16. Woche 2026 – Ungewöhnliches Wegweiserschild zu öffentlichen Toiletten
Dieser Wegweiser zu öffentlichen Toiletten wurde in Malta gesichtet. Vielen Dank unserer Leserin Elisabeth Chlebecek für dieses Foto!
Die Antwort ist schnell gegeben: Ja! Und sogar dringender als manchen lieb ist. Und vor allem ein barrierefreies. Ein Kommentar.
Aber der Reihe nach. Die Wiener Stadtregierung tat 2010 kund, dass Wien eine Stadt der Menschenrechte wird.
Daher wurden 2013 die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Stadt Wien präsentiert und 2014 ein Symposium „Menschenrechte in der Stadt – Eine Stadt für alle“ abgehalten. Schlussendlich wurde auch ein „Menschenrechtsbüro“ vorgeschlagen.
„Das Menschenrechtsbüro ist künftig Motor für die weitere Verbesserung und soll als Anlaufstelle sowohl nach innen wie auch nach außen für die Wienerinnen und Wiener tätig sein“, gab die Stadt Wien bekannt.
Das Menschenrechtsbüro (Neutorgasse 15, 1010 Wien) soll Impulsgeber sein, hieß es. Dann wurde es einige Monate eher still um das Anliegen. Doch rechtzeitig vor der Landtagswahl – nämlich im September 2015 – wurde die Anlaufstelle feierlich eröffnet. Somit konnte der „Dialog mit NGOs und der Zivilgesellschaft“ begonnen werden – auch sind „kleine Veranstaltungen und Ausstellungen“ geplant.
Schon bei der Eröffnung fiel mir allerdings auf, dass es an der Barrierefreiheit mangelt. Ich muss leider sagen, dass dies für Wien sehr typisch ist. Ganz konkret fehlt beispielsweise ein barrierefreies WC im Menschenrechtsbüro.
Im Oktober 2015 machte BIZEPS auf diesen Umstand schriftlich aufmerksam und erhielt – wie passend (!) – am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung – eine schriftliche Reaktion.
Uns wird darin mitgeteilt, dass ein Mitarbeiter der Kompetenzstelle barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen in Wien die Örtlichkeit begutachtet hat. Dieser hält gegenüber dem Menschenrechtsbüro fest: „Da in Ihrem Büro kein Parteienverkehr stattfindet und auch keine mobilitätseingeschränkte MitarbeiterInnen beschäftigt sind, ist keine Dringlichkeit gegeben.“
Besucherinnen und Besucher hat das Büro allerdings schon. Am 10. Dezember wird weltweit der Tag der Menschenrechte begangen. „Zum Gedenken des internationalen Tages der Menschenrechte veranstaltet das Menschenrechtsbüro einen Tag der offenen Tür, zu dem auch Stadtrat Mailath-Pokorny erwartet wird: Besucherinnen und Besucher erhalten einen Einblick in die Arbeit des Menschenrechtsbüros“, ist einer aktuellen Aussendung zu entnehmen.
Und um der Sache noch eines draufzusetzen, ergänzt die Kompetenzstelle barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen in Wien: „Das Objekt ist nach dem Wiener Antidiskriminierungsgesetz 2010 im Etappenplan der MA34 zur Nachrüstung bis 2022 vorgesehen.“
Zuerst zieht die Stadt Wien 2015 mit einem Menschenrechtsbüro in nicht barrierefreie Räumlichkeiten ein. Dann wird behauptet, es gäbe gar keinen Bedarf an Barrierefreiheit und dieses würde ohnehin „bis 2022“ nachgerüstet.
Es wird interessant zu sehen sein, wem dieser Umstand in der Stadt Wien peinlich ist. Wir werden berichten.
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Dieser Wegweiser zu öffentlichen Toiletten wurde in Malta gesichtet. Vielen Dank unserer Leserin Elisabeth Chlebecek für dieses Foto!