Theater - für alle?

Das Schauspielhaus Wien öffnet seine Türen für sehbehinderte und blinde Menschen

Am 26. April 2005 startet das Schauspielhaus Wien ein ambitioniertes Pilotprojekt.

Ab April 2005 sollen in Kooperation mit der Arbeitsgruppe für Sonder- und Heilpädagogik am Institut für Bildungswissenschaft an der Universität Wien, dem Bundes-Blindenerziehungsinstitut (BBI) und dem Verein Blickkontakt jene Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen, Theatervorstellungen des Schauspielhauses auch ohne visuelle Eindrücke mit größtmöglicher Intensität zu erleben.

Die Gestaltung des Rahmenprogramms wird gemeinsam mit blinden & sehbehinderten ExpertInnen entwickelt.

Walter Schorn ist Assistent der künstlerischen Leitung des Schauspielhauses Wien und Projektverantwortlicher: „Am Dienstag, dem 26.4.2005, haben blinde & sehbehinderte TheaterbesucherInnen im Rahmen einer Vorstellung von „Das Schloss“ zum ersten Mal die Möglichkeit, eine Theatervorstellung mit einem auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Rahmenprogramm zu erleben.“

Jedem blinden oder sehbehinderten Besucher wird bei Bedarf ein Student der Sonder- und Heilpädagogik als Pate zur Verfügung gestellt. Die Besucher werden um 18.45 Uhr von ihren Paten auf dem Bahnsteig der U2 Haltestelle Schottentor-Universität persönlich abgeholt und bis zu Ihrem Sitz im Theatersaal begleitet (cirka 5 bis 10 Gehminuten von der U-Bahn bis zum Theater). Vor Beginn der Aufführung besteht die Möglichkeit, Bühne, Requisiten und Kostüme zu besichtigen und die SchauspielerInnen und MusikerInnen persönlich kennen zu lernen. Im Rahmen einer allgemeinen Einführung werden die Gäste mit der Erzählstruktur und dem Handlungsablauf vertraut gemacht. Für Interessierte sind die wichtigsten Informationen über „Das Schloss“ auch schon im Vorfeld auf der blindenfreundlichen Website des Schauspielhauses unter www.schauspielhaus.at abrufbar.

Dazu Walter Schorn: „Für die Vorstellung am 26. April, die als Pilotprojekt und erster Testlauf zu verstehen ist, steht nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen für blinde und sehbehinderte Besucher zur Verfügung. Zum einen gibt es bei der Produktion „Das Schloss“ auf Grund der unkonventionellen Bühnensituation nur sehr wenig Sitzplätze (circa 60). Zum anderen wollen wir jedem einzelnen blinden und sehbehinderten Besucher eine optimale Betreuung sowie ein spannendes und schönes Theatererlebnis gewährleisten.“

Einziger Wermutstropfen dabei ist noch, dass die Mitnahme von Blindenführhunden in den Theatersaal leider nicht möglich ist.

Walter Schorn: „Da dem Wiener Schauspielhaus die ständige Weiterentwicklung seines Konzeptes und besonders die Bedürfnisse von blinden und sehbehinderten Theaterbesuchern wichtig sind, würden wir uns im Anschluss an die Vorstellung über ein persönliches Feedback in angenehmer Runde sehr freuen.“

Das Schauspielhaus und alle am Projekt Beteiligten freuen sich auf das Kommen sehbehinderter und blinder Theaterinteressierter.

Der Kartenpreis beträgt für alle Besucher einheitlich 16 Euro für sehbehinderte und blinde Besucher inkl. Betreuung & Einführung. Die Reservierung der Plätze erfolgt nach Eingangsdatum Ihrer Anmeldung. Für weitere Informationen und Ihre Reservierungswünsche steht Ihnen unter den folgenden Kontaktmöglichkeiten Frau Simona Thalhamer gerne zur Verfügung: E-Mail: simona.thalhamer@gmx.at; Telefon: 0676 / 66 11 867.

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0 Kommentare

  • Für die 1. Vorstellung wurde mir ein Platz und die Abholung vom Wohnort tel. lediglich versprochen, jetzt eine Teilnahme mit Blindenführhund per e-mail. Möglich, daß es jetzt klappt.

  • Ich gratuliere dem Schauspielhaus zu dem ambitionierten Projekt. Wenn Herr Schorn sagt, dies sei ein „Testlauf“, dann gibt das Grund zur Hoffnung aus Fehlern zu lernen.

    Ein großer Fehler ist schon bekannt. Es ist eine Diskriminierung, wenn man die Mitnahme von Blindenführhunde verbietet. Dieser Umstand wird und kann nicht akzeptiert werden. Man wird überlegen müssen, ob man dagegen nicht Schritte einleitet, um einen rechtskonformen und diskriminierungsfreien Zustand sicherzustellen.

  • ist eine bemerkenswerte aktion. viel spaß und erfolg für diese aufführung. weiter so!!!!!

  • Sehr geehrte Frau DI. Petrovic!

    Natürlich hat Blickkontakt gegenüber den Projektbetreibern vehement darauf hingewiesen, dass das Blindenführhundeverbot eine Diskriminierung für sehbehinderte und blinde Menschen darstellt und darauf gedrungen, dass diese Position des Schauspielhaus dringend zu überdenken und zu revidieren wäre. Da Blickkontakt aber lediglich hinsichtlich des erforderlichen Know-Hows zu möglichen Adaptierungsmaßnahmen konsultiert wurde und nicht selbst Projektbetreiber ist, obliegt die Verantwortung für die derzeitige Entscheidung, die Mitnahme von Blindenführhunden ins Schauspielhaus zu untersagen, allein dem Schauspielhaus als Projektbetreiber.

  • Nachdem das Projekt zusammen mit Blickkontakt entstanden ist, vestehe ich nicht, dass diese Vereinigung mit einer solchen Diskriminierung einverstanden. Die erste und leider verstorbene Vorsitzende (Dr. Wundsam) war eine engagierte Führhundehalterin,die sich gegen Diskriminierung auf diesem Gebiet erfolgreich gewehrt hat. Schon vergessen???

  • Dass der Blindenführhund nicht mitgenommen werden darf, ist eine schwere Diskriminierung und stellt eine Verletzung des Wiener Veranstaltungsstättengesetzes dar.

  • Es ist sehr schade, dass bei einem solchen ambitionierten Projekt eines umfassenden Service für sehbehinderte und blinde Theaterfans, ein Blindenführhundeverbot aufrecht erhalten bleibt; und das, obwohl Blindenführhunde in andere Kulturstätten – z.B. Burgtheater, Konzerthaus – schon seit einigen Jahren hinein dürfen. Mit diesem Blindenführhundeverbot wird eine nicht unerhebliche Gruppe Theaterinteressierter wieder von dem Service des Kunsthauses ausgeschlossen und damit diskriminiert. Das gehört überdacht und korrigiert!!!