Bundesstaat Kalifornien ermöglicht endlich Zugang zu Distance Learning für Schüler*innen mit Behinderung

2021 wurde vielen Schüler*innen mit Behinderung, vor allem jenen mit Lernbehinderung, das Selbstständige Lernen im Fernunterricht aufgrund ihrer Behinderung verwehrt.

Jugendliche vor Notebook
Anil sharma auf Pixabay

Im Rahmen einer von der Behindertenanwaltschaft initiierten Schlichtung wurde eine Gesetzesnovelle erlassen, die Schüler*innen mit Behinderung die Teilhabe am virtuellen Unterricht ermöglichen soll.

2021 wurde vielen Schüler*innen mit Behinderung, vor allem jenen mit Lernbehinderung, das selbstständige Lernen im Fernunterricht aufgrund ihrer Behinderung verwehrt. Wenn die Legislative die Novelle ratifiziert, werden die Änderungen für das Schuljahr 2022-2023 wirksam, für den Fall, dass weitere COVID-19 Varianten auftauchen.

Hintergrund der Schlichtung  

Am 21. Juli 2021 wurde ein Gesetz verabschiedet, das selbstständiges Lernen als den einzigen Weg für Schüler*innen vorgab, virtuell am Schuljahr 2021/22 teilzunehmen. So konnte der Frontalunterricht von Eltern und Schüler*innen vermieden werden, die diesen als Gesundheitsrisiko betrachtet haben.

Das Modell des selbstständigen Lernens barg jedoch für Schüler*innen mit einer Lernbehinderung Probleme, weil viele Unterstützung von Erwachsenen benötigten. Das Ergebnis war, dass Schüler*innen mit Behinderung öffentliche Unterstützungen verloren und monatelang in der Schule gefehlt haben.

Am 4. November 2021 wurde eine Notverfügung erlassen, die besagt, dass der Staat Kalifornien den Fernunterricht zunächst für eine Gruppe von 15 Schüler*innen fortsetzen und für Schüler*innen mit Behinderung der Zugang zum Fernunterricht gewährleisten muss.

Am 28. Februar 2022 wurde die Verordnung erweitert, indem eine landesweite einstweilige Verfügung gegen die Umsetzung der diskriminierenden Aspekte des Gesetzes zum unabhängigen Lernen erlassen wurde.

Die Praxis an österreichischen Sonderschulen

Die Sonderschulen waren im ersten Lockdown geschlossen, seit November 2020 waren diese dazu verpflichtet, Präsenzunterricht durchzuführen. Sonderpädagog*innen sahen darin eine Ungleichbehandlung zu anderen Schulen, die Schüler*innen nur bei Bedarf der Eltern aufnehmen müssen und die Möglichkeit zum Distance-Learning haben.

Die Sorge der Eltern vor einer Ansteckung ihrer Kinder war ähnlich hoch wie in Kalifornien, denn die Lehrer*innen und Schüler*innen konnten nicht immer Masken tragen. Die Argumentation gegen den Fernunterricht war, dass dieser für Sonderschüler*innen schwierig und Präsenzunterricht notwendig sei.

Dem konnte von Gewerkschafter Kimberger entgegengehalten werden, dass die Klassen sehr divers sind und es vielen Schüler*innen durchaus möglich wäre, am digitalen Unterricht teilzunehmen.

Änderung der Schulverordnung im Jahr 2021

Der Wortlaut der neuen Schulverordnung war „Bei Sonderschulen kann abweichend von Abs. 1 die Schulleitung oder die Schulbehörde Präsenzunterricht für einzelne Schulstufen, Klassen oder Gruppen oder alle Schülerinnen und Schüler einer Schule anordnen. Schülerinnen und Schüler an diesen Schulen, welche sich aus mit der COVID-19- Pandemie in Zusammenhang stehenden Gründen nicht in der Lage sehen, am Unterricht teilzunehmen, kann die Erlaubnis zum Fernbleiben vom Unterricht aus wichtigen Gründen im Sinne des § 9 Abs. 6 Schulpflichtgesetz 1985 oder § 45 Abs. 4 SchUG erteilt werden“. Die Entscheidung konnte also autonom getroffen werden.

Im November 2020 wurde eine Studie der Universität Graz im Rahmen des Volksschulunterrichts durchgeführt, mit dem Ziel, Anhaltspunkte zu Praktiken, Chancen und Herausforderungen in Hinblick auf die Teilhabe von Schüler*innen mit Behinderung im mediengestützten/digitalen Fernunterricht aus Sicht von Lehrpersonen der Volksschule zu sammeln.

Der Untersuchungszeitraum bezog sich auf die Schulschließung im Frühjahr 2020 und es wurde die Situation an der Volksschule und in den Familien untersucht. Die Kinder waren in der Lage am Onlineunterricht teilzunehmen, wenn das Tool barrierefrei war und sie Unterstützung von den Eltern oder beispielsweise einer Schulassistenz bekommen haben. Der Digitale Unterricht ermöglichte eine Steigerung der Lernmotivation, eine bessere Teilhabe und eine Stärkung der Selbstständigkeit.

Es hat sich auch gezeigt, dass der Masterplan für Digitalisierung auch die Volksschule und Schüler*innen mit Behinderung in den Fokus rücken muss, ebenso wie Weiterbildungen in der inklusiven Medienbildung.

Das war zwar eine Verbesserung, allerdings wäre das Ziel, für alle Kinder eine allgemeine Pflichtschule zu öffnen. Auf diesem Weg könnte man bestehende Fachkompetenzen, die Infrastruktur und das individuelle Lernumfeld für die Kinder erhalten und dem Inhalt der UN-Behindertenrechtskonvention gerecht werden.

Der Umgang mit Schulschließungen und Schüler*innen mit Behinderung seit Beginn der Pandemie ist in beiden Staaten zwar unterschiedlich, allerdings gibt es, wie man sehen konnte, auch einige Parallelen.

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