Bedenkliche Entwicklung: Hilfsmittelmonopole statt mehr Markt im Hilfsmittelbereich

Schon rund 330 Millionen Schweizer Franken werden jährlich von den Sozialversicherungen in diesem Bereich bezahlt.

Weches Hilfsmittel ist zeitgemäß? (verschiede Rollstühle)
ZSL Schweiz

„Heute kostet ein veralteter Elektro-Rollstuhl in der Schweiz so viel wie ein Mittelklassewagen. Grund: Ein faktisches Staatsmonopol bei Hilfsgeräten“, hält Peter Wehrli in der schweizerischen Weltwoche 09/10 fest und befürchtet: „Jetzt soll der Markt noch stärker abgeschottet werden.“

Schon rund 330 Millionen Schweizer Franken werden jährlich von den Sozialversicherungen in diesem Bereich bezahlt. Wehrli gehört als Geschäftsleiter des Zentrums für Selbstbestimmtes Leben in Zürich natürlich nicht zu jenen, die auf Kosten behinderter Menschen sparen wollen. Was ihm große Sorgen bereitet, sind Fehlentwicklungen wie beispielsweise geplante Monopoleinkäufe von Hilfsmitteln.

Kartellartige Zustände auf Kosten der Betroffenen

„Im Schweizer Hilfsmittelmarkt herrschen kartellartige Zustände, weil das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) Jahr für Jahr gemeinsam mit den Anbietern Höchstpreise festlegt. Die Anforderungen an die Hilfsmittel werden dabei meist über die Köpfe der Benutzer hinweg ausgehandelt. Neu will nun das BSV aus der Vielzahl der heute auf dem Markt angebotenen Geräte einige wenige „zweckmässige“ Modelle auswählen und diese in grossen Mengen mit Rabatt einkaufen. Behinderte müssten das Staatshilfsmittel nehmen, selbst wenn sie im freien Markt ein besseres und günstigeres Gerät fänden“, erläutert Wehrli in seinem Artikel.

Absurde Denkweisen

In einem plastischen Vergleich zeigt er auf, wie verquert diese Ansätze sind: „Der Leser stelle sich vor, der Staat würde in ähnlicher Weise als Grosseinkäufer in den Automarkt eingreifen, um allen Schweizern ein ‚einfaches und zweckmässiges‘ Fahrzeug zur Verfügung zu stellen. Um dieses ‚konkurrenzfähig“ zu machen, würde der private Autohandel untersagt.“

Die Erfahrungen in Ländern mit Staatsmonopolen und ohne freien Markt zeigen, dass dies zu technologischem Rückstand, fehlender Servicequalität und extremen Lieferfristen führt.

Die Ursache der derzeit hohen Hilfsmittelkosten sind die verordnete Marktabschottung und die dadurch fehlende Konkurrenz. Das Einkaufsmonopol der Sozialversicherungen degradiert Betroffene zu entmündigten „Versorgten“, die dankbar zu empfangen haben, was andere, ohne selbst jemals darauf angewiesen gewesen zu sein, „für sie“ ausgewählt haben.

Das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Zurich zeigt auf der Homepage „Behinderte gegen Hilfsmittelmonopole eindrucksvoll auf, wohin dieser falsche Weg führt. (Wir haben darüber berichtet)

Weiters ist kürzlich ein passender Beitrag im SL-TV erschienen, der das Thema humoristisch aufarbeitet.

Transkription

Liebe Zuschauerin, lieber Zuschauer

Sie sehen eine Sondersendung von SL-TV. Der Redaktion wurde ein seltsames Video zugespielt, welches offenbar aus der Zukunft, genauer gesagt aus dem Jahr 2022 stammt. Aber sehen Sie selbst.

[Man sieht einen Mann in Uniforum im Hintergrund eine Vielzahl von kommunistischen Symbolen. Er verliest einen Text.]

Genossinnen und Genossen

Das Bundesamt für Planwirtschaft gibt bekannt: Ab sofort sind sämtliche Confiserien zwecks Erhalt der Produktequalität verstaatlicht.

Ausserdem werden sie dazu angehalten, Schokolade von heute an ausschliesslich nach den vom BAP vorgegebenen Rezepten zu produzieren, damit unser Volk nicht mit zu grossen Wahlmöglichkeiten überfordert wird.

An dieser Stelle möchte das BAP die Genossen Couchepin und du-Bois Raymond würdigen, die die Veränderungen der letzten Jahre möglich gemacht haben. Sie haben im Jahr 2010 ein Staatsmonopol auf Behinderten-Hilfsmittel eingeführt und damit den Grundstein für unsere ruhmreiche Arbeiterrepublik gelegt.

Das Staatsmonopol wäre damals beinahe verhindert worden. Das ZSL, eine Gruppierung von Reaktionären, hat mit einer Online-Petition gegen das Staatsmonopol gekämpft. Da viel zu wenig Leute die Petition unterschrieben, scheiterte dieser konterrevolutionäre Angriff.

Und so kann unser geliebtes Arbeitervolk in eine strahlende Zukunft blicken.

Ja Sie haben es gehört. Offenbar wird die Schweiz in den nächsten zwölf Jahren zu einem kommunistischen Land und das nur, weil unsere Petition nicht durchkommen wird. Aber nun, da wir das wissen, können wir es ja eventuell noch verhindern. Bitte unterschreiben Sie also unsere Online-Petition gegen das Staatsmonopol auf Hilfsmittel. Sie finden sie auf der eingeblendeten Homepage.

Herzlichen Dank

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0 Kommentare

  • Hat jemand Erfahrungswerte mit von IPDD designten Rollstühlen?

  • solange ein handlauf bei der firma bständig ca 500Euro kostet und der selbe mit dem selben firmenstempel eingraviert bei der fa.hornbach nur 64euro wird sich da nichts ändern

  • Das mit der Vergleichbarkeit stimmt absolut. Ich möchte einen Treppenlift kaufen und dazu bekommt man nicht nur sehr viel Info, sondern es gibt auch in diversen Medien Werbung. Das ermöglicht den Preisvergleich. Der Vergleich mit der Anschaffung eines Rollis ist schon interessant. In den Massenmedien gibts keine Werbung und Preise. Und wenn Firmen für eine Produkt, das doch nicht so wenige brauchen nicht werben, dann muss was faul sein. Ich sehe es auch so, dass man eine solche Anschaffung nicht mit einem Autokauf vergleichen kann. Ein Auto ist für manche Menschen wirklich notwendig als Fortbewegungsmittel, viele Menschen fahren aber auch einfach gerne Auto, ohne ein solches zu brauchen. Vor allem: Nicht jeder Mensch braucht zum Leben unumgänglich ein Auto! Diverse Hilfsmittel sind für behinderte Menschen aber absolut notwendig! Und häufig geht es eben auch um eine Leistung der öffentlichen Kassen. Deshalb frage ich mich, warum das ein Geschäft zulasten der Öffentlichkeit sein muss. Noch dazu, wo die Versorgung oftmals mehr recht als schlecht ist! Das System kostet nicht wenig und benachteiligt (@fraunbaum) mittellose behinderte Menschen immens.

  • @josef fraunbaum: Ich denke, dass dieses Thema sehr wohl seriös abgehandelt wird und dass man gerade einen E-Rollstuhkauf (Egal welcher Kostenträger) mit einem Autokauf vergleichen kann. für 15.000 Euro bekommt man einen sehr guten PKW. Selbst ein E-Support (ohne Rollstuhl kostet ca.5000 Euro. Ein normaler gut adaptierter Rollstuhl kostet an die 3.500 Euro. Und ein 0/8/15 Rollstuhl für alte Menschen und behinderte Menschen die einfach in einen Rolli gesetzt werden die 300 Euro. Wir behinderte Menschen)sind Geschäft. Jedoch gebe Ihnen Recht, dass dass es für eine Solidargemeinschaft andere Kriterien. Und behinderte Menschen die har nicht haben und sich nicht auskennen, bleiben auf der Strecke. Gute Informationen gibt es nur auf guten Reha-Messen. Vielleicht auch noch in guten Reha-Zentren bzw. Freunde, die schon lange im Rollstuhl sitzen. Und Rrechtlich schaus „grauslich“ aus auf was man tatsächlich Anspruch hat

  • schade um die vertane chance, das thema seriös aufzuarbeiten. was für ein unfug, das system mit jenem des autokaufes zu vergleichen. ein staat ist schließlich eine solidargemeinschaft und autokauf ist eindeutig privatsache. mit allen nachteilen für die, die sich weniger leiten können und allen vorteilen zugunsten jener, die mehr haben!

  • @netter Meensch: Habe Ihnen auch schon geantwortet

  • @ meia: Ich habe Ihnen soeben eine E-Mail geschickt.

  • Frage an die Experten in dem Forum: Wer definiert überhaupt, wer welchen Anspruch hat bei der Vorsorgung beispeilsweise mit einem Rollstuhl. Wie schaut es das mit dem rechtlichen Anspruch aus, kann man einklagen, dass man einen entsprechend adaptierten Rolli bekommt? Wo bekommt man bei solchen Fragen Unterstützung und Rechtsbeistand?

  • @Netter Mensch – ich hätte gerne Ihre E-Mail-Adresse

  • @ Anonym · 8. März 2010 22:10 Uhr:

    Bitte, die kognitiven Leistungen sind unbestritten! Ich kenne die Beispiele die Sie nennen.

    Ich habe den Begriff „(un)mündiger Konsument“ NUR in Bezug auf die Marktübersicht verwendet, NICHT IM RECHTLICHEN SINN („unmündige Person“).

    Zitat: „dass die wahl von hilfsmittel nicht immer nach den wünschen und bedürfnissen dieser personengruppe stattfindet.“ – Ja, so meine ich das!

    In meinen Augen ist das Grundproblem ein Informationsdefizit, welches maßgeblich für die (schlechte) Qualität der Hilfsmittel und der Hilfsmittelversorgung verantwortlich ist. Es gibt einige brauchbare Dinge am Markt, diese sind aber nicht immer leicht zu finden.

    Zitat: „es geht nicht darum, dass jeder technische details kennt, aber die leute sollten die möglichkeit haben, individuell adaptierte hilfsmittel, die ihren bedürfnissen entsprechen zu bekommen und diverse modelle ausprobieren zu können.“ – Richtig, nicht JEDER aber ZUMINDEST EINER muß eine Marktübersicht haben und wissen was technisch möglich ist.

    Ich kenne viele Spitäler und Reha-Kliniken in Österreich, Therapeuten und Ärzte haben KEINE AHNUNG von Rollstühlen und was möglich ist. Als Beispiel nehme ich den Bereich Spastiker, Spinabifia und Querschnitte. Die sogenannten Experten konzentrieren sich (fast) nur auf die Sitzposition, die Praxistauglichkeit eines Rollstuhl ist Ihnen unbekannt und wird daher außer Acht gelassen. (z.B. Rollstuhl kommt nicht über eine Gehsteigekante, zu breit für die Wohnungstür, etc.)

    Daher muß sich – notgedrungen – der Betroffene selbst informieren. Mein Argument war einfach das Senioren sich nicht im vorhinein informieren (können) und bei z.B. schweren Tetraparesen ist es ähnlich. Wie erfahre ich überhaupt, daß es „persömliche Assistenz“ gibt, etc?

    Über Formulierungen läßt sich streiten, aber ich kämpfe nur gegen das Informationsdefizit.

    Danke für das Lob!
    Ein Paradebeispiel hinsichtlich Informationsdefizit: FRAGE: „Ich hätte gerne einen manuellen Rollstuhl wo alle vier Räder gefedert sind!“

    ANTWORT (von der Therapeutin, dem Arzt und dem Rehaverkäufer XY): „Das gibt es nicht!“

    LÖSUNG: Einen Küschall R33 (http://www.kueschall.ch/de/Kuesch_1224.aspx) mit „froglegs“-Vorderrädern (http://www.froglegsinc.com/) da sie eine bessere Dämpfung haben, als die herkömliche Gummidämpfung.

    Solche Experten kann ich nicht Ernst nehmen, da sie nicht einmal recherchieren wollen.

  • @ „Sehr netter Mensch – Krüppel“: In der Tat kann (leider) nicht jeder seinen Rollstuhl selber bauen. Aber für mich ist der Leidensdruck mitterweile groß genung – ich will Mobilität solange ich noch halbswegs jung bin und das Leben ohne altersbedingte Einschränkungen genießen kann.

    Richtig, das Medizinprodukthaftungsgesetz und die Medizinproduktverordnung (siehe http://ris.bka.gv.at) sind ein enges Korsett.

    Allerdings wo kein Kläger, da kein Richter! Außerdem kann ich immer noch Eigenbedarf geltend machen (kein Verkauf, kein Handel).

    Ich verwende ausschließlich Fahrradhändler (gerade für „Schwalbe“ – Reifen beim manuellen Rollstuhl) und Autowerkstätten (für Batteriewechsel beim elektrischen Rollstuhl) weil die bessere Öffnungszeiten haben, schneller und besser arbeiten (Kein Ersatzrollstuhl notwendig!) und billiger sind. Ich zahle das alles selber, aber es ist es mir Wert und das Geld kann ich mir – Gott sei Dank – ersparen.

  • gut, dass sie das im detail ausgeführt haben! allerdings bitte ich doch sehr darum, beim nächsten mal, vielleicht schon beim ersten beitrag klarer und verständlicher zu formulieren. ich möchte aber noch anmerken, dass der begriff ein schwerbehinderter problematisch. wenn sie – was ich annehme – menschen meinen die einen hohen assistenzbedarf haben und ebenso moderne technik brauchen um ein selbstständiges leben zu führen, dann stimmt das so nicht.

    wenn sie ganz scharf nachdenken, dann wird ihnen vielleicht auch diesbezüglich klar werden, dass ihre sprache nicht korrekt ist! menschen wie beispielsweise herr stephen william hawking sind ganz sicher nicht unmündig!!! was sie möglicherweise zum ausdrucke bringen wollten, war wohl, dass viele menschen mit einem sehr hohen assistenzbedarf kein selbst bestimmtes leben führen könnten. das bedeutet auch, dass die wahl von hilfsmittel nicht immer nach den wünschen und bedürfnissen dieser personengruppe stattfindet. aktivität mein lieber herr bezieht sich nicht nur auf körperliche aktivitäten.
    gerade bei der von ihnen beschriebenen „sitzschalengruppe“ gibt es sehr viele menschen, die hohe kognitive leistungen erbringen – dazu kann ich ihnen zum beispiel den blog von herrn dr. huainigg empfehlen! mit ihrer sprache verstärken sie bestehende vorurteile und helfen dabei mit, negative bilder in den köpfen der menschen zu zementieren. ich darf sie bitten mit ihrem worten sorgfältiger umzugehen! ihr fachlich sehr fundierter beitrag zeigt aber, wie problematisch diese fremdbestimmung als solches ist! es geht nicht darum, dass jeder technische details kennt, aber die leute sollten die möglichkeit haben, individuell adaptierte hilfsmittel, die ihren bedürfnissen entsprechen zu bekommen und diverse modelle ausprobieren zu können.

  • @Ein netter Mensch – Sie schreiben: Selber bauen! Inspiration findet sich z. B. hier: http://www.wheelchairdriver.com/. Viel Erfolg!
    Das ist zu viel verlangt – Jedoch kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen und auch bestätigen. Freak-Radio brachte vor Jahren eine Sendung, da ging es um die Privatisierung der Heilbehelfe in Niederösterreich. Auch gab es eine Sendung wo das Medizinprodukthaftungsgesetz angesprochen wurde. Ein Radmechaniker darf nicht einmal die Speichen eines Rollstuhles austauschen obwohl er das besser billiger und professioneller kann.. Thearetisch darf ein Radmechaniker nicht einmal einen „Platten“ beim Rollstuhl reparieren..

  • @ Anonym von 8. März 2010 15:24: Ich bitte darum im Zusammenhang und vollständig zitiert zu werden.

    Meine Formulierung ist vielleicht etwas verkürzt und mißverständlich. Es geht mir um Folgendes:

    Ein mündiger Konsument (in meiner Definition) hat eine Marktübersicht und kann daher bestimmen was er will; ein unmündiger Konsument dagegen nicht.

    Senioren im Altersheim, die ihre Gehfähigkeit verlieren, werden nicht sagen „Jetzt will ich bitte einen Meyra X1 oder einen Sopur Neon oder einen Invacare G40“. Die bekommen von der Therapeutin oder dem Rehahändler einen ganz einfachen Rollstuhl, der oft nicht paßt.

    Schlimmer noch, die Rollstuhlversorgung ist oft nur kurzfristig (max. 5 Jahre) weil der Rollstuhl dann nicht mehr benötigt wird, sei es wegen Bettlägrigkeit oder wegen Tod.

    Aktive Behinderte (z.B.: junge Unfallopfer) oder gar Aktivisten der Behindertenbewegung sind in der Minderheit.

    Diese Argumente können nach der Durchsicht der Daten bei „Statistik Austria“, Krankenversicherungen wie die AUVA und nicht zuletzt im „Bericht über die Lage der behinderten Menschen in Österreich 2008“ (http://www.bmsk.gv.at/cms/site/attachments/9/5/7/CH0092/CMS1237382655079/behindertenbericht_09-03-17.pdf) Seite 13 und Seite 223ff nachvollzogen werden.

    Analog mit den Schwerbehinderten: Die werden fremdbestimmt in eine Sitzschale gesteckt und der Elektrorollstuhl kommt aber über keine Gehsteigkante…

    Beide Gruppen (Senioren und Schwerbehinderte) werden sich eben nicht beschwehren, weil sie nicht wissen ob und was es Besseres gibt. Daher wird sich an den – im Artikel angeprangerten – Zuständen bedauerlicherweise so schnell nichts ändern. Quod erat demonstrandum.

    Für Beschimpfungen gebe ich Ihnen nicht meine E-Mail Adresse, für eine sachliche Diskussion dagegen schon.

  • na, ich hoffe, dass sie das mit den „senioren und den schwerbehinderten“, die sie als „zugegebenermassen unmündige konsumenten“ bezeichnen, nicht ernst meinen! andernfall kann man sie nicht wirklich nicht ernst nehmen! sie sind ja ein so gar nicht netter mensch!!!… meine erziehung und gewisse grundregeln der diskussionskultur in dem blog erlauben mir nur nicht dafür das richtige wort zu posten. das könnten wir privat nachholen!

  • Mein Lieblingsthema! Im Hilfmittelbereich (insbesondere bei Rollstühlen) gibt es in weiten Teilen der Wertschöpfungskette einen Oligopolmarkt inbesondere bei den Herstellern (Invacare, Sunrise Medical, Otto Bock und die kleinere Meyra-Orthopedia Gruppe sowie Pride Mobility) and dem Fachhandel (In Wien: Frühwald, Bständig und Matzka; in Salzburg: Tappe). Die Rollstuhlhersteller sind mit Autokonzernen vergleichbar: Viele Marken aber das selbe Unternehmen dahinter.

    Die Gewinnspannen beim Verkauf liegen bei circa 50% weil normale Industrieware verbaut wird. („Banner“-Batterien, Steuerungen von Penny und Giles, Curtis Instruments bzw. Dynamic Controls, Gleichstrommotoren mit Brürsten von z. B. http://www.micromotor.ch obwohl Bürstenlose Gleichstrommotoren heute Stand der Technik sind, der Rahmen ist normaler Industriestahl und die Reifen sind auch Massenware) Bei der Reparatur ist die Spanne eigentlich gering, aber durch optimierte Rechnungslegung kann auch dort ein Gewinn gemacht werden.

    Deutschland hat schon das in Schweiz angedachte System: Es gibt Ausschreibungen nach dem Bestbieterprinzip, allerdings ist die Gewichtung des Preises bei den Bewertungskriterien sehr hoch, sodaß es eine Frage des Billigstbieters wird.

    In Österreich wollen die Krankenkasse auf Hersteller und Fachhändlerebene nur mit Kompettanbietern (also Unternehmen die alles anbieten vom Rollstuhl bis zur Windel) zusammen arbeiten. Dadurch gibt es wenig Konkurrenz und wir bekommen teure, oft schlechte Produkte und eine Nachbetreuung (Service) die lachhaft ist.

    Der Konsumentenschutz traut sich nicht das Thema anzugreifen, weil es sich um „medizinische Produkte“ handelt, die „besonders“ sind.

    Zugegebenermassen sind die meisten Rollstuhlnutzer, unmündige Konsumenten (Senioren oder Schwerbehinderte), die keine Marktübersicht haben. Die werden sich nie beschweren! Mittlerweile empfehle ich: Selber bauen! Inspiration findet sich z. B. hier: http://www.wheelchairdriver.com/. Viel Erfolg!

  • Der gesamte medizinische-pharmazeutische Komplex ist durch seine hohe Komplexizität und durch den großen Kuchen an Geld, um das es dabei geht, ein Eldorado für fragwürdige wirtschaftliche Entscheidungsketten (da regiert eben oftmals alles andere als der freie Wettbewerb) und für Korruption. Da ist die Situation in Östereich auch sehr problematisch, weil dadurch sämtliche Hilfsmittel für die Betroffenen unnötig teuer werden und Sozialbudgets geblündert werden. Ein probates Gegenmittel dazu wäre eine möglichst hohe Transparenz und Zugänglichkeit zu aller Unterlagen von Bieterverfahren. Wichtig wäre auch ein zentraler Einkauf von z.B. Spezialnahrung durch die Kassen, weil die großen Kassen natürlich eine andere Verhandlungsposition haben, als der Kunde, der das in Spezialgeschäften kaufen muss. Zusätzlich wäre es notwendig die Leistungskataloge der Kassen zu kennen, was muss gezahlt werden, welche Unterschiede bestehen zwischen den Kassen, wie kann das Recht auf ein Hilfsmittel eingeklagt werden. Wichtig wäre die Kenntnis dieser Leistungskataloge vor allem auch, weil man dan Aufzeigen kann, falls es zu Kürzungen kommt!
    Dazu kommen dann noch viele unterschiedliche Interessen von Seiten der behinderten Menschen und eine Reihe von Vereinen, die sich „irgendwie“ mit dem Thema Hilfsmittel beschäftigen oder das als Leihgabe anbieten (was wiederrum problematisch ist, weil die behinderten Menschen ja ein Recht auf eine adäquate Versorung haben).Teilweise werden Hilfsmittel über Bettelaktionen zusammengekratzt, das ist überhaupt ganz schlimm. Und von dem Zustand vieler Rollstühle in diversen Pflegeheimen will ich da gar nicht berichten, die sind überhaupt nicht individuell angepasst, sondern halt irgendwelche Modelle, die vom letzten Verstorbenen noch da waren.
    Im Grunde ein klassisches Thema für eine Rechnungshofprüfung!