Buchbesprechung: Hochbegabt – behindert – kaputt integriert

Über das wahre Gesicht geschützter Institutionen von A. Rudolfson

Buchbesprechung: Hochbegabt - behindert - kaputt integriert
BOD

Diese mit der Erinnerung an einen Selbstmordversuch beginnende Autobiographie eines behinderten Mannes aus der Schweiz möchte laut Vorwort so etwas wie ein Appell gegen Sondereinrichtungen sein. Allerdings wird sie diesem Anspruch nicht gerecht.

Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe größte Hochachtung vor dem Protagonisten, der trotz seiner massiven Mobbing-Erfahrungen seine Ausbildung mit großem Erfolg beendet hat und wünsche ihm, dass er bald eine seinen Fähigkeiten entsprechende Tätigkeit findet.

Dies dürfte sehr schwierig sein, da er trotz seiner Hochbegabung schon in der Unterstufe einer Klasse verhaltensauffälliger Schüler zugerechnet wurde und in der Folge in Sondereinrichtungen war. Er konnte aufgrund seiner Verlangsamung nicht die seinen Fähigkeiten entsprechenden Ergebnisse erzielen.

Prägende Erlebnisse

Ich kann auch gut nachvollziehen, dass jemand prägende Erlebnisse aufschreibt, um sie zu verarbeiten, frage mich allerdings, an wen sich dieses Buch richtet. Wenn es zur Verbesserung der Situation in den kritisierten Einrichtungen dienen soll, verstehe ich nicht, was der Liebeskummer des 13-Jährigen darin verloren hat, solche Erfahrungen haben nun wirklich nicht nur Menschen mit Behinderung.

Ich weiß, dass wenn man in der Schülerposition steckt, die jeweiligen Prüfungen und Noten einen ungeheuren Stellenwert einnehmen können. Ich finde es allerdings eigenartig, sie seitenweise aufzuzählen.

Dies denke ich, ist nicht nur für Leserinnen und Leser, die sich im Notensystem und im Aufbau des schweizerischen Sonderschulsystems nicht auskennen, irrelevant.

Nicht jede Benachteiligung, jedes Mobbing ist auf die Behinderung zurückzuführen und nicht jede hat denselben Stellenwert.

Keine Rücksicht im „Integrationsbetrieb“

Will man ein Plädoyer schreiben, ist es meines Erachtens wichtig, sich auf die wesentlichen Punkte zu beschränken. Wenn der Autor schreibt, „gerechtfertigt wurde diese Rücksichtslosigkeit übrigens damit, dass man in der freien Wirtschaft auch keine Rücksicht auf unsere Behinderung nehmen würde.

Wenn aber dieser sogenannte ‚Integrationsbetrieb‘ gar keine Rücksicht auf behinderte Menschen nimmt, beweist er damit nicht seine eigene Überflüssigkeit?“, ist das sehr treffend formuliert. Und auf jeden Fall ein Argument mehr für eine inklusive Gesellschaft, in der auf die Stärken und nicht auf die Schwächen der Einzelnen eingegangen wird.

Solche maßgeblichen Punkte gehen aber in der Schilderung unter, ebenso wie die Kritik des Autors an der Tatsache, dass der Integrationsbetrieb nach Anwesenheitstagen der behinderten Lehrlinge bezahlt wurde, wodurch diese unter Druck gerieten, auch krank zur Arbeit zu gehen. Ich halte es für ganz wesentlich, zwischen persönlicher Erinnerung und Kritik am System zu differenzieren.

Dass große Institutionen Formen der Machtausübung begünstigen und Aussonderung aufgrund bestimmter Merkmale niemandem gut tut, ist nun wirklich keine neue Erkenntnis.

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