Bildung durch Gebärdensprache – internationaler Kongress in Saarbrücken

Über "Bildung durch Gebärdensprache" beraten in Saarbrücken zum ersten Mal gemeinsam die Gehörlosenverbände aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Helene Jarmer
GRÜNE

Mehr als 300 Teilnehmer wurden gestern von Rudolf Sailer (Deutscher Gehörlosen-Bund), Roland Hermann (Schweizerischer Gehörlosenbund) und Helene Jarmer (Österreichischer Gehörlosenbund) im Congress Centrum Saar begrüßt. Ihr Ziel ist ein bilinguales Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungskonzept für gehörlose Menschen in den deutschsprachigen Ländern.

In keinem der drei Länder existiert ein flächendeckendes bilinguales Schul- und Ausbildungsangebot für gehörlose Menschen. Bilingual bedeutet Unterricht in der nationalen Gebärdensprache und gesprochener Sprache/Schriftsprache. In den vergangenen 250 Jahren haben die Bildungsangebote für gehörlose Menschen versagt. Nur wenigen gehörlosen Mitbürgern standen die angestrebten Bildungswege offen.

Bisher wurde an Gehörlosenschulen meist auf rein gesprochene Erziehung Wert gelegt, bis hin zu totalem Gebärdensprachverbot. Das Lernen bestand für die Mehrheit der gehörlosen Schüler aus stundenlangem Lippenlesen. Es wurde mehr auf das Sprechenlernen als auf das Vermitteln von Wissen Wert gelegt.

„Die Gebärdensprache ermöglicht barrierefreie Wissensvermittlung“, sagte Helene Jarmer, „denn Lernen darf nicht nur energieraubend und mühsam sein, sondern soll auch motivieren und Spaß machen.“ Für die Grünen kam sie als erste gehörlose Abgeordnete Österreichs ins Parlament, wo sie für eine barrierefreie Kommunikation als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben aktiv ist.

Der Kongress steht im Zeichen der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen unter dem Motto „Lebenslange Bildung und Weiterbildung als Schlüssel zur Teilhabe an der Gesellschaft, am Arbeitsleben und für die persönliche Entwicklung“. Um die schulische und berufliche Situation gehörloser Menschen nachhaltig zu verbessern, fordern die Verbände den konsequenten Einsatz von Gebärdensprache bei allen Bildungsangeboten.

Während des Kongresses wird eine Bestandsaufnahme der Bildungssituation erarbeitet. Verbesserungsansätze sollen entworfen und erste Schritte zu deren Umsetzung initiiert werden. Da die Gehörlosenkulturgemeinschaft bisher stets vom Entwurf neuer Bildungskonzepte ausgeschlossen wurde, bestand für sie keine Möglichkeit, die Ergebnisse zu beeinflussen und eigene Initiativen zu ergreifen. Rudolf Sailer forderte: „Wir erlauben nicht länger, dass die Bildungskonzepte für gehörlose Mitbürger über unsere Köpfe hinweg von anderen beschlossen werden.“

In Deutschland gibt es rund 80.000, in Österreich und der Schweiz jeweils etwa 10.000 gehörlose Menschen. Bis morgen wird über die Frühförderung in Kindertagesstätten, Schulnachhilfe durch gehörlose Mentoren, Coaching für gehörlose Führungskräfte, lebenslanges Lernen, E-Learning, Weiter- und Fortbildung im Arbeitsleben, Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern oder Studienmöglichkeiten für gehörlose Menschen beraten.

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0 Kommentare

  • Ein transnationaler Austausch wie dieser in Saarbrücken bietet sicher viele Möglichkeiten der Vernetzung und Weiterarbeit im GL-Bereich. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass Frau Jarmer die richtige Vertreterin ist, wenn es um bilinguale Bildungskonzepte für GL geht. Denn alleine die Forderung nach „Gebärdensprache für alle“ stellt noch kein Konzept dar. Und ansosnten war Frau Jarmers Programm bislang ja recht inhaltslos. Schade.