Das barrierefreie „Inklusions-Lebkuchen-Haus“

Advent einmal anders. Gedanken zum ersten Advent-Sonntag.

Das barrierefreie „Inklusions-Lebkuchen-Haus“
Marianne Karner

Gute Gelegenheit, sich zu fragen, ob man seine heurigen Weihnachtskekse wieder von Mama oder Oma geschenkt bekommen oder ob man die letzte Packung gerade noch am 24. Dezember vor Ladenschluss im Supermarkt ergattern wird. Oder: Ob man nach langer Zeit wieder einmal selbst den Kochlöffel schwingt und alles ganz anders macht.

Auf die Frage einer meiner Persönlichen Assistentinnen, „ob ich in diesem Jahr vielleicht Weihnachtskekse backen werde“, antwortete ich klipp und klar: Nein. „Oder vielleicht ein Lebkuchenhaus?“ Auch hier fiel meine Antwort – vorerst – negativ aus. Dann kam mir ein Gedanke: „Außer, es ist ein barrierefreies Lebkuchenhaus.“ Diese Idee ging mir fortan nicht mehr aus dem Kopf.

Paradigmenwechsel meets Lebkuchenhaus

Das klassische Lebkuchenhaus der „bösen“ Hexe mit den „armen“ Kindern, die sich verlaufen haben, und die typische Architektur (ebenerdiges kleines Haus mit schrägem Dach) schieden für mich schnell aus. Ein Wohnhaus für Menschen soll es werden. Junge und alte Menschen, mit buntem Kultur- und Weltanschauungshintergrund, mit und ohne Behinderung.

Ein modernes, mehrstöckiges Haus mit Wohnungen, die nicht nur bunt besetzt, sondern selbstverständlich auch barrierefrei gestaltet sind. Ein „barrierefreies Inklusions-Lebkuchen-Haus“ also. Und als „weihnachtlichen Touch“ eine Schneedecke, die sich über die Außenanlagen, gelegt hat.

Das Haus soll am abgeflachten Dach über eine Come-Together-Zone verfügen. Vielleicht auch zum gemeinsamen Punschtrinken und Maroniessen für die neuen Mieter und Mieterinnen?

Denn diese warten schon – in meinem Fall die Legocity-Bewohner, die seit Juni 2016 zum ersten Mal auch mit einer behinderten Legofigur (Rollstuhlfahrer) bereichert wurden. BIZEPS hat darüber kurz berichtet.

Sorgfältiges Planen ist das Um und Auf

Um Zeit zu sparen, habe ich den bereits gebackenen Lebkuchen vorab gekauft und dann die vorhandenen Teile nach meinen Vorstellungen zurechtgeschnitten. Die Haustüre sollte geöffnet und über eine Rampe erreichbar sein. Das ließ sich relativ einfach und schnell verwirklichen.

Rampe ins barrierefreie „Inklusions-Lebkuchen-Haus“
Marianne Karner

Aufpassen musste ich beim Zusammenkleben der einzelnen Hausteile. Meine Assistentin hatte bereits Lebkuchenhaus-Erfahrung und einen ihrer Tipps, dass es auf die richtige Mischung zwischen Staubzucker und Eiklar ankommt (dieser Kleber darf nicht zu dünnflüssig werden), möchte ich gerne weitergeben.

Weiters müssen die Eier kalt aus dem Kühlschrank kommen. Im zu trennendem Eiklar darf es keine Dotterrückstände geben. Mixen in einer – absolut fettfreien – Glas- oder Edelstahlschüssel.

Bunte Vielfalt und Inklusion sollten sich nach meinen Vorstellungen auch in den Verzierungen des Lebkuchen-Hauses wiederspiegeln. Das Lebkuchenhaus habe ich dann auf ein Backblech gestellt und die freien Flächen schließlich noch mit normaler Watte abgedeckt. Ein paar ausgeschnittene Tannenbäume aus Karton wurden noch schnell in den Garten gesetzt und dann standen die neuen Bewohner und Bewohnerinnen schon vor der Türe.

Inklusion und Barrierefreiheit machen Spaß und schmecken!

Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Es hat Spaß gemacht und war eine lustige Abwechslung. Ein spielerischer Zugang zum Thema Inklusion, der auch für Kinder bzw. im Kindergarten interessant und geeignet sein kann.

Gemeinsam etwas planen, bauen und umsetzen. Sich mit Barrieren und der Beseitigung dieser auseinandersetzen. Lernen, gemeinsam zu leben und Zukunft zu gestalten. Und schließlich feststellen, dass das barrierefreie Inklusions-Lebkuchen-Haus allen etwas bringt, und zwar auch das gemeinsame kulinarische Genießen im Rahmen einer vorweihnachtlichen Adventsjause.

Das vorgestellte Lebkuchenhaus kann natürlich sowohl baulich als auch von den Bewohnern und Bewohnerinnen her beliebig gestaltet und erweitert werden. So könnte z.B. ein Außenlift angebaut und der Garten mit Bänken und einem Spielplatz ausgestattet werden. Und warum eigentlich nur ein einzelnes Haus?

Es könnte doch ein kleines Dorf oder ein Grätzel in der Stadt simuliert werden? Und eines ist sicher: Für kleine Architekten und Architektinnen, die barrierefreie inklusive Häuser aus Lebkuchen (oder was auch immer) bauen und die hoffentlich auch mit behinderten und nichtbehinderten Kindern gemeinsam aufwachsen, wird Inklusion etwas Selbstverständliches sein. Und „böse Hexen“, Ghettos, Ausgrenzung und Barrieren etwas total Steinzeitliches.

Das barrierefreie „Inklusions-Lebkuchen-Haus“
Marianne Karner
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Ein Kommentar

  • Nette Idee und schöne Aussichten!