Baba Klaus Tolliner

Kurz nach dem Sommercamp im August 2018 in Duderstadt, wo er schon gesundheitlich angeschlagen war, wurde bei Klaus Tolliner Krebs diagnostiziert. Am 5. Juni 2019 ist er nun leider gestorben.

Klaus Tolliner
Klaus Tolliner

Als sich Klaus Tolliner im Sommer 2017 von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommercamps für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Graz mit dem für ihn und den dortigen Dialekt typischen und langgezogenen Baba verabschiedete, hat niemand geahnt, dass dies das letzte Sommercamp mit dem vielseitigen Organisator der schon traditionellen fünftägigen Veranstaltung in Österreich war.

Wer Klaus Tolliner kennen lernen durfte, der schätzte sehr schnell seine ruhige Art und sein gutes Zuhören, aber auch seine Vielfältigkeit und sein anpackendes Engagement.

So war es auch er, der zusammen mit seiner Frau Barbara nach dem ersten Sommercamp für ein selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen die Initiative ergriff und im jährlichen Wechsel mit Duderstadt das Sommercamp in Graz in Österreich organisierte.

Dabei war er trotz geringer finanzieller Ressourcen äußerst findig und bot den Teilnehmer*innen stets ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm. Stadtrundgänge zur Barrierefreiheit durch Graz, die Einbeziehung österreichischer Politikerinnen und Politiker und der abschließende Empfang im Rathaus mit der Übergabe der TeilnehmerInnen-Zertifikate bei leckerem Essen und Getränken gehörten dabei zum Standard.

2017 organisierte er sogar einen Übungseinsatz der Feuerwehr, bei dem die Evakuierung im Brandfall aus dem Jugendgästehaus in Graz mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen ganz praktisch geübt wurde.

So vielseitig Klaus Tolliner auch war, beim Sommercamp war stets zu spüren, dass dies für ihn ein Herzensprojekt war und so werden viele auch das Sommercamp vermissen, das dieses Jahr in Graz nicht stattfinden kann.

Als klar wurde, dass die Krankheit von Klaus fortgeschritten war und er sich voll auf den Umgang damit konzentrieren muss, sagte er schweren Herzens die für Ende Juli geplante Veranstaltung in Graz ab.

Sei es die Projektwerkstatt, die Dokumentation des Sommercamps mit vielen Bildern, die engagierte Mitwirkung beim Kicker- und Pokerturnier oder behindertenpolitische Gespräche, das gehörte zum Reportoir von Klaus Tolliner.

Beim letzten Sommercamp in Graz führte er sogar eine Lesung aus seinem Buch im Grazer Rathaus durch. Das mit diesem Beitrag veröffentlichte Bild von Klaus Tolliner beim Didgeridoo-Spielen im Trommel-Workshop von Uwe Wypior ist Ausdruck dafür, dass Klaus immer dafür zu haben war, etwas neues auszuprobieren und dabei Spaß zu haben.

Ein Blick in seinen Lebenslauf bestätigt dies. So war Klaus Tolliner, der am 10. September 1967 geboren wurde, verheiratet ist und eine Tochter hat, in vielen Bereichen des Projekt- und Prozessmanagements, des Coachings und Trainings aktiv. Wer also eine Idee für ein Projekt hatte oder Schritte für dessen Umsetzung entwickeln wollte, war bei Klaus Tolliner stets gut aufgehoben.

Der Diplom Ingenieur, der sich stets weiterbildete, war aber auch in vielerlei Hinsicht ehrenamtlich aktiv. Sei es in der Wirtschaft, im Einsatz für mehr Barrierefreiheit oder im Pfarrgemeinderat sowie im Sport, Klaus Tolliner stemmte viele Herausforderungen und engagierte sich stets auch für das Empowerment anderer Menschen.

So wie seine Familie ihn vermisst, vermissen ihn auch viele aus der Behindertenbewegung in Österreich und in Deutschland. Beim Sommercamp im August 2020 in Duderstadt wird Klaus Tolliner sicher fehlen, aber im Geiste bei vielen sehr präsent sein. Baba Klaus – wir vermissen dich schon jetzt sehr!

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

2 Kommentare

  • Wir trauern mit den Eltern die auch Freunde von uns sind. Der Verlust des grossartigen Menschen ist furchtbar. Meine Frau hat den Klaus(i) viele, viele Jahre gekannt und sehr geschätzt. Für die Angehörigen viel, viel Kraft. Alles, alles Gute Eure Stummers

  • Mein herzliches Beileid seiner Familie, seinen Freunden und Freundinnen und allen, die Klaus besser kannten als ich. Dennoch habe ich sein Engagement geschätzt und in vielen Bereichen gespürt, wie wichtig ihm das Empowerment von Menschen mit Behinderungen war und die Barrierefreiheit, ohne die es schlichtweg nicht geht.
    Auch mein Mann ist kürzlich gestorben. Er war zwar nicht SOOO aktiv im „Behinderten-„/Selbstvertretungsbereich, hat mich aber auch lange Jahre tatkräftig unterstützt. Ich weiß, was der Verlust eines geliebten/geschätzten Menschen bedeutet und fühle daher mit euch.