Barrierefrei fliegen à la bmi

Ich war letzte Woche in Berlin und bin mit bmi von London-Heathrow nach Tegel geflogen. Und ich glaube, ich habe einen kleinen Ausblick bekommen, wie Barrierefreiheit in Zukunft bei Airlines umgesetzt wird. Ich hoffe es jedenfalls!

Flugzeug von British Midland Airways - bmi
British Midland Airways

Ich habe schon sehr lange die Meinung, dass die Fluggesellschaften es sich und ihren Kunden unnötig schwer machen, was die Verbesserung von Barrierefreiheit für behinderte Passagiere angeht.

bmi – British Midland Airways hat mir nun endgültig gezeigt, dass ich recht habe und es auch anders geht, wenn man nur will und ein bisschen mitdenkt.

Ich war letzte Woche in Berlin und bin mit bmi von London-Heathrow nach Tegel geflogen. Und ich glaube, ich habe einen kleinen Ausblick bekommen, wie Barrierefreiheit in Zukunft bei Airlines umgesetzt wird. Ich hoffe es jedenfalls!

Die Buchung

Es ist immer noch nicht selbstverständlich, dass die Buchung problemlos läuft, wenn man eine Behinderung hat. Die Beförderungsbedingungen mancher Airlines darf man sich eigentlich gar nicht durchlesen, sonst dürfte man gar kein Ticket kaufen, wenn man eine Behinderung hat.

Als ich das letzte Mal mit easyJet geflogen bin, habe ich ihnen schriftlich per Einschreiben mitgeteilt, dass ich ihre Beförderungsbedingungen nicht akzeptiere (sie verlangen eine Begleitperson, wenn man nicht laufen kann). Erstaunlicherweise haben sie mich tatsächlich transportiert und meine Ablehnung akzeptiert. Vielleicht weil ich gleichzeitig die Equality und Human Rights Commission eingeschaltet hatte.

Bei bmi war das alles kein Problem. bmi ist eine der wenigen Airlines in Europa, die mich bereits bei der Online-Buchung anmelden lässt, dass ich Rollstuhlfahrerin bin und Assistenz benötige. Ich war so skeptisch, dass das wirklich klappt, dass ich nachgesehen habe, ob das IATA-Zeichen WCHC (für Rollstuhlfahrer) tatsächlich eingetragen wurde. Und siehe da: Es war eingetragen.

Der Check-In

Dann bekam ich 24 Stunden vor Abflug eine Mail, ich könne online vorab einchecken, auch mit Gepäck. Ich kenne bislang keine Airline, die mich online eincheckt. Wenn WCHC eingetragen ist, wird der Online-Checkin abgelehnt. Nicht so bmi. Ich konnte mich nicht nur selber einchecken, sondern mir auch noch einen Sitzplatz aussuchen. Ich wählte also einen Fensterplatz in der ersten Economy-Reihe. Übrigens ist die Webseite von bmi auch noch einigermaßen barrierefrei.

Gepäck

Dann kam ich am Flughafen an und sagte, dass ich nur Gepäck abzugeben habe. Ich sei bereits eingecheckt. Man brachte mich zu einem Schalter für Passagiere, die bereits eingecheckt waren, ich gab mein Gepäck ab, mein Rollstuhl bekam einen Anhänger (Tag) und ich konnte gehen.

Endlich mal zeitsparend einchecken wie jeder andere Vielflieger auch! Das geht deshalb, weil es in Heathrow (wie auch an vielen anderen europäischen Flughäfen) ein „Special Assistance“-Desk gibt, wo man Assistenz anfordern kann. Ich ging also mit meiner selbst ausgedruckten Bordkarte da hin, sagte ich sei WCHC und bekam Assistenz.

Boarding

Am Gate angekommen, begrüßte mich die verantwortliche Mitarbeiterin und sagte mir, man habe meinen Sitzplatz geändert. Der Flieger sei sehr leer und man habe mir Sitzplatz 1C, also in der ersten Reihe gegeben. In dem Moment war mir klar, dass ich eigentlich gar keine Assistenz brauchte. Ich konnte mit meinem eigenen Rollstuhl zum Sitzplatz fahren und mich umsetzen. Es musste nur noch jemand den Rollstuhl wegnehmen und verladen.

Der Rückflug

Der Rückflug überraschte mich dann noch einmal. Es gibt in Tegel keinen Schalter, um Assistenz anzufordern, was sicherlich auch an der ungewöhnlichen Struktur des Flughafens liegt – Gepäck wird am Gate eingecheckt. Als ich die Bordkarte ziehen wollte (ich hatte wieder meinen Sitzplatz gewählt und eingecheckt), sagte mir der Automat, ich solle mich am Gate melden wegen der Assistenz. Das tat ich auch und es war wieder kein Problem.

Die Assistenz kam und die beiden Männer waren genauso überrascht wie ich, als wir das Flugzeug sahen.
 Es war ein Flugzeug mit neuer Bestuhlung und zumindest der Gang in der Businessclass (wo ich abermals sitzen durfte) war so breit, dass mein eigener Rollstuhl hinein passte.

Ich schätze, er war etwa 70 cm breit. Obwohl ich in Reihe 7 saß, konnte ich wieder mit dem eigenen Rollstuhl zum Sitz fahren. Mein Rollstuhl ist 63 cm breit. Das ist für mich wirklich Luxus, nicht auf so einem doofen Bordrollstuhl festgeschnallt zu werden.

Die Zukunft

Ich glaube fest daran, dass die Zukunft des Fliegens genau so aussehen wird: Die Leute melden ihre Bedürfnisse online an, hinterlassen eine Telefonnummer für Rückfragen und bekommen am Flughafen Assistenz, wenn sie sie brauchen. Leute wie ich werden mit ihrem eigenen Rollstuhl zum Sitz fahren können.

Das Kabinenlayout von bmi zeigt, wie das geht. Und dann kommt ein Packer oder Rampagent und nimmt den Rollstuhl weg. Das spart Kosten (Callcentre, Assistenz) und Zeit. Mit der ständig wachsenden Anzahl an behinderten Reisenden sind es genau solche Lösungen, die sich in Zukunft durchsetzen werden. Ich hoffe es jedenfalls!

Disclosure: bmi ist eine Tochter der Lufthansa, die wiederum ein Kunde von mir ist. Ich habe aber keine direkte Geschäftsbeziehung zu bmi.

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0 Kommentare

  • Auch wenn ich so gut wie Nicht-Fliegerin (im Rolli) bin, interessieren mich Ihre ausführlichen Berichte immer. Sie leisten bestimmt jedes Mal viel Überzeugungsarbeit. Vielleicht fliege ich in Zukunft mit solchen Aussichten auch einmal.

  • Schön wäre es, wenn das System International Schule machen würde. Ich persönlich reise für mein Leben gerne. Ich bin selbst Rollifahrer.

  • wow – himmlische aussichten – da freu ich mich auf die nächsten jahre! danke für den super anschaulichen bericht :-)