Berliner Senat erarbeitet inklusives Schulkonzept

Bis März 2010 soll der Berliner Senat ein "Gesamtkonzept Inklusive Schule" vorlegen, hat das Abgeordnetenhaus beschlossen.

Rathaus in Berlin
BIZEPS

Dabei soll geklärt werden, wie der „Ausbau der gemeinsamen Erziehung“ im Licht der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen umgesetzt werden kann, berichtet heute die Berliner Zeitung in ihrer Wochenendausgabe. Fraglich sei, wie viele Sonderschulen erhalten bleiben. „Die Integration ist unsere nächste große Baustelle“, zitiert das Blatt Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD).

Derzeit besuchen fast 40 Prozent der behinderten Kinder in Berlin eine Regelschule. Doch noch immer gehen mehr als 12 000 Kinder auf eine der 92 Sonderschulen. „Zu viele, sagen Erziehungswissenschaftler, Eltern und Behindertenverbände. Sie fordern mehr Integration“, so die Berliner Zeitung.

Vor allem die mehr als 7 000 Sonderschüler, die einen Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Verhalten oder Sprache attestiert bekommen haben, sollten in die Regelschulen integriert werden. Das fordert die sozialdemokratische Bildungspolitikerin Felicitas Tesch. „Eltern sollen aber prinzipiell weiter die Wahl haben.“ Langfristig soll pro Bezirk mindestens ein Zentrum für die großen Förderschwerpunkte existieren, das auch die Regelschulen berät. Derzeit besuchen in den östlichen Bezirken Schüler viel öfter eine Sonderschule als im Westen.

Kinder mit schwereren Behinderungen sollten ebenfalls häufiger integriert werden als bisher, hofft Linke-Bildungspolitiker Steffen Zillich. Experten könnten sich hier Schwerpunkt-Schulen vorstellen – also Regelschulen, die gezielt eine Behindertengruppe aufnehmen.

Nicht nur an den Grundschulen und künftigen Sekundarschulen müssen Lehrer fortgebildet werden, wird mehr speziell geschultes Personal benötigt. Auch Gymnasien stellen sich auf mehr behinderte Kinder ein. „Es kann nicht sein, dass eine Schulform diese gesellschaftliche Aufgabe negiert“, sagt Wolfgang Harnischfeger, Leiter des Beethoven-Gymnasiums.

Behinderte und nicht behinderte Schüler profitieren nach Ansicht des Berliner Erziehungswissenschaftlers Ulf Preuss-Lausitz gleichermaßen davon, weil sie voneinander lernen und der Unterricht stärker individualisiert sei. „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Kinder in den kleineren Sonderschulklassen mehr lernen.“ Der Bildungsforscher Rainer Lehmann von der Humboldt-Universität ist skeptischer: Nicht für alle behinderten Kinder seien Integrationsklassen ideal. Manche brauchten den „Schonraum Sonderschule“, um Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dass sie dort weniger lernen, sei nach seinen Studien falsch.

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