Behinderte am Arbeitsmarkt: Wirtschaft fordert beschäftigungsfördernde Maßnahmen

WKÖ-Gleitsmann: Anreize schaffen statt Strafen: Förderungen leicht zugänglich machen, Lohnzuschüsse ausbauen

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„Menschen mit Behinderung neue berufliche Chancen zu geben, ist der Wirtschaft ein wesentliches Anliegen“, betont Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „In den Betrieben besteht prinzipiell die Bereitschaft, Menschen mit Beeinträchtigung einzustellen. Es müssen aber die Rahmenbedingungen für die Unternehmen stimmen, denn die Integration im einzelnen Betrieb kann nur gelingen, wenn die erforderliche Rücksichtnahme auf die Abläufe in der Wirtschaft gegeben sind.“

Die Arbeitslosenquote der begünstigten behinderten Personen betrug im Jahr 2013 9,4%. Diese Steigerung (+0,5%-Punkte gegenüber dem Vorjahr) ist auf das unsichere Umfeld und die schwache Konjunktur sowie die Entwicklung am Arbeitsmarkt generell zurückzuführen, die besonders stark benachteiligte Gruppen trifft.

Förderungen schwerer zugänglich

Ein weiterer Grund ist, dass der Zugang für die Inanspruchnahme von Förderungen für die Anstellung von behinderten Personen erschwert wurde: Bis Ende 2011 war das Bundessozialamt für die Lohnkostenzuschüsse bei Menschen mit Behinderung zuständig.

„Das Mittel der Integrationsbeihilfe war ein hervorragendes Instrument des Lohnkostenzuschusses bei Berufseinstieg, und es konnten Einstellungshemmnisse überwunden werden. Nun gibt es regional unterschiedlich gehandhabte Vorgangsweisen bei der Vergabe von Einstellungsbeihilfen. Bisher war es eine Ansprechperson, in der Regel der Arbeitsassistent, der die Förderung für den Betrieb abgewickelt hat, jetzt kommt auch noch das AMS hinzu – von Transparenz und Reduzierung des betrieblichen Aufwandes keine Rede mehr“, kritisiert Gleitsmann.

Die Ausgleichstaxe wird jährlich valorisiert und wurde ab dem Jahr 2011 massiv angehoben. Unternehmen sparen sich mit der Beschäftigung jedes behinderten Menschen die Zahlung der Ausgleichstaxe. Es gibt aber eine zunehmende Diskrepanz zwischen der Anzahl der auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden begünstigt behinderten Personen und der von Arbeitgebern zu erfüllenden Pflichtzahlen.

„Es können somit einstellungspflichtige Arbeitgeber ihrer Beschäftigungspflicht mitunter nicht nachkommen, was gleichzeitig bedeutet, dass viele Unternehmen Ausgleichstaxe bezahlen müssen, obwohl sie bereit wären, behinderte Menschen zu beschäftigen“, erläutert der WKÖ-Experte, der weitere finanzielle Belastungen für einen noch größeren Kreis von Unternehmen klar zurückweist.

Lohnzuschüsse ausbauen

„Insgesamt beweisen mehr als 100.000 Menschen mit Behinderung in unseren Betrieben, dass ihre Anstellung Respekt, Verständnis und Zusammenarbeit fördert. Unternehmen müssen aber bei der Integration von behinderten Menschen stärker unterstützt werden. So wird das Geld, das die Unternehmen in den Ausgleichstaxfonds einzahlen, nicht mehr vordringlich für Beihilfen behinderter Menschen am Arbeitsplatz verwendet. Es ist deshalb dringend notwendig, Anreize für Unternehmen wie Lohnzuschüsse massiv auszubauen. Betriebe sollen nicht nur belastet, sondern auch belohnt werden, wenn sie ihre Einstellungspflicht übererfüllen oder im Fall von Kleinbetrieben ohne Einstellungspflichten Menschen mit Behinderung einstellen. Mit einem sinnvollen Mix an Anreizen ist viel mehr zu erreichen als mit Mehrbelastungen für Unternehmen“, fasst Gleitsmann zusammen.

Wirtschaftskammer unterstützt

Die Wirtschaftskammer Österreich initiiert, fördert und unterstützt die Integration behinderter Menschen in die Arbeitswelt durch zahlreiche erfolgreich Projekte wie etwa die Internetplattform der Sozialpartner www.arbeitundbehinderung.at.

Hier können UnternehmerInnen zahlreiche praktische Tipps und Beispiele zur Beschäftigung behinderter Menschen einholen. Dank dem Engagement der Wirtschaft konnten im Jahr 2013 Jugendliche mit Beeinträchtigungen 650 Schnuppertage in 149 Unternehmen in ganz Österreich absolvieren.

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0 Kommentare

  • Sehen wir es doch real, die Wirtschaft will zumeist nur abkassieren. Da gehts nicht darum Behinderten die Chance sich selbst zu erhalten, zu verschaffen, sondern aus den Förderungen und Zuschüssen Geld zu lukrieren. Eventuell auch, sozialer da zu stehen und sich im TV mit Sekt anstossend ob der grossen Hilfsbereitschaft und Sebstlosigkeit feiern zu lassen.

    Selbst erlebt:
    Hatte einen Job, wo ich mindestens so viel leistet wie die unbehinderten Kollegen – eher mehr. Ein Lohnkostenzuschuss von 30% war vorhanden…. als es der Firma schlecht ging und die Pleite drohend nahe war, wurde abgebaut. das Argument gegenueber mir war lapidar, da ich ja „nur“ zu 30% gefoerdert werde, der Rest von 70% muesse die Firma tragen sei es eine zu grosse Belastung. Unterschwellig die Einstellung, das ich diese 70% eh nur aus sozialen Aspekt erhalte, den man sich nicht mehr leisten koenne – ganz so wie wenn ich nur rumsiten wuerde und nicht das selbe leisteten wuerde wie die anwesenden Nichtbehinderten. Schlussendlich endete das ganze so, das ich MONATELANG alle paar Tage mit Email zugedeckt wurde, in der der Geschaeftsfuehrer „ganz lieb“ fragte ob ich ncht berie waere der Firma zu helfen und freiwillig gehen wuerde. Das war quasi ein massives Mobbing, denn ich stand unter KÜ-Schutz. Ich hielt den Druck nach 1,5 Jahren einfach nicht mehr aus…

    Faszit ist einfach, das Behinderte oft nicht als Gleichwertig anerkannt sind und eher als „soziale Aspekte“ ala „Spende an Licht ins Dunkle“ gesehen werden. Dagegen hilft nichts, selbst die Bereitschaft „kostenlose Uberstunden “ zu leisten, brachte nichts. Schlussendlich muss fast immer der Behinderte als eine rder ersten gehen, da er ja nicht „vollwertig Einsetzbar“ ist, da hilft keine Leistung von 150%, keine sonstigen Berietschaften die ein Nichtbehinderter nie im Leben machen wuerde ohen gleich zur AK oder Gewerkschaft zu laufen.

    Das Probem sitzt im Kopf der Menschen, da muss angesetzt werden damit llangfristig ein Umdenk

  • Seit die Zuständigkeit für die Lohnkostenförderungen von Menschen mit Behindertung 2012 vom Bundessozialamt zum AMS gewandert ist, funktioniert nur mehr sehr wenig. Extrem bürokratisch, intransparent, zeitaufwändig, regional sehr unterschiedlich, in der Zielgruppe sehr eingeschränkt hat das AMS Österreich die Steigerung der Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderungen zumindest mitverschuldet! Vermittlungen am 1. Arbeitsmarkt wurden wie die tägliche Vermittlungspraxis bei den Vermittlungsdiensten zeigt durch das AMS sehr erschwert. Alleine der Umstand, dass Förderungen jetzt vor Dienstbeginn vom Unternehmen beim AMS beantragt werden müssen ist sehr nachteilig. Beim Bundessoziamamt konnten die Betriebe die Förderung bis zu drei Monate nach Dienstbeginn beantragen!