Behinderung ist ein großes Geschäft

Martin Naughton von der Selbstbestimmt Leben Bewegung behinderter Menschen in Irland hat während des Freedom Drives in Straßburg deutlich gemacht, dass Behinderung ein großes Geschäft ist.

ENIL
ENIL

Deshalb sei die Neigung auch groß, behinderte Menschen in Abhängigkeit zu halten. Dies und die Tatsache, dass es in Straßburg für behinderte Menschen gut möglich war, Busse und Bahnen zu nutzen, sind einige Eindrücke, die Corina Zolle aus Mainz vom Freedom Drive, der diese Woche in Straßburg für die Rechte behinderter Menschen stattfand, zurück gebracht hat.

Der öffentliche Nahverkehr in Straßburg war einfach phantastisch. Es war richtig toll, dass die TeilnehmerInnen des Freedom Drives sich ohne größere Barrieren durch die Stadt bewegen konnten. Bei den Länden in der Straßburger Altstadt war das leider anders, da gab es fast überall Stufen“, erklärte Corina Zolle im Rückblick auf den diesjährigen Freedom Drive für die Rechte behinderter Menschen.

Corina Zolle fungierte als Leiterin der deutschen Delegation bei der vom Europäischen Netzwerk zum selbstbestimmten Leben behinderter Menschen (ENIL) organisierten Aktion.

„In Erinnerung ist mir auch Martin Naughton aus Irland geblieben. Er hat in den Gesprächen mit den Europaabgeordneten sehr prägnant das Problem in der Behindertenpolitik und -arbeit auf den Punkt gebracht: ‚Behinderung ist ein großes Geschäft. Mit uns verdienen viele Menschen Geld und deshalb wollen sie uns auch lieber in Abhängigkeit halten'“, so Corina Zolle.

Sie selbst habe damit erst letztens Erfahrung gemacht, als sie sich zusammen mit Christian Bayerlein bei ebay Rampen beschafft hat. „Wir haben dafür 79 Euro bezahlt. Wenn ich versucht hätte, über die Krankenkassen über’s Internet exakt die gleiche Rampe zu kaufen, hätte mich das zwischen 400 und 800 Euro gekostet. Das ist Geschäftemacherei und das Ganze von der Krankenkasse subventioniert. Es wird Zeit, dass wir behinderte Menschen auch verstärkt in diesem Bereich unabhängiger werden und persönliche Budgets nutzen können“, so Corina Zolle.

Interessant fand Corina Zolle auch die Erfahrung während der Demonstration zum Europaparlament. „Wenn da 250 Leute unterwegs sind, von denen die meisten RollstuhlnutzerInnen sind, müssen die Autofahrer natürlich etwas warten. Anfangs waren die sehr grummelig und mißmutig darüber. Dann haben einige AssistentInnen von uns denen die Unterschriftensammlung für eine EU-Antidiskriminierungsrichtlinie für behinderte Menschen hingehalten und erklärt, worum es geht. Plötzlich verzogen sich bei den meisten die Wolken aus ihren Gesichtern und sie unterschrieben freudig. Damit hatten wir das Wohlwollen der meisten Autofahrer auf unserer Seite, das war richtig faszinierend“, so Corina Zolle.

Jetzt sei es wichtig, dass die geknüpften Kontakte in Brüssel gepflegt würden und immer wieder nachgelegt werde, um wichtige Akzente für eine europaweite Absicherung der Assistenz und für ein Leben behinderter Menschen Daheim statt im Heim zu setzen.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich