Bitte nicht streicheln!

Ich sitze im Zug. Neben mir am Boden liegt Aida, mein Blindenführhund.

Blindenführhund Aida mit Marion Putzer-Schimack
BIZEPS

Plötzlich höre ich von gegenüber: „Ja bist du ein braver Hund, ein ganz ein braver!. Na komm her! Lass dich streicheln!“

Aida, unglaublich glücklich über jede Aufmerksamkeit, ist schon unterwegs.

Bevor ich dazu komme zu protestieren und meinen kontaktfreudigen Hund zurück zu rufen, hat sie bereits den Gang überquert und ist vor lauter Aufregung kaum zu bändigen.

Jetzt gibt es sicher Führhundebesitzer, die sagen: „Das liegt aber am Hundehalter. Er muß seinen Hund so weit unter Kontrolle halten, dass so etwas nicht passiert.“ Wahrscheinlich haben sie sogar recht.

Wir sind ein junges Team

Mit der Kontrolle ist es bei mir und Aida noch so eine Sache. Wir sind ein ganz junges Team, gehen erst seit eineinhalb Monaten miteinander, und manche Situationen sind noch schwierig.

Aida möchte viele Menschen begrüßen. Am liebsten würde sie Küsschen verteilen: im Zug, im Lift, bei der Straßenbahnstation, dem Fahrscheinkontrolleur, dem Obdachlosen am Bahnsteig und dem Fahrgast, der sich gerade hinunterbeugt, um etwas aus seiner Tasche zu nehmen. In den meisten Fällen macht das den Menschen nichts aus.

Jedoch ist nicht jeder begeistert, sich mit einer warmen, feuchten Zunge konfrontiert zu sehen, die alles ableckt, was sie erwischt. Wir arbeiten noch daran, dies in den Griff zu bekommen.

Trotzdem: Ein Blindenführhund, der in einem Führgeschirr an der Seite eines blinden Menschen geht, ist im Dienst. Jede Ablenkung kann mitunter lebensgefährlich sein. Das wissen viele Menschen nicht.

Und ich kann oft nicht rechtzeitig darauf reagieren. Ich sehe ja nicht, wenn eine Kontaktaufnahme stattfindet.

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0 Kommentare

  • @ Marion: Mit persönlicher Assistenz habe ich, bis auf die Tatsache, dass das eher die Ausnahme ist, gute Erfahrungen gemacht. Da kann ich mir die Leute aber auch aussuchen.

    Mit Assistenz ansonsten eher schlechte. Der Job genießt kein hohes Ansehen. Den ergreifen Leute, die nichts finden. Sie zeichnen sich durch Trägheit, Verantwortungslosigkeit und Fahrlässigkeit aus. Da wird auch nicht groß selektiert. Ein blinder Mensch wird nicht glücklich werden mit einem psychisch Kranken, der möglicherweise die Situation schlecht einschätzt und seinen Klienten gefährdet.

    Aus diesem Grund bin ich dagegen, diesen Job durch Maßnahmen wie Arbeitslosenumschulung weiter in Misskredit zu bringen. Frei nach dem Motto: Kann ja eh jeder machen, der Zeit und Herz hat.

  • Bezgl. besserer Bezahlung gebe ich Dir recht. Dann müßte es aber mehr PGE geben.

    Ansonsten:
    Welche Art Assistentn kennst Du denn?
    Du mußt da ja schon unangenehme Erfahrungen gemacht haben.

    Ich kenne nicht allzu biele PAs aber die, die ich kenne, entsprechen nicht dem Bild, wie Du es beschreibst.

  • Es ist tatsächlich so, daß blinde Menschen von der Pflegegeldergängzungsleistung ausgenommen sind und daher persönliche Assistenz nicht in dem Ausmaß in Anspruch nehmen können wie z.B. körperlich beeinträchtigte Menschen (Rollifahrer etc.) Da wird leider zwischen Sinnes- und Körperbehindrungen unterschieden.
    Persönliche Assistenz könnte ich also nur mit dem Pflegegeld bezahlen.
    Einen Assistenten, der rund um die Uhr bei mir ist – wie mein Hund – könnte ich damit nicht bezahlen.

    Und das ist ein weiterer Punkt. Der Hund soll mir helfen unabhängiger zu werden: unabhängiger von menschlichen Hilfeleistungen.
    Im Alltag braucht man sowieso oft genug Unterstützung.

  • @ Leserin: Nein danke. Passiert schon oft genug, dass „arbeitslose“, eigentl. unvermittelbare, süchtige oder psychisch kranke Menschen als Assistenten eingesetzt werden.
    Der Vorschlag wäre eine ziemliche Abwertung des Assistenzberufs. Andernfalls machte es nämlich keinen Sinn. Jeder Mensch könnte ja den Assistenzberuf ergreifen.
    Ich wäre für eine Aufwertung. Es soll nicht jeder Assistent werden können, gut bezahlt werden und geistige und mentale Beeinträchtigungen sollten Ausschließungsgründe sein.

    Wie es heute läuft, ist ein Hund durchaus die bessere Wahl.

  • @ Gloria Petrovic

    Ich denke, dass ist eine einseitige Auslegung meines Beitrags.
    Natürlich sind meiner Meinung nach Tiere als Assistenz in ganz speziellen Situationen geeignet, aber als Begleitung sollte meiner Meinung nach immer der Mensch die erste Wahl sein.

  • @ Leserin

    Das sollte man schon den Menschen mit Behinderung überlassen, welche Art von Assistenz sie möchten. Nicht umsonst steht in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ausdrücklich: „menschliche und tierische Assistenz“. Die Signalhundeführerin, der ihr Signalhund ermöglicht hat, ihren Beruf als Hausbesorgerin weiterzuführen, die Servicehundeführerin im Rolli, die natürlich auch menschliche Assistenten hatte, fand es toll, dass sie nicht jedes Mal, wenn ihr ein Gegenstand hinunterfiel, einen menschlichen Assistenten holen oder auf diesen warten musste. Die vielen Führhundebesitzer, die ich kenne, schätzen es überaus, wenn sie jederzeit unabhängig von irgendwelchen gut oder schlecht gelaunten Menschen hinausgehen können. Für die Menschen mit Epilepsie oder Diabetes, die einen Signalhund einsetzen – soll da der Mensch ersatzweise schnüffeln? Tut mir leid, der Vorschlag ist sicherlich gut gemeint, aber nicht alles, was auch gut gemeint ist, ist auch gut.

  • @Leserin,
    es gibt persönliche Assistenz welche gefördert wird, nur für Menschen die Blind sind, gibt es keine geförderten Assistenten…. ausser Blindenführhunde

  • Es wäre doch überlegenswert nicht Tiere, sondern arbeitslose Menschen für die Begleitung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen einzuschulen – wäre für beide Seiten eine Win-win-Situation.

  • die Dame mit dem Blindenführhund hat wahrscheinlich das selbe Dilemma wie ich mit meinem Assistenzhund- man geht davon aus das ein Hund der mehr als 16 -22tausend euro kostet und eine gewisse Ausbildung hinter sich hat , daher keine zustzl. Ausbildung bzgl. Gehorsam benötigt..tgl. Übung schon, aber nicht Gehorsamstraining.das sollte der Hund dort in der Ausbildung gelernt haben………und den Satz – der Hundebesitzer ist schuld – stimmt meiner Meinung nach nur zum Teil, wenn man bedenkt das sich ein Mensch mit besonderen Bedürfnissen sich ja genau aus dem Grund an einen Verein wendet, viel Geld hinlegt, um einen Hund mit einer gewissen Ausbildung und Gehorsam zu bekommen..weil dieser aus bestimmten Gründen /Beeinträchtigungen die Ausbildung des Hundes nicht selber übernehmen kann, sondern sich drauf verlassen können sollte dies wird bestmöglich vom Verein gemacht….den Satz der Hundebesitzer sei schuld, kann man max. bei „gesunden“Menschen anwenden , die ihre Kräfte , Stimme usw. einsetzen können um den Hund zu erziehen zu können…..

  • Liebe Aida-Führerin, leider sind die lieben Mitmenschen immer noch nicht gescheiter geworden – ich fürchte, sie werden das auch weiterhin nicht. Wir haben in unseren Seminaren für Assistenzhundehalter daher folgende Übung gemacht: Mehrere Menschen haben sich zusammen mit dem Hundeführer in einen Kreis gesetzt und den Hund gelockt, mit allen Mitteln, inklusive Häppchen, nur den Namen des Hundes durften sie nicht sagen. Wenn der Hund zu Ihnen gekommen ist, haben sie sich abgewendet und ihn ignoriert. Nur der Hundeführer hat seinen Namen verwendet und ihn belohnt, wenn er gekommen ist. Wenn man das öfters macht, lernt der Hund, andere Leute sind blöd, nur mein HF ist interessant. Ich hoffe, es hilft auch bei Aida. wwww.reha-dogs.org