gut in anderen Schulen integriert werden, meint Claudia Niedermair, Obfrau des Vereins „Integration Vorarlberg“.

Besonders viele Sonderschüler in Vorarlberg

Doch der Widerstand ist in Vorarlberg erwartungsgemäß sehr groß, da in diesem Bundesland besonders konsequent ausgesondert wird, wie ein jüngst veröffentlichter Bundesländervergleich zeigt.

Beim Landesschulrat hört man die Forderung nach einer Abschaffung der Sonderschulen nicht gerne. Man solle „nicht einfach alles in Frage stellen“.

Die Vorarlberger Grünen üben daher Kritik an der ÖVP. Diese behindere „seit Jahr und Tag eine zeitgemäße Inklusionspolitik“, zeigt Grünen-Familiensprecherin Vahide Aydin auf. Die Regierung verweigere die notwendige Priorität für integrative Lösungen. „Unsere Vision ist eine gemeinsame Pflichtschule für alle Kinder“, so Aydin.

Dem stimmt der GRÜNE Nationalratsabgeordnete Dr. Harald Walser aus Vorarlberg zu, wenn er in seinem Blog schreibt: „In der Steiermark werden acht von zehn Kindern mit Förderbedarf in der Regelschule unterrichtet. In Vorarlberg gerade einmal die Hälfte davon. Sind Vorarlberger SchülerInnen doppelt so schlecht geeignet sind für integrative Lösungen wie steirische?“

Bundesländer im Vergleich

Was die Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF) aufgrund einer Behinderung oder Lernstörung in „regulären“ Schulen angeht, ist die Steiermark Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich, berichtet die Presse und listet die Zahlen auf:

Laut Statistik Austria haben im Schuljahr 2008/09 in der Steiermark 81,2 Prozent der Schülerinnen und Schüler mit SPF eine Integrationsklasse besucht. Zum Vergleich: Oberösterreich (70,0 %), Burgenland (67,8 %), Kärnten (63,0 %), Wien (55,9 %), Salzburg (48,0 %), Vorarlberg (36,1 %), Tirol (34,3 %) und Niederösterreich (28 %).

Ministerin untätig

Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied beharrt auf die Aussonderung und lässt die Kritik zurückweisen: „Spezialschulen“ hätten „durchaus ihre Daseinsberechtigung“.

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0 Kommentare

  • Schon interessant, dass ausgerechnet in den Ländern NÖ, Tirol und Vorarlberg die Tollwut unter Erwachsenen in ähnlich hoher relativer Häufigkeit wie die Sonderschulzuweisungen zu verzeichnen sind … Quelle: http://www.hygienemonitor.at

  • Auch die Frau Bildungsministerin wird sich eines Besseren belehren lassen müssen. Derzeit noch hat sie offensichtlich unfähige Einflüsterer, deren Daseinsberechtigung in dieser Funktion längst abgelaufen ist.