Babys in der Werbung: Niedlich und inklusiv?

Britischer Windelhersteller wirbt für plastikfreie Baby-Feuchttücher. Auch Babys mit Trisomie 21 treten im Spot auf. Ist das der Weg zur Inklusion in der Werbung? Ein Kommentar.

Ein Kleinkind sitzt mit dem Rücken zu uns in schwarzer Hose mit blauweiß gestreiftem Hemd sitzt auf einem Holzboden und hat rechts neben sich einen braunen Stoffbären.
Bild von Cheryl Holt auf Pixabay

Sie heißen Lenny Rooney und Willow Wellbourn, sind zwei Jahre alt und treten in einem Werbespot für plastikfreie Baby-Feuchttücher auf. Willow und Lenny sind Darstellerin und Darsteller mit Trisomie 21, die in einem Werbespot auftreten.

Der britische Windelhersteller Pura wollte damit, dass er auch Babys mit Down-Syndrom zeigt, ein Zeichen setzen.

„Wir alle spielen dieselbe Rolle bei der Rettung unseres Planeten. Und auch für die Förderung von Gleichheit, Vielfalt und Inklusion sollten wir uns alle gemeinsam einsetzen“, sagt Guy Fennell, Co-Gründer von Pura gegenüber der Frauenzeitschrift WOMAN.

Werbung für ein alltägliches Produkt

Positiv zu sehen, ist dass es sich bei dieser Werbung um keine Werbung handelt, die sich an Menschen mit Behinderungen richtet. Es ist keine Werbung für ein soziales Projekt, sondern einfach nur ein Werbespot für Baby-Feuchttücher.

Ein alltägliches Produkt, das jeder braucht. Die Babys mit Trisomie 21 sind gemeinsam mit anderen nicht behinderten Babys zu sehen. Beim Betrachten des Werbespots fällt es gar nicht so sehr auf, dass sie eine Behinderung haben.

Menschen mit Behinderung in den Medien unterrepräsentiert

Dass Menschen mit Behinderungen in den Medien und auch in der Werbung immer noch wenig und wenn, dann nur in bestimmten Zusammenhängen vorkommen, zeigt zum Beispiel für Österreich eine Studie von MediaAffairs aus dem Jahr 2015/2016. Auch in der Werbung sieht man immer noch kaum Menschen mit Behinderungen.

Laura Johnson ist Direktorin von Zebedee Management, einer Agentur für Models mit Behinderungen. Sie sagt gegenüber Daily Mail Online, dass es für sie ein Traum gewesen sei, ein Baby mit einer Behinderung in einer Werbung für Babytücher oder Windeln zu sehen. Jetzt sei der Traum wahr geworden.

Die Werbung würde beweisen, dass Babys mit Behinderungen in der Welt akzeptiert werden. Doch ist das wirklich schon Inklusion in der Werbung?

Ein Werbespot ist noch keine Inklusion

Zwei Babys mit Behinderung in einer Werbung unterzubringen, durchbricht noch nicht die Sehgewohnheiten der Zuschauerinnen und Zuschauer.

Ein niedliches Baby unterscheidet sich nicht unbedingt von einem anderen – ob Trisomie 21 oder nicht. Kinder mit einer Behinderung einfach zu zeigen, weil sie niedlich aussehen, heißt noch nicht, dass wir diese Personengruppe als gleichberechtigt wahrnehmen.

Inklusion in der Werbung wäre erst dann gegeben, wenn täglich auch Erwachsene mit unterschiedlichen Behinderungen in der Werbung zu sehen sind.

Der Werbespot des britischen Windelherstellers setzt ein erstes kleines Zeichen. Dennoch – von inklusiver Werbung zu sprechen, ist verfrüht.

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3 Kommentare

  • Negativ-Beispiel: Meningekokken-Impfung-Werbung – sh. https://www.youtube.com/watch?v=OrQny9Wnu-c! Hier wird meiner Meinung nach Behinderung wieder einmal als schockierend, abstoßend, … dargestellt.

    Soll damit (auch) gleichzeit die Covid19-Schutzimpfung vorangetrieben werden?!?

    • Mag schon sein, dass Sie das als abstoßend sehen, nur Meningokokken sind nicht hübsch. Außerdem sind Meningokokken keine Geburtserkrankung, sondern werden als Tröpfcheninfektion übertragen. (Die Bakterien befinden sich im Nasen-Rachen-Raum des Menschen. Sie gelangen beim Sprechen, Husten oder Niesen als Tröpfchen/Aerosol aus dem Nasen-Rachen-Raum in die Luft und können aus kurzer Entfernung eingeatmet werden.) denke das ist ein Unterschied, der genau richtig aufgezeigt gehört. Vielleicht sollten sie mal etwas die Thematik differenzierter betrachten, es macht nämlich einen haushohen Unterschied ob so geboren oder später durch Infektion erworben. ;-)

    • Soll das ernsthaft ein Kommentar zu dem Bericht sein? Oder doch nur wieder einfach eine sinn- und zum Inhalt bezugsfreie Absonderung einer Negativmeinung zu Impfungen? Ich hätte mir mehr Sachlichkeit gewünscht.