Behinderten-Organisationen und Journalisten

Von der wechselhaften zur wechselseitigen Allianz; Von Sascha Stefanakis; (Der Autor ist Mitarbeiter des ORF)

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Das Verhältnis und Verständnis zwischen Journalisten und Behinderten und -organisationen ist ein ambivalentes. Journalisten sind für Behinderten-Organisationen einerseits wichtige Ansprechpartner, um u.a. Anliegen, Probleme aber auch Missstände öffentlich zu machen. Erst durch die Ver-Öffentlichung werden wichtige Botschaften transportiert, gelingt es, Sensibilität und Verständnis für das Leben geistig oder körperlich behinderter Menschen zu schaffen und Ressentiments abzubauen. Manchmal bewirkt ein Beitrag in den Medien sogar, Defizite im Umgang mit Behinderten aufzuzeigen und – zumindest teilweise – zu beseitigen.

Andererseits wird Journalisten oft indirekt unterstellt, mit der Behinderten-Thematik nicht sensibel genug umzugehen, Behinderte nur für den eigenen Zweck, einen Beitrag oder einen Artikel zu instrumentalisieren. Ist der Beitrag abgedreht oder der Artikel geschrieben, würde das Interesse an der Behinderten-Problematik wieder in weite Ferne rücken – bis wieder eine Geschichte oder Schlagzeile „gebraucht“ wird.

Selten ist der Beitrag zur voller Zufriedenheit aller Beteiligten – am wenigsten zur Zufriedenheit des/der Behinderten. Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma?Wenn ich mit Kollegen über die Zusammenarbeit mit Behinderten-Organisationen spreche, höre ich fast immer dieselben Beschwerden:

„Die Pressesprecher/Innen bombardieren uns mit Infomaterial, Foldern und Gesetzestexten, sodass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, das Durchforsten des Infomaterials wird so mühsam.“

„Wenn wir etwas von Ihnen brauchen, gehen sie (die Behinderten-Organisationen) mit Information geizig um, stellen nur widerwillig einen persönlichen Kontakt zu einem Behinderten her.“ „Nachher erzählen sie uns, was wir verabsäumt haben, anstelle schon vorher auf besondere Anliegen hinzuweisen!“

Von den Sprechern der Behinderten-Organisationen wird Journalisten wiederum fehlende Sensibilität bei der Wortwahl („behindert“ oder „gehandicapt“), Vereinfachung der Sachlage und manchmal auch reine Sensationsgier vorgeworfen. Bis auf den letzten Vorwurf kann ich dem zustimmen, denn wir Journalisten sind im Umgang mit gehandicapten (sic) Menschen teilweise unbeholfen. Eine willkommene Anregung wäre eine Enquete über „Umgang und Sprache bei Reportagen über und mit Behinderten “ – schließlich hat jeder Lebensbereich seine eigene Sprache und Termini technici.

Leider kommt es in der schnelllebigen und teilweise oberflächlichen Journalismus-Branche immer wieder vor, dass Reportagen oder Kurzbeiträge angedacht, recherchiert und terminisiert werden, aber dann doch im letzten Moment abgesagt werden müssen. Das ist keine Ignoranz den Behinderten gegenüber, das ist – leider – unser Arbeitsleid, wir sind selbst unglücklich über solche Absagen. Dass manchmal für die „Sitzengelassenen“ aufgeschoben auch aufgehoben heißt, dass dann Behinderte oder Pressesprecher von Behindertenorganisationen beleidigt und verständnislos reagieren, erschwert unsere Zusammenarbeit. Man darf nicht alle Journalisten in einen Topf werfen, auch wenn manche Journalisten viel versprechen und nur wenig halten.

Anlassorientierte, präzise und vielleicht schon pressegerecht formulierten Fakten mit aktuellen Querverweisen erleichtert uns Journalisten die Arbeit, so können wir in Redaktionssitzungen die Thematik auch besser verkaufen, die Chancen, dass wir mit unserer „Geschichte“ durchkommen, stehen dann viel besser.

Zusammenfassend bin ich überzeugt, dass auch eine kurze Geschichte besser ist als keine. Steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein, auch eine kurze Geschichte kann einen Stein ins Rollen bringen Barrieren für Behinderte beseitigen.

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