Damit möglichst viele E-Books barrierefrei werden

Dieses Werkzeug sollte in keiner E-Book-Schmiede fehlen!

Mann mit einem E-Book Reader
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Die DZB (Deutsche Zentralbücherei für Blinde) feiert heuer ihr 125-jähriges Bestehen. Grund genug zum Feiern und das Louis Braille Festival in Leipzig anzusiedeln, aber auch zukunftweisende Arbeitsschwerpunkte zu setzen.

„Deutsches Zentrum für barrierefreies Lesen zu werden, macht mich im Grunde genommen sehr stolz“, sagt der Leiter der DZB, Dr. Thomas Kahlisch, in einem Interview auf der CD „Radio DZB 2019“, welche vor kurzem mit der Post hier ankam.

Seit vielen Jahren bietet die DZB Hörbücher im barrierefreien Daisy-Format und natürlich auch in Braille-Schrift an.

Auch E-Books können inzwischen von blinden Lesern am Computer oder Smartphone genutzt werden. Allerdings ist das Gros der E-Book-Neuerscheinungen der Verlage nicht barrierefrei, wissen die Buch- und Lese-Experten der Leipziger Einrichtung zu berichten.

Ein wichtiger Bestandteil der neuersten Aktivitäten zum Leseschwerpunkt ist daher ein Checktool, das allen, vor allem Verlagen, online zur Verfügung steht, um E-Books auf Barrierefreiheit zu testen.

Prüfwerkzeuge BACC

BACC steht für born accessible content checker und zeigt, ähnlich wie andere Prüfwerkzeuge für Barrierefreiheit, das Ergebnis als Ampelschema in rot, orange/gelb und grün an. Wobei grün bedeutet: „Glückwunsch! Das E-Book erfüllt alle automatisiert prüfbaren Regeln“.

Aufgezeigte Fehler im E-Book werden in einem Report kommentiert, der heruntergeladen werden kann. Das Regelwerk zur Erstellung barrierefreier E-Books ist auf der Seite ebenfalls verfügbar.

Laut Thomas Kahlisch reagieren die Verlage durchaus positiv auf BACC, fehlte doch bisher ein solches Testwerkzeug für E-Books. Das Wissen um die barrierefreie Gestaltung elektronischer Bücher wurde nun in das Prüf-Tool implementiert und steht kostenlos allen Interessierten zur Verfügung.

Licht und Schatten

Es ist erfreulich, dass es nun neben vielen anderen Prüfwerkzeugen auch eines für die Erstellung von barrierefreien E-Books gibt. Der Markt dafür ist zweifellos vorhanden. Wer bereit ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen — und Verlage sollten das eigentlich schon von Gesetzes wegen tun — dürfte im Regelwerk und den ausgegebenen Prüfberichten ausreichend Hinweise erhalten, um ein E-Book annähernd barrierefrei zu gestalten.

Auf der Webseite von BACC wird mehrfach darauf hingewiesen, dass sich nicht alle Anforderungen automatisiert prüfen lassen. BACC ersetzt also keineswegs das erforderliche Wissen zur Erzeugung eines barrierefreien E-Books.

Auch bei „grünem Licht“ kann sich noch so mancher Stolperstein verbergen. Als Beispiel sei hier die Anforderung nach Bildbeschreibungen genannt. Der Punkt ist theoretisch erfüllt, wenn eine Beschreibung vorhanden ist.

Deren Sinnhaftigkeit kann aber nicht automatisiert geprüft werden. So ist der Prüfpunkt auch dann erfüllt, wenn alle Bilder mit „Bild“ beschriftet wären; die Barriere ist damit aber keinesfalls beseitigt.

Tests

Ich habe rein zu Testzwecken E-Books aus unterschiedlichen Programmen zur Erstellung von E-Books getestet und keines der E-Books genügt den Anforderungen der Barrierefreiheit.

Bei einem dieser Bücher ließ sich mit meinen Mitteln der Generator nicht ermitteln. Die anderen stammten aus Pages (für Mac), Pandoc (Windows), Indesign und Sigil (für Windows).

Aus diesem ernüchterndem Ergebnis lässt sich eine weitere Schwierigkeit ablesen: Ähnlich wie bei der Erstellung barrierefreier PDFs sind offenbar die verfügbaren Werkzeuge zur Erstellung bereits mit Mängeln behaftet. Hier ist also genauso manuelle Nacharbeit erforderlich wie bei der Erstellung von PDFs.

Erfreulich ist jedenfalls, dass die Mitarbeiter der DZB den E-Book-Checker BACC nicht nur anbieten, sondern Verlagsmitarbeiter auch in der Bedienung schulen und — noch wichtiger! — auch erklären, wie die aufgezeigten Mängel behoben werden können.

Vielleicht sollte man diese Schulung auch auf die Entwickler von Software zur Erzeugung von E-Books ausdehnen, um künftig die Barrieren prophylaktisch und nicht therapeutisch beseitigen zu können.

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2 Kommentare

  • Ein eBook-Format ist im Wesentlichen ein Container für Webtechnologien, also HTML und CSS. Diese barrierefrei zu erstellen ist wesentlich einfacher als PDFs barrierefrei zu gestalten. Und wie die Autorin selber schreibt, können solche Tools immer nur Behelfe sein, dass heißt, auch Dokumente, wie laut dem Prüftool rot sind können barrierefrei sein oder problemlos genutzt werden können.

  • Adobes hauseigener epub reader macht mir das Lesen nicht gerade einfach. Vom Kopierschutz befreit und im Browser geöffnet hilft bei Romanen mit einfacher Struktur meistens, wissenschaftliche Literatur bleibt aber weiterhin unzugänglich.