Clemens Pig zum ORF-Generaldirektor bestellt – Was hat er vor?

Dr. Clemens Pig wurde am 12. Juni 2026 mit einer Mehrheit von 21 Stimmen zum ORF-Generaldirektor bestellt. Seine fünfjährige Funktionsperiode beginnt am 1. Jänner 2027.

ORF-Generaldirektor Clemens Pig
ORF / Thomas Ramstorfer
ORF-Generaldirektor Clemens Pig und Ingrid Thurnher
ORF / Thomas Ramstorfer

Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher, deren Funktionsperiode bis Jahresende 2026 läuft, gratulierte Clemens Pig und kündigte eine enge Zusammenarbeit in der Übergangsphase an.

Auf Pig warten große Herausforderungen – darunter das überraschend zusätzlich vom Bund verordnete ORF-Sparbudget in der Höhe von 92 Millionen Euro. Er sprach bei seiner ersten Rede diese Finanzierungskrise direkt an. Seine Funktionsperiode beginnt am 1. Jänner 2027.

Was Clemens Pig angekündigt hat

Clemens Pig Bewerbungskonzept: Ein ORF, dem Österreich vertraut
Clemens Pig

DerStandard veröffentlichte die Konzepte der einzelnen Kandidat:innen. Wir haben uns diese genau angesehen.

Das vorgelegte Konzept ‚Ein ORF, dem Österreich vertraut‘ von Clemens Pig definiert Barrierefreiheit nicht als nachträgliches Extra, sondern als grundlegenden Produktstandard für alle digitalen Angebote des ORF.

Personen mit Behinderungen werden dabei systematisch sowohl in der Belegschaft als auch im Programm berücksichtigt, was über verbindliche Zielquoten und einen dreijährigen Inklusionsplan gesteuert werden soll.

Um diese Ziele im Alltag zu erreichen, setzt die Strategie auf gezielte Budgetpriorisierung sowie den unterstützenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Funktionen wie automatischen Untertiteln und der barrierefreien Erschließung des Archivs.

Hier einige Auszüge aus seinem Konzept zum Thema Barrierefreiheit:

Strategische Ausrichtung, Budget und Produktstandards

  • „Barrierefreiheit & UX | Digitale Zugänge barrierefrei, verständlich & mobil nutzbar machen; Accessibility nicht als Zusatz, sondern als Produktstandard führen“ (S. 51)
  • „Unterti­tel, Audiodeskription, verständliche Navigation, Kontraste, stabile Streams und einfache Sprache dürfen nicht am Ende eines Projekts hinzugefügt werden. Sie gehören in die Produktdefinition.“ (S. 72)
  • „Publizistische Kernleistung, digitale Nutzbarkeit, Barrierefreiheit, Datenkompetenz & österreichische Produktion vor Besitzstand schützen“ (S. 49)
  • „Wenn der ORF digital stärker wer­den soll, müssen Investitionen in digitale Produkte, Daten, KI, Barriere­freiheit, junge Zielgruppen und technische Stabilität sichtbar steigen.“ (S. 121)
  • „Zugang wird zu einem Qualitätsmerkmal. Ein öffentlich finanzierter ORF muss auf unterschiedlichen Geräten, für unterschied­liche Altersgruppen und für Menschen mit Einschränkungen verlässlich nutzbar sein.“ (S. 77)

Vielfalt, Repräsentanz und Beschäftigung

  • „Pluralität, Diversity & Barrierefreiheit | Frauen, Generationen, Bundesländer, Menschen mit Behinderungen, Migrationserfahrung & soziale Her­kunft in Belegschaft, Programm & Zugang systema­tisch abbilden“ (S. 50)
  • „Der Plan braucht daher quantifizierte Zielgrößen: […] eine bessere Repräsentanz von Menschen mit Behinderungen und Migrationsgeschichte, deutlich ausgebaute Barrierefreiheit sowie ein Monitoring diverser Expertinnen, Gäste, Autorinnen, Regie- und Pro­duktionsteams.“ (S. 103)
  • „Im ersten Jahr steht der ehrliche Status im Vordergrund: Diversity Audit, freiwillige und anonymisierte Daten, Programmanalyse, Befragung zu Unternehmenskultur und Diskriminierungserfahrungen, Überprü­fung der Recruiting- und Besetzungsverfahren. Im zweiten Jahr folgt die sichtbare Umsetzung: Mentoring, Talent­programme, barrierefreie Arbeitsplätze, Redaktionsleitfaden, Expert:in­nen-Datenbank, Publikumspanels und verbindliche Zielvereinbarungen für Führungskräfte.“ (S. 102)

Rechtliche Grundlagen und Governance

  • „Behindertengleichstellungsgesetz und Barrierefreiheitsgesetz als öster­reichische Umsetzung des European Accessibility Act; DSGVO für freiwillige und anonymisierte Diversitätsdaten sowie die UN-Behinder­tenrechtskonvention. Daraus folgt kein bloßes Bekenntnis, sondern ein messbarer Führungsauftrag.“ (S. 103)
  • „Diversity Council mit Redaktion, Produktion, Technik, HR, Landesstudios, Betriebsrat, Accessibility, Audience und Recht“ (S. 105)
  • „Regelmäßige Panels mit Jugend, Seniorinnen, Minderhei­ten, Menschen mit Behinderungen, ländlichen Räumen & Community-Partnern | Dialog wird zur Qualitätskontrolle“ (S. 105)

Technologie, Künstliche Intelligenz und Archiv

  • „KI-Infrastruktur […] Wofür sie gebraucht wird: Barrierefreiheit | Untertitel, Audiodeskription, einfache Sprache, Zugänglichkeit | Öffentlich-rechtl. Leitplanke: Zugang als Public Value“ (S. 111)
  • „KI kann danach im Downstream helfen und wertschöpfend wirken: bei Metadaten, Suche, Übersetzung, Untertitelung, Personalisierung, Ausspielung, Archivöff­nung und Barrierefreiheit.“ (S. 73)
  • „Jahrzehnte österreichischer Ton- und Bildgeschichte können durch KI besser erschlossen werden: Tran­skripte, Themen, Personen, Orte, Ereignisse, Sprachfassungen, Untertitel, barrierefreie Zugänge.“ (S. 73)

Zielbild und Ausblick (Alltag 2031)

  • „Für ihn bedeutet Digitalisierung nicht, dass sein ORF verschwindet. Sie bedeutet, dass der ORF zugängli­cher wird: bessere Untertitel, klare Navigation, stabile Streams, verständ­liche Erklärungen und ein Service, der ältere Nutzerinnen und Nutzer nicht als Auslaufmodell behandelt.“ (S. 125)
  • „Ergänzend sollte es einen digitalen Fortschrittsmonitor geben: Ent­wicklung von ORF ON, Nutzung junger Zielgruppen, Barrierefreiheit, regionale digitale Nutzung, Korrekturpraxis […]“ (S. 128)

Siehe: ORF, DerStandard

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