Geh deinen eigenen Weg! Aber nicht über die Gleise.

BIZEPS fordert: ÖBB soll diskriminierende Kampagne „Pass auf dich auf“ sofort stoppen

Eine Vielzahl behinderter Menschen hat sich bei BIZEPS beschwert. Diese Werbung ist der ÖBB unwürdig und sollte gestoppt werden.

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Die vor wenigen Wochen gestartete ÖBB-Kampagne „Pass auf dich auf“ erregt vermehrt Unmut. Darin werden Menschen mit Behinderungen zur Abschreckung verwendet, um Jugendlichen die Gefahren auf Bahnhöfen näher zu bringen.

„Grundsätzlich ist jede Kampagne – die gut gemacht ist – wichtig, wenn sie das Bewusstsein zur Vermeidung von unnötigen Gefahren hebt“, so Martin Ladstätter (Obmann vom Behindertenberatungszentrum BIZEPS).

Doch die persönlichen und auch in social media nachlesbaren Reaktionen auf die aktuelle ÖBB-Kampagne zeigen klar: Behinderte Menschen sind irritiert und fühlen sich teilweise auch diskriminiert.

Schon im Jahr 2006 gab es eine ähnliche Kampagne des Verkehrsministeriums („Hier war Alkohol im Spiel“). Exemplarisch nutzte ein Rollstuhlfahrer seine Rechte gemäß dem Behindertengleichstellungsgesetz. Er brachte eine Schlichtung (eine rechtlich normierte Vorstufe einer Klage) ein. Damals gelang umgehend, dass dieses Sujet nicht mehr verwendet wurde, eine Entschuldigung erfolgte und immaterieller Schadenersatz bezahlt wurde.

„Wir erwarten von der ÖBB, dass sie diese diskriminierende Kampagne umgehend stoppt“, so Ladstätter und er führt aus: „2019 noch mit behinderten Menschen schocken zu wollen ist keine sinnvolle Maßnahme der Inklusion, wie sie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vorgibt.“

Es wurde daher eine offizielle Beschwerde beim Österreichischen Werberat eingebracht.

So sieht die ÖBB-Kampagne aus:

Geh deinen eigenen Weg! Aber nicht über die Gleise.
ÖBB
Lass dich nicht aufhalten! Außer von Bahnübergängen.
ÖBB
Hör so laut du willst! Aber nicht am Bahnsteig.
ÖBB
Spiel was du willst! Aber nicht am Bahnhof.
ÖBB

Siehe: ORF-Wien, Presse, Kleine Zeitung, OÖN, Österreich, Salzburg24, ORF-Kärnten, Kurier, DerStandard nochmals DerStandard, Extradienst

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5 Kommentare

  • Die Kampagne zeigt, was passieren kann, wenn man unachtsam ist oder wenn man Dummheiten macht. Nicht behinderte Menschen werden zur Abschreckung eingesetzt, sondern es wird gezeigt, was passieren kann. NIcht mehr und nicht weniger. Und ich finde es gut, wenn da mal klargemacht wird, dass ein einfaches „Ach, ich lauf da mal über die Schienen, weil so cool…“ vielleicht mal überacht wird. Ich hab schon ein paar mal Junge Menschen über die Ketten-Absperrung zwischen den Busspuren an den Terminals cool drüberhüpfen, hängenbleiben und Gesicht voran einschädeln sehen. Knapp vor einem Bus.
    Und ich habe einmal einen Jungen gesehen, dem ein Bus (könnte auch LKW gewesen sein, schon lange her…) über die Beine gefahren ist.
    Zwar nicht Zug, aber trotzdem.

    Hier geht es darum, was passieren kann.

    Außerdem hat die ÖBB ihr Ziel wohl gut erreicht, alle reden darüber. Coole Sache, insofern: Danke Bizeps, ihr habt dazu beigetragen, dass vielleicht weniger Menschen dummheiten machen.

  • Ob die ÖBB da nicht eine Täter-Opfer-Umkehr betreibt? Wie kann es sein, dass in einem angeblichen Rechtsstaat die ÖBB Züge in VOLLEM Tempo durch Bahnhöfe an VÖLLIG ungesichterten Bahnsteigen mit Menschen darauf durchbrausen lassen kann. Wieso wird so etwas nicht als Allgemeingefährdung gewertet?
    Dagegen gehört etwas gemacht! Wenn die mit vollem Tempo durchfahren wollen, dann muss der Bahnsteig mit einem hochklappbaren Gitter oder was auch immer gesichert werden. Es gibt ja auch sonst in vielen Bereichen massive Sicherheitsvorschriften, nur bei der ÖBB nicht?

  • Neben der kuriosen Struwelpeter Pädagogik ist auch bedenklich, dass massive Photoshop-Bearbeitungen nicht also solche gekennzeichnet werden.

  • Sujets mit behinderten Menschen als Abschreckung und Gefahrenwarnung für Fehlverhalten zu verwenden ist geschmacklos und entwürdigend.
    Die ÖBB muss diese Kampagne sofort zurückziehen.