Besonderes Spielzeug für besondere Kinder – Ableismus beim Spielzeugkauf

Spielzeuge, die speziell für Kinder mit Behinderungen geeignet sein sollen, werden jetzt vermehrt beworben. Was vor allem auffällt, ist die Art und Weise, wie das Spielzeug beworben wird. Warum darin Ableismus aufscheint – ein Kommentar.

Bus mit Spielzeug
pixabay

Vielerorts wird heute mit dem Begriff der Inklusion geworben. Inklusive Zentren, inklusive Ferien, usw. Aber wussten Sie auch, dass es inklusives Spielzeug gibt? Als inklusives Spielzeug bezeichnet man Spielzeug, das speziell auf die Bedürfnisse von behinderten Kindern ausgerichtet sein soll.

Zum Beispiel bietet der Shop Ringelfee sogenanntes adaptiertes Spielzeug an, wie singende und tanzende Plüschtiere, nur dass sie mit einem Taster bedient werden können, ohne dass man auf die Plüschtiere direkt draufdrücken muss.

Ein Beispiel ist der singende Hund Armin. So etwas wie aktive Spielzeuge mit Taster ist ganz praktisch, denn es gibt Kinder, die aufgrund von motorischen Beeinträchtigungen vielleicht nicht so gut auf die Pfote eines Plüschtieres drücken können.

Das Problem ist in diesem Fall auch nicht das Spielzeug an sich, sondern die Art, wie es beworben wird. „Für besondere Kinder“, heißt es auf der Internetseite von Ringelfee. Und hier beginnt aus meiner Sicht das Problem. Bei einigen dieser Shops, die Spielzeuge für Kinder mit Behinderungen vertreiben, wird mit Begriffen wie „besondere Kinder“ gearbeitet.

Ein weiteres Beispiel ist die Webseite des Ariadne Ideenshops. Diese wirbt mit dem Slogan „Geschenkideen für besondere Kinder“. Auch in der Art, wie manche Produkte auf dieser Seite beworben werden, zeigt sich eine gewisse Problematik in der Sprache.

Zum Beispiel wird ein Gegenstand mit dem Namen Lolli-Pop folgendermaßen beworben: „Lolli-Pop ist ein schöner Anhänger vom Kleinkind bis zum Teenager. Auch Jungs und junge Männer tragen Lolli-Pop gern. Das Besondere ist, dass Lolli-Pop an den Rändern dicker ist, was ein zusätzliches sensorisches Erlebnis bedeutet. Robuste Kau-Hilfe für aggressivere Kauer.“ Das erinnert irgendwie an die Werbung für ein Hundespielzeug.

Auf einer anderen Seite mit dem Titel „sinnvoll-geschenkt“ findet man einen ähnlichen Slogan: „Wir führen außergewöhnliches Spielzeug für außergewöhnliche Kinder“. Weiters ist zu lesen: „Kinder, die mit einer Behinderung leben, sind besondere Kinder. Sie suchen nach ganz spezifischen Herausforderungen und Aufgaben. Wir sind auf adaptierte Spielsachen für besondere Kinder spezialisiert.

Die Sprache macht‘s.

Was auffällt ist, dass diese Werbeslogans ständig die Andersartigkeit von Kindern mit Behinderungen betonen. Sie seien besonders und außergewöhnlich und Geschenke für sie zu kaufen, sei besonders sinnvoll und nachhaltig.

Diese Art der Sprache ist eine Form von Ableismus. Das heißt, die nicht behinderten Menschen haben bestimmte Vorstellungen und alles was davon abweicht, ist besonders und andersartig. Doch Kinder mit Behinderungen sind keine besonderen oder einzigartigen Kinder. Es sind Kinder wie alle anderen Kinder auch.

Durch das Herausstreichen, wie besonderes sie angeblich sind, reduziert man sie auf ihre Behinderung. Egal, ob es einem einleuchten mag oder nicht, warum es Spielzeug braucht, das auf Kinder mit Behinderungen ausgerichtet ist, hat man, wenn man für ein solches Spielzeug wirbt, eine Verantwortung und sollte auf die Wortwahl achten.

Zum Abschluss ein kleiner Tipp fürs Schenken: Achten Sie dabei vielleicht nicht so sehr auf die Behinderung, sondern auf die Wunschliste!

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7 Kommentare

  • Hallo!
    Ich habe Ihren Text mit Interesse gelesen! Sie haben recht…die Sprache der Werbung ist, mindestens teilweise, überarbeitungswürdig. Gibt es Foren oder Kontakte zu den „betroffenen“ Firmen? Wie reagieren die Werbemacher auf Ihre Kritik? Vielleicht kann man ja gemeinsam eine gute Sprache finden.
    Birgitta

  • … Bei diesem Kommentar komme ich ins Grübeln…

    Zum einen frage ich mich, braucht man spezielles Spielzeug für behinderte Kinder im allgemeinen Spielzeughandel tatsächlich? Lässt die Kreativität von Eltern und Pädagogen es nicht zu, mit behinderten Kindern (z.B. bei motorischen Beeinträchtigungen) evt. größere und leichter zu bedienende Spielzeuge zu benutzen? Ich denke, das vorhandene „nicht besondere“ Spielzeugsortiment gibt da mehr als genug her– nebst handwerklichen Fähigkeiten!

    Zum zweiten sehe ich ein riesiges Problem mit der Sprache, welchen Spagat sie hier offenbar leisten soll – denn wie soll man denn diese Spielzeuge sonst bewerben, wenn man behinderte Kinder als spezielle Zielgruppe jetzt weder als behindert, eingeschränkt noch als außergewöhnlich oder besonders bezeichnen darf? Wie soll man diese Zielgruppe denn sonst benennen?
    Es ist ein Fakt, dass ein Kind mit einer besonderen Einschränkung/Behinderung eben nicht so ist wie alle anderen Kinder; das meine ich absolut wertfrei.
    Diesen Fakt in der Werbung nun gänzlich verleugnen zu sollen, finde ich unangemessen und unehrlich, sowie man doch gerade diese spezielle Zielgruppe ansprechen will. Um die Besonderheiten geht es ja hier gerade. Leider kam in diesem Kommentarartikel hier kein besserer Vorschlag vor, wie man es denn sprachlich formulieren kann – denn die zitierten Werber haben sich offenbar größte Mühe gegeben, zwar die Besonderheiten herauszustellen, ohne jedoch zu dissen oder zu diskriminieren.
    Meine Frage daher: Wie soll man es denn formulieren??
    Die Sprache in puncto Behinderung und Inklusion verkommt mehr und mehr zu einem Eiertanz und einer Gratwanderung, leider! Locker, frei und inklusiv ist das sicherlich nicht…!

    • Hallo Elke!

      Das ist doch ganz einfach: Wenn man schon eine spezielle Zielgruppe ansprechen möchte dann eben „für behinderte Kinder“. Kinder haben einfach den Wunsch zu spielen, sie sind dadurch weder außergewöhnlich noch besonders.

      Da ist kein Eiertanz von nöten. :-)

  • Das.
    Unter Eltern von Kindern mit Behinderung und deren Nahestehenden sind ableistische Denkkweisen und Formulierungen gefühlt am weitesten verbreitet. Dieser Personenkreis „springt“ oft noch sehr auf diese Sprache an. Die Hilflosigkeit, etwas passendes zu finden ist groß und da wird man dann unter diesen Schlagworten fündig.
    Ich schaue selber gerne auf diesen Seiten da es wirklich oftmals sehr die individuellen Bedürfnisse treffende Dinge gibt.
    Um An- und Zugehörigen ein paar Ideen zu geben was man schenken kann, habe ich zwei Blogbeiträge geschrieben. Anhand der Aufrufzahlen wird deutlich, dass viele Menschen den Bedarf haben etwas sinnvolles zu schenken (btw: lustigerweise kann man an diesen beiden Blogbeiträgen auch gut ablesen wie sich meine eigene Sprache im Laufe der Zeit gewandelt hat ;-)):

    https://dasbewegteleben.wordpress.com/2017/10/01/was-schwnkt-man-einem-schwerbehindertem-kind/

    https://dasbewegteleben.wordpress.com/2021/12/14/was-schenkt-man-einem-kind-mit-komplexer-behinderung-fortsetzung/

  • Hallo! Ein tolles Beispiel durfte ich von Neil Scott (USA) erleben. Sein Ziel war es, Spielzeg zu adaptieren. Dabei unterrichtete er SchülerInnen im Werkunterricht.
    Sie mussten Spielzeug für ein Kind mit Behinderung so adaptieren, dass das Spielzeug in der ursprünglichen Art und Weise des spielens noch nutzbar war.
    Es musste so adaptiert werden, dass es sicher war und das auch miteinander gespielt werden kann.
    Anhand dieser Beispiele lehrte er schon in Schulen Inklusive Design, Elektronik, Mechanik und am wichtigsten, dass jede und jeder die Möglichkeit hat, etwas zu verbessern und zu bewegen.

  • WIE WAHR!
    Ich kann den Begriff auch nicht hören. Kinder sind Kinder, behindert oder nicht.