Baustelle Bahn-Service

Auf moderne Ein- und Ausstiegshilfen bei ICE und IC warten in ihrer Mobilität eingeschränkte Reisende seit vielen Jahren.

Deutsche Bahn
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Ein bahnbrechendes Gutachten über barrierefeies Reisen in Deutschland wurde kürzlich veröffentlicht.

Von seinen Abenteuern auf dem Schienenstrang könnte Kay Macquarrie bald ein Buch schreiben.

„Was für die meisten Menschen ganz selbstverständlich ist, das ist für Menschen mit Behinderung meist unmöglich, denn von Barrierefreiheit ist die Deutsche Bahn noch meilenweit entfernt“, so „Menschen – das Magazin“.

Der Beitrag im Menschen-Magazin beginnt auf dem Kieler Hauptbahnhof. Macquarrie steigt in den IC nach Berlin. Nein, er rollt in den „metallnen Käfig“, wie er die Einstiegshilfe nennt. Mit der Bahnerin an der Handkurbel, die ihn in den Zug hievt, ist er ein „eingespieltes Team“ – Alltag im Fernverkehr.

Auf moderne Ein- und Ausstiegshilfen bei ICE und IC warten in ihrer Mobilität eingeschränkte Reisende seit vielen Jahren. Niveaugleicher Ein- und Ausstieg ohne diesen unsäglichen Hublift ist technisch möglich und in Europa schon zu nutzen. „Das wäre die Lösung. Dauert aber wohl etwas länger in Deutschland“, meint Macquarrie im Telefongespräch mit dem Berliner kobinet-Korrespondenten vor der Sendung.

Der Mobilitätsservice für barrierefreies Reisen müsse deutlich besser ausgestattet werden, so Bundesbehindertenbeauftragter Jürgen Dusel, als die bei ihm angesiedelte Schlichtungssstelle zum Behindertengleichstellungsgesetz das „bahnbrechende“ Gutachten von Oliver Tolmein veröffentlichte.

„Bislang ist eine Bahnreise im Fernverkehr für Menschen im Rollstuhl nur nach Voranmeldung und in einem bestimmten Zeitfenster möglich – was oftmals wie ein Glücksspiel ist, fernab jeglicher Lebensrealität und damit faktisch eine Beschränkung der Reisefreiheit bedeutet“, sagt Dusel.

Menschen mit Behinderungen hätten jedoch ein Recht darauf, als gleichberechtigte Fahrgäste behandelt zu werden,

Kay Macquarrie lebt mit seiner Familie in Altenholz bei Kiel. Eine Woche im Monat fährt er zu seinem Job bei der Deutschen Welle in die Bundeshauptstadt. Seine Dienstreisen nach Berlin plant er minutiös. Er schätzt zwar den „Mobilitätsservice“ der Deutschen Bahn. Der aber ist aus seiner Sicht viel zu kompliziert: Anmeldung mindestens 48 Stunden vor Fahrantritt, 79 Formularfelder ausfüllen. Spontan geht da nichts!

Zusammen mit Philipp Maier aus Karlsruhe hat er deshalb HaSe entwickelt. „Gute Idee! Barrierefreie Bahn-App“, titelt das Menschen-Magazin. An einer digitalen Lösung zeige sich die Deutsche Bahn interessiert.

In seiner Petition, die auf change.org mehr als 95 000 Leute unterschrieben haben, fordert Macquarrie, den Hilfedienst bei der Deutschen Bahn schnell zu verbessern und Bahnfahren einfach machen (für Rolli, Rad, Rollator, Buggy & Co)

„Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – egal ob jemand zur Arbeit kommen muss oder Urlaub machen will“, betont der Behindertenbeaftragte der Bundesregierung. „Hier muss so schnell wie möglich gehandelt werden und nicht erst in einigen Jahren.“

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Ein Kommentar

  • ja, Menschen mit Behinderungen nur ja abhängig „halten“, das ist auch der Weg bei unseren ÖBB und den Linz Linien. Insbesondere bei den Linz Linien sind die Gegebenheiten beim Ein- und Aussteigen bei den Straßenbahnen wieder erheblich schlechter. Mann/Frau mit einem Rollstuhl ist wieder fast bei jeder Haltestelle auf das Fahrpersonal angewiesen, das oft SEHR unwillig ist, wenn es wegen der Rampe aussteigen muss. Aber auch die ÖBB setzt immer noch auf den einen oder zwei Wägen, wo MmBeh. gnädigerweise einsteigen dürfen, mit wagengebundenen oder „losen“ Hubliften, die beängstigend sind und einem unselbstständig machen. Voranmeldung zumindest 1 Tag vor der Reise ist angeblich zwar kein Muss, aber anders nehmen sie dich dann halt oft nicht mit. Selbst kürzlich erst erlebt.