Inklusion ist ein wesentlicher Bestandteil eines modernen öffentlichen Nahverkehrs. Nachdem das Burgenländische Anruf-Sammeltaxi „BAST“ zunächst wegen mangelnder Barrierefreiheit in der Kritik stand, zeigt das Beispiel nun eindrucksvoll, wie die gesetzliche Interessenvertretung wirksame Verbesserungen durchsetzen kann.
ORF
Als das BAST der Verkehrsbetriebe Burgenland GmbH (VBB) im Dezember 2024 den Betrieb aufnahm, sollte es als flächendeckendes Mikro-ÖV-System die Lücken im regionalen Verkehrsnetz schließen.
Doch für viele behinderte Menschen blieb das Angebot zunächst unerreichbar. Erste Berichte machten deutlich, dass das System für Rollstuhlnutzende nicht barrierefrei zugänglich war. Die mangelnde Ausstattung der Fahrzeuge führte rasch zu öffentlicher Kritik und politischen Reaktionen.
Verbandsschlichtung als Schlüssel zum Erfolg
Um die Rechte der Betroffenen nachhaltig zu sichern, griff der Österreichische Behindertenrat (ÖBR) ein. Als gesetzlich verankerte Interessenvertretung der 1,4 Millionen Menschen mit Behinderungen in Österreich leitete der Behindertenrat im Mai 2025 eine Verbandsschlichtung gemäß dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz (BGStG) ein.
Dieser Schritt war entscheidend: Durch das Instrument der Verbandsschlichtung konnte der ÖBR die Interessen von Menschen mit Behinderungen wirksam und auf Augenhöhe mit den VBB durchsetzen.
Statt einer langwierigen Verbandsklage wählten die Beteiligten den Weg des konstruktiven Dialogs, um schnelle und praktische Lösungen für den Alltag zu finden und eine Zusammenarbeit für die Zukunft zu vereinbaren.
Österreichischer Behindertenrat
Modernisierung des Fuhrpark: Zehn neue Sprinter
Die Ergebnisse dieser Schlichtung aus dem Jahr 2025 sind heute auf der Straße sichtbar.
Wie im Status-Update vom Ende 2025 festgehalten, wurde der Fuhrpark inzwischen massiv aufgerüstet. Ein wichtiger Schritt war die Anschaffung von barrierefreien Mercedes-Benz Sprintern.
Johannes Jandrisevits, Geschäftsführer der VBB, bekennt sich klar zu diesem Weg:
Barrierefreiheit ist für uns kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil eines modernen öffentlichen Verkehrs.
Unser Ziel ist es, allen Fahrgästen – unabhängig von individuellen Einschränkungen – eine selbstbestimmte, sichere und komfortable Mobilität zu ermöglichen.
Verkehrsbetriebe Burgenland
Technische Innovationen für die Inklusion
Die zusätzlichen Fahrzeuge wurden speziell für die Anforderungen der Barrierefreiheit umgerüstet:
Sicherer Zugang: Die mechanischen Heckrampen garantieren einen stabilen Ein- und Ausstieg.
Flexibilität im Inneren: Durch klappbare Sitze und moderne Schienensysteme im Boden können Rollstühle sicher fixiert werden.
Raumkonzept: Das Design ermöglicht es, dass gleichzeitig ausreichend Platz für Begleitpersonen bleibt.
Gleiche Bedingungen
Das nun erreichte Ziel der Verbandsschlichtung war die vollständige Gleichstellung bei den Nutzungsbedingungen:
Identische Bedienzeiten: Das BAST steht Menschen mit Behinderungen zu denselben Zeiten zur Verfügung wie allen anderen Fahrgästen, im Nordburgenland etwa ab 04:30 Uhr und im Mittel- sowie Südburgenland ab 03:30 Uhr.
Einfache Buchung: Über die 24/7-Hotline (0800 500 805) oder die BAST App ist die Reservierung barrierefreier Fahrzeuge nun unkompliziert möglich.
Verbandsschlichtung ist ein mächtiges Werkzeug
„Die Entwicklung des BAST ist ein Erfolg für den Österreichischen Behindertenrat. Sie zeigt, dass das Instrument der Verbandsschlichtung ein mächtiges Werkzeug ist, um Gleichstellung von der Theorie in die Praxis umzusetzen“, hält Martin Ladstätter (Vizepräsident des ÖBR) fest.
Mit über 217.000 beförderten Personen bis Ende 2025 und einer vereinbarten jährlichen Evaluierung der Maßnahmen ist sichergestellt, dass das Burgenland auf dem Weg zu einem wirklich barrierefreien Bundesland bleibt.