BIZEPS sendet Handlungsempfehlungen an den ORF-Publikumsrat Walter Ablinger

Barrierefrei und inklusiv – so geht es.

ORF-Logo am Küniglberg
Gerhard W. Loub

Am 27. April 2018 wurde bekannt gegeben, wer die Interessen von Menschen mit Behinderungen im ORF-Publikumsrat vertritt. Die Wahl des Behindertensportlers Walter Ablinger sorgte für Diskussionen.

Vor Kurzem trat Ablinger mit der Bitte an BIZEPS heran, unsere Anliegen im Bereich Menschen mit Behinderungen für den ORF-Publikumsrat zu formulieren. Wir sind dieser Aufforderung gerne nachgekommen:

Von Barrierefreiheit bis diskriminierungsfreie Darstellung

Die Empfehlungen richten sich im Wesentlichen auf die Themenbereiche Barrierefreiheit und Darstellung von Menschen mit Behinderungen. Im Bereich der Barrierefreiheit lauten die Empfehlungen wie folgt:

  • Im Bereich der Untertitelung sind durchaus Bemühungen zu sehen, die aber unserer Ansicht nach noch nicht ausreichen. Unser Ziel wäre es, die Untertitelung nicht nur auf einzelne Programme zu beschränken, sondern sie auf 100 % auszubauen. Insbesondere ist zu beachten, dass ORF eins und ORF 2 derzeit rund 70 %, aber beispielsweise ORF 3 nicht einmal 40 % des Programms untertitelt hat. Wir regen an, dass – ähnlich dem Vorbild der BBC oder auch der Angebote in der Schweiz detaillierte Monatsstatistiken pro Kanal veröffentlicht werden.
  • Ebenso wichtig sind Angebote wie akustische Bildbeschreibung. Auch hier ist unserer Meinung nach einiges zu tun. Derzeitige Steigerungen werden anerkannt, aber noch immer werden noch weniger als 10 % des Angebots mit Bildbeschreibung ausgestrahlt; die BBC bietet mehr als doppelt so viel. Es wäre ein umfassenderes Engagement notwendig.
  • Leichte Sprache stellt unseres Erachtens nicht nur einen klaren Mehrwert, sondern auch eine Notwendigkeit in der medialen Landschaft dar. Sie ist nicht nur wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten, sondern nützt auch Menschen, die die Sprache erst erlernen.

Was die Medienpräsenz und die Darstellung von Menschen mit Behinderungen angeht, sehen wir folgenden Verbesserungsbedarf, der auch durch eine entsprechend umfassende Studie belegt ist:

  • Menschen mit Behinderungen sind in der medialen Darstellung immer noch stark unterrepräsentiert.
  • Bei der Art der Darstellung von Menschen mit Behinderungen bedient man sich immer noch häufig Klischees, die zwischen „Superheld“ und „Opfer“ von widrigen Umständen schwanken. Diese Darstellung ist nicht förderlich für die Inklusion, wünschenswert wäre, dass Menschen mit Behinderungen als Teil der Gesellschaft dargestellt werden und dass die Darstellung nicht nur auf die Behinderung fokussiert ist, sondern den Menschen als Ganzes abbildet.
  • Menschen mit Behinderungen sollen auch zu anderen Themen als Behinderung zu Wort kommen. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Empfehlungen des Bundeskanzleramtes.
  • „Licht ins Dunkel“ hat sich von einer reinen Spendenshow hin in Richtung „Aktion Mensch“ weiterzuentwickeln.
  • Die Medienmacherinnen und -macher müssen sich diesbezüglich ihrer Verantwortung bewusst werden. Sprache und Bildmaterial müssen diskriminierungsfrei gestaltet werden. Ein generelles Umdenken in diesem Bereich ist notwendig.
  • Damit die Medienlandschaft inklusiver wird, müssen Menschen mit Behinderungen die Gelegenheit bekommen, diese aktiv mitzugestalten, sprich: journalistische Berufe auf allen Ebenen zu ergreifen.
  • Um ein entsprechendes Themenbewusstsein bei angehenden Journalistinnen und Journalisten zu schaffen, sollte die Darstellung von Menschen mit Behinderungen als Unterrichtsthema in die journalistische Ausbildung miteinfließen.

Bleibt zu hoffen, dass der ORF-Publikumsrat die Handlungsempfehlungen, die ja nicht zum ersten Mal gestellt werden, in seine Arbeit einfließen lässt.

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Ein Kommentar

  • Vielen herzlichen Dank, dass Sie und viele weitere österreichweite Behindertenorganisationen meiner Einladung zur Mitgestaltung und Aufhebung der Barrieren im ORF nachgekommen sind.
    Meine Bemühungen, liegen aktuell in der inhaltlichen Zusammenfassung aller eingebrachten Vorschläge so wie bei der Einbringung und nachhaltigen Bewusstseinsbildung der Themen im ORF Publikumsrat.
    Ihre wertvollen Beiträge bilden die fachliche Grundbasis dafür.

    Sehr dankbar und mit besten Grüßen in die Bundeshauptstadt,
    Ihr Walter Ablinger