Diskriminierendes Plakat: Geldschlitze statt Augen

Bewusste Provokation: Blinde Menschen zur Sparbüchse degradiert

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) in Deutschland hatte vor Monaten für eine Plakat-Aktion ein "bewusst provokantes Motiv gewählt" und blinde Menschen zur Sparbüchse degradiert. Nun wurde die Aktion beendet.

Woran es liegt, dass die Spendenkampagne der CBM monatelang kaum Widerstand erregte und nun auf Druck eingestellt wurde, ist schwer erklärbar.

Faktum ist, dass die Christoffel-Blindenmission bewusst das – nun als diskriminierend erkannte – Plakat über einen längeren Zeitraum einsetzte.

Widerstand eines Einzelnen

Der blinde Entwicklungshelfer Norbert Kather erfuhr vom dargestellten Motiv zufällig, wie er in der Radiosendung „Update“ von ohrfunk.de am 2. März 2006 erzählte:

Was ist den das?
SprecherIn: Norbert Kather (Entwicklungshelfer)
Audioquelle: ohrfunk.de/Jens Bertrams

Ich war Anfang Januar in Berlin gewesen und war mit Freunden in der U-Bahn unterwegs. Und während wir auf den Zug warteten erzählte ein Freund: Das ist ein merkwürdiges Plakat. Menschen, die eigentlich schön aussehen, aber mit Geldschlitzen. Was ist den das?

CBM: „Bewusst provokantes Motiv gewählt“

Die Antwort auf die Frage: „Was ist denn das?“ ist schnell erklärt. „Die Augen sind durch Geldschlitze ersetzt worden. Wir wollen so die Wirkungsweise zwischen der Spende hier und der Hilfe vor Ort bewusst provokant darstellen“, erläuterte Martin Georgi, Direktor der Christoffel-Blindenmission, in einer Presseaussendung aus dem Jahr 2003 (!).

Die Kampagne dürfte finanziell sehr erfolgreich gewesen sein und so entschloss sich die Christoffel-Blindenmission wieder eine breit angelegte Kampagne zu starten, wie sie im Dezember 2005 bekannt gab.

Humanistische Union greift Kritik auf

Die Humanistische Union hat die Kritik von Norbert Kather aufgegriffen und ist direkt an die Christoffel-Blindenmission herangetreten.

Das ist geschmacklos
SprecherIn: Franz-Josef Hanke (Humanistische Union Hessen)
Audioquelle: ohrfunk.de/Jens Bertrams

Und viele Leute mit denen ich gesprochen habe, haben gesagt: Das ist geschmacklos, weil man suggeriert, dass Blinde dadurch sozusagen zur Sparbüchse degradiert werden.

Franz-Josef Hanke vermutet im ohrfunk-Interview, dass die CBM „nicht sensibel genug“ ist, weil dort fast keine behinderten Mitarbeiter arbeiten“. Da „werde Spendenwerbung häufig zu einer Mitleidstour“.

Behinderte Menschen wehren sich

Langsam dürfte es der Christoffel-Blindenmission gedämmert haben, dass diese Art der Spendenwerbung nicht mehr akzeptiert wird. Die umstrittene Plakat-Aktion wurde für beendet erklärt. Ein kluger Schritt, um dem geballten Groll, der entstehen könnte zuvorzukommen.

Bekanntlich beschloss der deutsche Presserat – nach einer Kampagne behinderter Menschen – im Vorjahr ein Diskriminierungsverbot von behinderten Menschen und heuer sprach er eine Missbilligung gegen „Die Welt“, wegen eines diskriminierenden Artikels, aus.

Braunreiter: „Der Mensch steht nicht mehr im Vordergrund“

Es bestehe grundsätzlich bei Spendenkampagnen die Gefahr, dass „behinderte Menschen als reine Geldempfänger dargestellt werden“, hält Mag. Michaela Braunreiter von MAIN_Medienarbeit Integrativ in einem BIZEPS-INFO Interview fest und fordert: „Der Zweck darf nicht die Mittel heiligen“.

Man müsse zwar im Kopf haben, für wen man spendet, „aber die Person darf in der Darstellungsform und vom Image her darunter nicht leiden“, so Braunreiter.

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