Der besitzanzeigende Assistent

Was mein ist und was dein ist, das weiß ich. Ein Bericht.

Tafel Schokolade
jackmac34 auf Pixabay

Das weiß ich schon seit frühesten Kindestagen, als ich nämlich mit meiner Schwester um ein goldenes Geschenksband stritt. Und das war nicht einmal ein Streit, sondern ein Kampf im wahrsten Sinn des Wortes.

Ich zog mir dabei eine tiefe Schnittwunde an meinem Zeigefinger zu, deren Narbe noch immer, nach 50 jahren, sichtbar ist.

Alles gehört allen?

Man lernt die Mein-Dein-Geschichte aber mitunter auch schon früher. Denn, ein Nachmittag in der Sandkiste findet oftmals sein Ende mit Tränen und Protest, weil man den eigenen kleinen Sandeimer unter dutzenden identischen Sandeimern nicht findet.

Es kann natürlich sein, dass Paul keine Geschwister hat und auch nie mit anderen Kindern in der Sandkiste spielte. Oder aber, es legten gewisse Sandkisten-Erlebnisse damals den Grundstein für ein „Alles gehört Allen“- Denken!? Jedenfalls zieht folgendes Erlebnis mit Paul einige Fragezeichen mit sich.

Paul und die Milka-Schokolade

Die Einkaufslisten anderer Menschen erweisen sich immer als spannend. Ist alles genau aufgeschrieben? Werden Abkürzungen verwendet, wie zum Beispiel “Papitatü“ für Papiertaschentücher oder „Klopap“ für Klopapier? Oder sind nur die wichtigsten Dinge aufgeschrieben?

Ich gehe davon aus, dass Paul alles, was er für mich einkaufen soll, genau aufschreibt, um nichts zu vergessen oder gar falsch einzukaufen. Mit der Tatsache jedoch, dass Paul mehr einkauft, als er aufgeschrieben hat, damit hat man nicht gerechnet! So wie neulich.

Die Milka-Schokolade stand nicht auf der Einkaufsliste, dafür aber auf dem Kassabon! Nun gut, es gab schon lange keine Schokolade im Haus, sie wird mir schmecken …

Dein und mein

Bis hierher dachte ich noch, was ich bezahle, gehört mir auch. Doch die nächsten Minuten vermittelten mir einen merkwürdigen Zugang zu diversen Besitzverhältnissen. Paul setzt sich mit der Schokolade zu mir an den Küchentisch und beginnt selbstbewusst Stück für Stück davon zu essen.

Aha … Hmm … Ich sehe noch einmal auf den Kassabon und als Paul mich fragt, ob ich denn auch ein Stück von der Schokolade will, fängt bei mir jedes Prinzip von Besitz zu wackeln an. Habe ich etwas missverstanden im Leben? Ich, meiner, mir, mich und du, deiner, dir, dich!

Vielleicht sollte Paul ein paar Sandkasten-Mein-Dein-Erfahrungen nachholen, um beim nächsten Mal die Schokolade von meinem Geld für mich kaufen zu können und nicht für sich.

Alles gehört nämlich noch lang nicht allen. Und die Schokolade gehört mir, weil ich sie bezahlt habe. Alles klar, Paul?

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20 Kommentare

  • Komplett dreist sowas! Auch wenn es nur eine Tafel Schokolade ist!

    lieben gruß von einer mein-besitz-geschädigten.

  • Ich bin über die Reaktionen hier teilweise noch empörter, als über die Dreistigkeit des Assistenten! Ich bin selbst als persönliche Assistentin tätig und immer wieder fassungslos, wie respektlos und unverschämt Kollegen sein können.

    Dass man solche Vorfälle mit Humor darzustellen versucht ist doch nicht verwerflich – und wahrscheinlich auch die einzige Möglichkeit, unbeteiligte auf diese Problematik aufmerksam zu machen.

    Die Arbeit in der persönlichen Assistenz wird überdurchschnittlich gut bezahlt und dient eigentlich dem Zweck, dem Assistenznehmer zu seinem Recht auf Selbstbestimmung zu verhelfen.

    Aber leider auch hier, ganz im Geiste der Zeit, wird nicht derjenige „verurteilt“, der sich nicht korrekt verhält, sondern derjenige, der dieses Problem offen legt – zum Heulen!

    Leute, denkt bitte nach bevor ihr urteilt – und versucht euch einfach mal in die Lage zu versetzen, permanenet auf Hilfe angewiesen zu sein und viele Grenzüberschreitungen ertragen zu müssen.

    Und ganz wichtig: Dass es eine ganz besondere Hürde darstellt, die Person zu kritisieren, auf deren Hilfe man angewiesen, oder ihr gar vollkommen ausgeliefert ist, sollte sich doch jeder halbwegs empathische Mensch vorstellen können.

    @Gabriela Obermeir: Ich hoffe, dass es zumindest ein Wenig tröstet, solche Vorkommnisse auf diese Weise nieder zu schreiben – denn ähnliches wird leider immer wieder vorkommen…

  • Wenn ich manche Kommentare lese und was der Autorin so alles unterstellt wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Bei keinem anderen Arbeitgeber wäre sowas eine Diskussion wert: In die Kasse gegriffen => fristlose Kündigung. Auch wenn es nur ein paar Cent sind. Ohne Wenn und Aber! Wie soll ich denn jemandem meine Gesundheit, meinen Körper und im Zweifelsfall mein Leben anvertrauen, wenn ich ihm nicht mal mein Geld anvertrauen kann? Ich teile die verdutzte, leicht belustigte aber vor allem befremdete Reaktion der Autorin vollkommen.

  • Um etwaige Missverständnisse auszuräumen, sei erklärt, dass in allen meinen Assistenzgeschichten die Namen Paul und Paula als Synonym verwendet werden.

  • @Autorin: Da sind wir in der Tat anders!

    Sollte die Aussage, das noch nicht über Geld gesprochen wurde faktisch korrekt gewesen sein liegt das Versäumnis aus meiner Sicht eindeutig beim Arbeitgeber!
    Man kann nicht einfach etwas voraussetzen. Bei Microsoft beispielsweise bekommen die Mitarbeiter seit über 30 Jahre sämtliche alkoholfreien Getränke vom Arbeitgeber spendiert. Bei einem steirischen Handwerksbetrieb immerhin Mineralwasser.
    Übrigens ist Geld so ziemlich das Erste worüber ich mit meinen Assistenten rede! Schließlich ist das ja in den meisten Fällen der Hauptgrund warum man einen Job antritt und der Hauptfaktor der über dessen Attraktivität entscheidet.

    • @Blindwurm

      Sie verstehen diese Geschichte nicht und bekommen sie völlig in die falsche Kehle. Das tut mir leid, für Sie.
      Natürlich wird auch über Geld gesprochen. Vor allem über den Verdienst!! Ich erkläre aber nicht extra, dass nur eingekauft werden soll mit meinem Geld, was ich auch eingekauft haben will. Ich setze als Selbstverständlichkeit voraus, das private Geld vom Arbeitgeber nicht einfach für sich zu verwenden.

      Was ist hier so schwer zu verstehen? Jetzt bekomme ich bald Kopfweh vom vielen Kopf schütteln!

    • @Blindwurm: du glaubst, dass es bei Microsoft ok wäre, wenn ein Mitarbeiter von einem ihm anvertrauten Firmen-Budget Privateinkäufe tätigt? Oder in Ordnung für den steirischen Handwerksbetrieb, wenn Mitarbeiter Druckerpapier und Bleistifte mitgehen lassen?

      Wenn ein AG Getränke, Obst oder sonstige Annehmlichkeiten stellt, wird das genauso kommuniziert: „Das ist für alle Mitarbeiter*innen“. Die Initiative geht in solchen Fällen vom AG aus. Das bedeutet dann trotzdem nicht, dass sich alle am Eigentum aller bedienen dürfen. Wer Chef oder Kollegen Schoki klaut, fliegt. Auch bei Microsoft.

      Und wenn ich zehn Schokitorten auf den Tisch stelle für alle Assistent*innen und eine*r greift mir in den Geldbeutel, um sich Schoki zu kaufen, fliegt er ebenfalls. Es gibt schlicht keinen Zusammenhang zwischen dem, was ich an Verpflegung bereitstelle und Diebstahl resp. Veruntreuung.

  • @Sandra
    Natürlich habe ich ihn gekündigt, aber um das geht es doch gar nicht!
    Es tut mir leid, dass Sie den Text nur so verstehen können, als wäre es von mir eine böse Absicht. Sie irren sich! Schenkelklopfer war es überhaupt nicht. Überdenken Sie bitte Ihre rigorosen Anschuldigungen!

    • @ Gabriala Obermeir: Ich kann den Text nicht anders verstehen, tut mir leid.
      Die Kündigung hingegen finde ich absolut gerechtfertigt, hoffentlich auch eine Sachverhaltsdarstellung an den Verein, falls Sie ihn nicht persönlich angestellt haben, damit keine weiteren AssistenznehmerInnen geschädigt werden können.
      Denn Ehrlichkeit und Korrektheit wird genau dort wichtig, wo es einem nicht auffällt, wie bei Blindwurm, der das Unrecht nicht einmal registriert hätte.

  • Eine interessante Erfahrung, ich kenne eher das Gegenteil, dass der gute Geist mich nicht mal ein Joghurt zahlen lässt
    was mich interessieren, würde wie hast Du es Paul erklärt

    • @Thomas Kovacs
      Ich sagte ihm, dass mir das nicht gefällt. Seine Antwort war: „Über Geld haben wir noch nicht gesprochen!“ Daraufhin habe ich ihn gekündigt.

  • Ich staune immer wieder zu welch ausführlichen Reaktionen Bagatellen führen können.
    Der Preis für eine Tafel Schokolade ist so niedrig, das ich so etwas nicht einmal registriert hätte.
    So lange meine Assistentinnen immer pünktlich sind und in Notfällen auf Abruf bereit stehen ist mir das komplett egal!

    • Bei Geld bin ich schon sehr genau und starre auf Centbeträge, während ich, so abgelenkt, um große Scheine erleichtert werde.

      Scherz bei Seite.

      Über mich und mein Eigentum soll bitte nicht einfach verfügt werden. Jeder kann selbst entscheiden, wer wie weit verfügen darf. Schön, dass du da so offen bist. Ich bin es ja auch, wenn man mich vorher fragt, auch bei Centbeträgen.
      Die Schokolade gehörte ihr, er muss eine Nachträgliche Zustimmung für den Spontantkauf einholen und sie fragen, ob er etwas davon haben kann. So viel an guter Kinderstube erwarte ich schon.

      Allerdings, die gute Kinderstube vermisse ich auch bei der Verfasserin. Solche skurrilen Stories erzählt man im Vollrausch im Freundeskreis, da klingt das lustig. Sollten solche Spontankäufe zum Problem werden, muss das Arbeitsverhältnis aufgelöst werden.

      Auf keinen Fall gehört sowas ins Internet, für Jedermann offen zur Schau gestellt, dazu auf eine sich darüber lustigmachende, leicht überhebliche und belehrende Weise.

    • oh nein strenge Rechnung gute Freunde da gibts keine Bagatellen
      aber ich zahl gern mal eine Schokolade oder ein Eis
      jedenfalls die Abrechnung muß bis auf den Cent stimmen

    • @Alle
      Essen und Trinken für die Assistenten ist bei mir kein Thema. Niemand muss hungern oder dursten bei mir. Ich teile gerne. Was ich nicht mag ist die Selbstverständlichkeiten mit der Paul meine Schokolade gegessen hat ohne mich zu informieren oder zu fragen. Mir geht es auch nicht ums Geld, sondern ums Prinzip. Auch handelt es sich bei diesen Vorfall nicht um Diskriminierung, sondern um Unwissenheit über das Besitz-Prinzip in unserer Gesellschaft. Allen gehört alles gibt’s nicht im Kapitalismus.
      @Sandra
      Natürlich kann man solche Texte ins Internet stellen! Alle meine Texte sind auf Google Docs, also im Web. Warum sollte man das nicht tun? Meine Kinderstube ist gut genug, um zu wissen, dass man sich nicht einfach fremde Sachen ohne zu fragen nimmt!

    • @ Gabriela Obermeir: Können kann man das schon. Ich zweifle auch nicht daran, dass Sie wissen, was Mein und Dein ist, bei sich selbst jedenfalls.
      Ich zweifle allerdings an der Güte Ihrer Motive und bin so frei, Ihnen böse Absichten zu unterstellen. Damit wären die Kosten der Schokolade mehr als Gedeckt, sie haben gelacht, sich besser gefühlt und erhabener. Wissen Sie, wie viel Sie das alles ohne der Tafel Schokiolade gekostet hätte? Schon eine Kabarettkarte für den Schenkelklopfer wäre viel mehr wert.

      Ich hoffe, Sie haben ihn auf den Artikel aufmerksam gemacht und er hat es mit Humor genommen. Meine Reaktion wäre eine Kündigung, Ich wäre da ziemlich humorbehindert, denn wer mit meinen Schwächen so umginge, hätte bei mir nichts zu suchen, auch wenn er/sie hoffentlich meinen Namen verändert hätte.

    • Es stört Sie nicht, wenn der Assistent, den Sie für jeden Handgriff bezahlen, Ihr Geld verwendet um für sich etwas zu kaufen? Hm … ich bin anders.

  • @Freidenker
    Der Text ist weder eine Darstellung von Unfähigkeit, noch eine Darstellung von Diskriminierung seitens des Assistenten.
    Es geht auch nicht um die Reaktion darauf.
    Es geht nur um die Darstellung eines skurrilen Erlebnisses mit Persönlicher Assistenz, die vielleicht die Eine oder den Anderen zum Schmunzeln anregt.

  • Seltsamer Assistent.
    Und?
    Seltsame ArbeitnehmerInnen kommen vor.
    Sie haben ihn zudem doch selbst ausgesucht.
    Und Sie könnten ihn in einem freien Land auch wieder loswerden.

    Aber ist sicher kein Hinweis auf die eigene Unfähigkeit, zwischenmenschliche Probleme zu lösen, sondern eine strukturelle Diskriminierung durch Assistenten. Wirklich gut, dass dieses Tabu mal thematisiert wird.

    • „Diskriminierung“ kann auch zum Fetisch werden das ist keine Diskriminierung sondern eine Gedankenlosigkeit