Briefkästen der Post: Post für alle?

„Die Post bringt allen was" - den Slogan kennt man und wirklich sind die Dienste der Post auch in einem zunehmend digitaleren Zeitalter kaum wegzudenken. Dass dennoch Hürden der Barrierefreiheit auftreten, zeigten die letzten Jahre.

Abholstation der Post
BIZEPS

Erneuerung bedeutet nicht gleichgesetzt, dass etwas besser wird. Diesen Umstand mussten mehrere Personengruppen schmerzlich kennenlernen, als die Post vor rund drei Jahren begann, Selbstabholstationen baulich umzusetzen, die mittels Barcode am Abholschein funktionieren.

Können die Päckchen oder Briefe zwar theoretisch jederzeit abgeholt werden, hapert es in der Praxis an der Ausführung. Fehlende Leitsysteme zum Monitor, keine Audioausgabe, die blinden Menschen und Menschen mit Sehbehinderung eine Bedienung ermöglichen würde, eine Kästchentür, die sich lautlos irgendwo im Raum öffnet, um den Inhalt preiszugeben – all das sind Umstände, die die Bedienung für viele Personen unmöglich machen.

Der Blinden- und Sehbehindertenverband hatte sich schon zu Beginn mit der Post in Verbindung gesetzt und die Ausführung bemängelt. Verweise auf die Herstellerfirma der Abholsysteme und ausgedehnte Kommunikation mit den Ausführenden stießen zwar auf Verständnis, die neu aufgerüsteten Abholstationen selbst aber blieben weiterhin nicht barrierefrei.

Besonders bedauerlich in der Exekution der Erneuerung ist, dass Behindertenorganisationen und Expert_innenstellen in den Planungsprozess nicht mit eingebunden wurden. Hätte man von Anbeginn an eine Zusammenarbeit angestrebt, die qualifizierte Meinungen und Vorschläge zugelassen hätte, wäre ein teures Nachrüsten und vor allem vieles an Ärgernissen erspart geblieben.

Hoch hinaus

Im April 2018 gab es dann erneut Anlass zum Unmut. Neue Postkästen wurden aufgestellt, allerdings mit einer Briefschlitzhöhe (1,48m!) die nicht für alle Benutzer zu erreichen ist. BIZEPS – Zentrum für selbstbestimmtes Leben, berichtet nun von einem erfreulichen Etappensieg in der Angelegenheit. Im entsprechenden Artikel auf der Homepage der Organisationen ist zu lesen:

„Die Post verpflichtete sich bei sonstiger Exekution, erstens diese Briefkästen bis Jahresende entweder umzugestalten, zu entfernen oder durch barrierefreie zu ersetzen. Zweitens unterlässt sie es, weitere aufzustellen. Drittens verpflichtete sie sich, bei der Evaluierung neuer Postbriefkästen eine Organisation einzubinden, die die Interessen von Menschen mit Behinderungen vertritt“, erklärt Martin Ladstätter, Obmann und Gleichstellungsexperte bei BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben.

Bitte nachfragen

Barrierefreiheit ist ein weites und für viele nicht zu überblickendes Feld. Da „Barrierefreiheit“ aber kein leeres Schlagwort ist, das sich maximal auf Parkplätze für Menschen mit Behinderung vor dem Geschäftseingang oder eine Rollstuhl-Rampe bezieht, sondern viel umfangreicher ausfällt, ist es wichtig, in der Planungsphase für neue Projekte und vor der tatsächlichen (baulichen) Umsetzung, den Kontakt zu Organisationen zu suchen, die sich mit Barrierefreiheit beschäftigen und Expertise zu bieten haben.

Im BSVÖ ist es das Referat für barrierefreies Bauen, das beratend und mit großem Faktenwissen konsultiert werden kann.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.