BBC zeigte verdeckt gefilmte Misshandlungen in Behindertenheim

In der TV-Sendung "Panorama" sah man kürzlich verdeckte Filmaufnahmen der BBC aus einem Behindertenheim in Hambrook in der Nähe der englischen Stadt Bristol.

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BBC

Die rund einstündige Sendung ist sehr schockierend und zeigt schonungslos, wie behinderte Menschen in diesem Heim geschlagen und gefoltert wurden. Man kann die Panorama-Sendung der BBC auf Youtube sehen. (Teil 1, Teil 2, Teil 3 sowie Teil 4) – Medienberichte in Stern und Guardian.

Die vom Unternehmen Castlebeck betriebene Einrichtung geriet in der Vergangenheit schon mehrfach in die Kritik.

Aufsichtsbehörde untätig

Terry Bryan – ein ehemaliger Mitarbeiter kontaktierte dreimal die zuständige „CareQuality Commission“, um auf die Missstände hinzuweisen – ohne Reaktion. Die Behörde wurde nicht tätig. „Bereits im Oktober hatte der Mann die Leitung des Heims und dann die Kontrollkommission für Qualität im Pflegebereich informiert, doch nichts geschah. Die Kommission entschuldigte sich nun dafür, untätig geblieben zu sein“, ist „20 Minuten Online“ zu entnehmen.

Vorher hatte Bryan auch seinen Arbeitgeber informiert – ebenso erfolglos. Er beendete danach seine Tätigkeit in der Einrichtung. Diese Nicht-Reaktion von Aufsichtsbehörden – die meist diese Einrichtungen finanzieren – ist leider nicht unüblich; nicht nur in Großbritannien.

Die Einrichtung wurde übrigens in den letzten zwei Jahren dreimal von der „CareQuality Commission“ überprüft.

BBC-Reporter filmte verdeckt

Die BBC ging der Sache nach und deren Mitarbeiter Joe Casey arbeitete fünf Wochen under cover in der Einrichtung. Was er dort zu sehen bekam und filmte, schockierte ihn sehr. Übergriffe auf die Bewohner waren keine Einzelfälle sondern systematisch. Sie wurden geschlagen, gequält und erniedrigt.

Ein Experte bekam das Filmmaterial der BBC zu sehen und meinte bei Durchsicht des Videomaterials erschrocken: „Das ist Folter“.

Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden vorerst festgenommen und entlassen. Der Heimbetreiber zeigte sich „schockiert, empört und beschämt“ angesichts der Bilder aus dem Heim.

Bedrückend in den Videos waren auch die Filmszenen von den Eltern, denen die BBC die Aufnahmen vorab gezeigt hatte.

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0 Kommentare

  • Aufsichtsbehörden untätig . Kostenträger zahlt weiter die Heimkosten , weil angeblich bei einer Kontrolle nichts aufgefallen sein ect…
    Wenn dann noch , wie im Falle meiner Tochter bei der Anhörung dem Wille meiner Tochter nicht entsprochen wurde ( „Ich will zu Mama “ )und der Gruppenleiter auch noch sagte “ Die Struktur im Heim ist behinderungsbedingt notwendig“ , dann fragt man sich “ Was ist das für eine Struktur , wenn eine behinderte Frau von männlichen Personal an den Armen gezogen wird , mit Anzeige gedroht wird wenn sie behinderungsbedingt mit ihren Kopf stoßt , zur Förderung in eine Männergruppe geschickt wird ect…? “ Leider muß man sich selbst um Beweise bemühen , damit sie aus dem Heim raus kommt . Leider wird dann auch das Ermittlungsverfahren in die Länge gezogen ect…
    RESPEKT das im Falle von BBC nicht zugeschaut wurde und nach den Aufnahmen sofort gehandelt wurde .
    RESPEKT !

  • Die Krokodilstränen der Heimbetreiber halte ich für völlig verlogen. Tatsache ist: Vor allem Menschen mit wenig Geld können sich private Pflege kaum leisten – nicht einmal, wenn sie vom Ausland kommen. Größere Einrichtungen allerdings können ineffizient und inhuman sein – so wie hier. Tatsache ist weiters: In wenigen Jahren werden wir enorme Engpässe bei der Betreuung bekommen, verschärft noch dazu durch die Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst.
    Wir brauchen eine Generation, die sich persönlich mehr verantwortlich fühlt, und das nicht auf andere abschiebt, die entweder überfordert sind – oder gar kriminell. Einen etwas kürzerer Sozialdienst für jeden etwa. Die Einbeziehung in die Kontrolle von Betroffenenorganisationen, die bundeslandweit demokratisch gewählt sind, wäre ebenfalls dringend vonnöten, damit sich nicht die Betreiber selbst kontrollieren. Strukturmaßnahmen sind dringend notwendig. Auch bei uns.

  • @anonym: Vollinhaltliche Zustimmung!

  • Leider Gottes kein Einzelfall und das nicht nur in England. Einfach Schockierend das ganze!

  • Die Kürzungen in den Budget – Sparpaketen der Länder gefährden viele Menschen: wir erleben das Neuentstehen von Institutionen und den Rückbau gemeindenaher Dienstleistungen. Ausschreibungen, die viele Länder nun als Lösung starten und die von Profit Organisationen gewonnen werden, lösen das Problem nicht. Die wesentliche Qualitätskontrolle ist, dass alle Menschen am Leben teilhaben und teilnehmen können. Daran muss sich Dienstleistung messen. Die aktuellen Sparpakete z.B. in der Steiermark sind ein Rückschritt. Sie üben strukturelle Gewalt aus, denn was heute eigentlich leistbar ist und schon selbstverständlich war, wird wieder rückgebaut. Es ist leistbar und möglich, auch Menschen mit komplexen Einschränkungen so zu unterstützen, dass sie selbständig leben und eigene Entscheidungen treffen können. Aber das kostet Geld und braucht Personal
    Die Kürzungen in der Steiermark führen dazu, dass Menschen mit höchstem Hilfebedarf nicht mehr mit unmittelbar persönlicher Zuwendung für sie zur Verfügung stehen werden. Der Druck für alle Seiten wächst.
    Es ist gültiges Recht und möglich, die Menschen, die derzeit noch in Krankenhäusern leben müssen, in gemeindenahe Wohnformen zu bringen. Es geschieht aus Kostengründen nicht.
    Offenheit und Transparenz und Inklusion in die Gesellschaft sind der größte Schutz vor Mißbrauch.
    Dienstleistungsanbieter haben das zu leisten, aber auch die öffentliche Hand: sie hat die Voraussetzungen dafür zu schaffen, sonst ist das ganze Gerede über Lebensqualität und Qualität von Dienstleistung sinnlos.

  • Wann kommt dieser „Wallraff“ – Gedanke + Durchführung auch nach NÖ?