Buchtip: Contergan / Thalidomid – Ein Unglück kommt selten allein

Die Katastrophe, die mit dem Wort "Contergan-Skandal" betitelt werden kann, wirft auch heute noch - 41 Jahre danach - zahlreiche unbeantwortete Fragen auf.

Der Mitte der Fünfziger Jahre von der heute noch existierenden Firma Grünenthal in Stolberg bei Aachen entwickelte Wirkstoff Thalidomid bildete die Grundlage für das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan.

Das Medikament kam mit 1. Oktober 1957 rezeptfrei in den deutschen Handel und galt als besonders verträglich, wodurch es auch von schwangeren Frauen bevorzugt eingenommen wurde. Die Werbe- und Beipackzettel verhießen eine angenehme und ungestörte Nachtruhe.

In den folgenden vier Jahren wurden etwa 5000 Kinder mit fehlenden oder deformierten Gliedmaßen, schweren Schäden an inneren Organen und Sinnesorganen, Gesichtslähmungen und Fehlbildungen an den Genitalien geboren. Rund 1500 von ihnen starben bereits im Säuglingsalter.

Trotz immer wieder auftretender Verdachtsmomente, daß der Wirkstoff Thalidomid Verursacher für die Mißbildungen sein könnte, bewarb die Firma Grünenthal das Medikament weiterhin als völlig harmlos und schloß die Vergabe an werdende Mütter ausdrücklich nicht aus.

Erst nach Erscheinen eines Artikels in der Zeitung „Welt am Sonntag“, am 25. November 1961, in dem der Verdacht auf einen direkten Zusammenhang zwischen der Einnahme und dem Auftreten schwerer Mißbildungen geäußert wurde, zog die Herstellerfirma das Medikament aus dem Handel.

Das Entschädigungsverfahren für die „Contergan-Kinder“ begann im Jahr 1961 und endete nach neun Jahren mit einem Vergleich zwischen der Firma Grünenthal und den Eltern. Grünenthal verpflichtete sich zu einer einmaligen Zahlung von 100 Millionen DM unter der Voraussetzung, daß Eltern und Kinder für alle Zeiten auf sämtliche weitere Ansprüche verzichteten.

Bis dato wurden aber noch lange nicht alle Opfer tatsächlich entschädigt. Insbesondere Nichtdeutsche, die aus Mangel an Information die gesetzliche Frist für einen Antrag bei der Stiftung versäumt haben, müssen auf alle Leistungen verzichten.

Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer langen und eingehenden Aufarbeitung des Themas „Contergan“. Die Autorin Catia Monser beschäftigte sich darin intensiv mit der Problematik ihrer eigenen Behinderung, die durch Contergan verursacht wurde, dem Skandal an sich und seinem gesellschaftlichen Umfeld.

Wer das überaus materialreiche, spannende, durch viele Abbildungen und Zeitungsartikel illustrierte Buch gelesen hat, wird möglicherweise den Beipackzettel eines Arzneimittels in Hinkunft genauer studieren.

Die besondere Stärke des Buches liegt in einer tiefen, offenen und keineswegs mitleiderweckenden Auseinandersetzung mit den Ursachen einer Behinderung, die zwar individuell als Schicksalsschlag angesehen werden könnte, die aber gleichzeitig auch zum Symbol für eine unmißverständliche Anklage in Richtung Schuldige und Verantwortliche sein muß.

Erhältlich ist das Buch um ca. 320 Schilling bei der Autorin:

Catia Monser (Deutschland)
Fax: 0049 211 21 51 22

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