Bundesjugendvertretung zur UNBRK-Staatenprüfung: Mehr Priorität für echte Inklusion

BJV fordert mit Integration Tirol inklusive Bildung und mehr politisches Mitspracherecht für junge Menschen mit Behinderung.

Bundesjugendvertretung
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Der Fachausschuss der Vereinten Nationen prüft am 22. und 23. August die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich.

Die Bundesjugendvertretung (BJV) hat gemeinsam mit Integration Tirol im Vorfeld der Staatenprüfung eine Stellungnahme an den UN-Ausschuss übermittelt und fordert darin die seit Jahren ausständigen Verbesserungen für junge Menschen mit Behinderung.

„Österreich hat sich 2008 durch die Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention zum Modell der Inklusion verpflichtet. Von einem inklusiven Bildungssystem oder etwa einem leicht zugänglichen Arbeitsmarkt für junge Menschen mit Behinderung sind wir aber weit entfernt“, kritisiert BJV-Vorsitzende Rihab Toumi.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung am öffentlichen Leben ist in Österreich oft noch begrenzt.

Toumi dazu: „Bildung ist ein Schlüsselfaktor für gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit. Nur ein inklusives Bildungssystem von der Krippe bis zum tertiären Bildungsbereich führt zu größerer Selbstbestimmung.“

Konkret bedeutet das auch den Abbau der Sonderschulen, betont Sonja Tollinger, Vorsitzende von Integration Tirol und selbst Mutter eines Sohnes mit Behinderung: „Wir fordern ein Ende der teuren Zweigleisigkeit: Sonderschulen müssen schrittweise überflüssig werden. Die Abschaffung des Sonderschulsystems entspricht dem Stand der Pädagogik und den verbindlichen Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention.“

Parallel zum inklusiven Bildungssystem müssen aber auch die Möglichkeiten zur politischen Teilhabe ausgebaut werden, damit Kinder und Jugendliche in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mitgestalten können.

„Das politische Mitspracherecht von jungen Menschen mit Behinderung ist aktuell sehr begrenzt. Deshalb haben wir als BJV auch einen eigenen Inklusionsbeirat eingerichtet, um die Lebenswelten junger Menschen mit Behinderung als Interessenvertretung aller Kinder und Jugendlichen noch stärker berücksichtigen zu können“, sagt BJV-Vorsitzender Julian Christian.

Koordinierte und systematische Politik für junge Menschen mit Behinderung notwendig

Weitere Verbesserungen fordern BJV und Integration Tirol auch am Arbeitsmarkt.

„Die erst kürzlich von der Regierung beschlossene Anhebung der verpflichtenden Überprüfung der Arbeitsfähigkeit auf 25 Jahre gibt jungen Menschen mehr Zeit für die Entwicklung ihrer Fähigkeiten, das war ein erster wichtiger Schritt. Jetzt müssen aber barrierefreie Ausbildungs- und Arbeitsplätze sowie der flächendeckende Ausbau von bedürfnisgerechter persönlicher Assistenz als Maßnahmen folgen“, so Christian.

Ansonsten würden wieder viele junge Menschen in geschützten Werkstätten landen und das widerspricht der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, warnt Tollinger: „Die Institutionalisierung von Kindern und Jugendlichen in Sondersystemen schränkt die Möglichkeiten des Übergangs in unabhängige Formen der Lebensführung und die weitere Einbeziehung in die Gemeinschaft deutlich ein.“

„Für die vollumfassende Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Österreich braucht es eine koordinierte und systematische Politik für Kinder und junge Menschen mit Behinderung. Wir appellieren an Bund und Länder, Inklusion ernst zu nehmen, zusammenzuarbeiten und echte Verbesserungen umzusetzen“, so Toumi und Christian abschließend.

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