Der Gipfel der Menschenverachtung

Schockierende AfD Anfrage zum Thema „Behinderung“

Flagge Deutschland
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Die kleine Anfrage einiger Abgeordneter der deutschen Partei „Alternative für Deutschland“, kurz AfD, vom 22. März 2018 an den Deutschen Bundestag zum Thema „Menschen mit Behinderung“ sorgt für große Empörung.

In dieser Anfrage stellen die Abgeordneten Nicole Höchst, Franziska Gminder, Jürgen Pohl und Verena Hartmann ganz ungeniert einen Zusammenhang zwischen Behinderung, Inzucht und Migrationshintergrund her.

Konkret heißt es in der Anfrage: Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt, insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen.“

Oder an anderer Stelle liest man: „Wie viele der in der Bundesrepublik lebenden Schwerbehinderten (bitte hier alle Arten von Behinderungen zusammenfassen) besitzen keine deutsche Staatsbürgerschaft  (bitte aufschlüsseln nach Jahren seit 2012)?“

Erschütternd menschenverachtend und völlig inakzeptabel

Das sind Worte, mit denen die Anfrage der AfD und das dahinterstehende Gedankengut kommentiert werden. Sozialexperte Peter Weiß von der Union (CDU) bezeichnet die Fragestellung in ZEIT Online als „komplett menschenverachtend“.

„Es ist erschütternd und völlig inakzeptabel, dass in einer Anfrage im Deutschen Bundestag erkennbar im Subtext vermittelt wird: Die Zunahme von Behinderung ist ein gesellschaftliches Übel“, meint Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates in einer Stellungnahme gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Die benutzten Formulierungen bewegen sich bewusst an der Grenze des rechtsextremistischen Vokabulars, so Dabrock weiter.

Schärfer formuliert es ein Tweet der Politikerin Maria Klein-Schmeink (Die Grünen): Wer sieht nicht den Zusammenhang zum Gedankengut vom ‚unwerten Leben‘ der Nazis?“

Auch Martin Danner, Bundesgeschäftsführer der BAG SELBSTHILFE, bezeichnet die Verknüpfung von Inzucht, Migrationshintergrund und Behinderung als empörend und völlig inakzeptabel. Diese Anfrage erinnere an Gedankengut aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.

AfD Politiker verteidigt die Anfrage

Die beteiligten Abgeordneten gaben bisher keine Stellungnahme ab, berichtet die VICE. Der Kreissprecher der AfD Frankfurt, Andreas Lobenstein, verteidigt die Anfrage. Die Argumentation zur Verteidigung ist wiederum eine Ansammlung von menschenverachtenden Vorurteilen.

Er begründet die Verknüpfung von Migrationshintergrund und Behinderung gegenüber der Frankfurter Rundschau damit, dass in manchen Kulturkreisen eine größere Häufigkeit von Ehen innerhalb einer Kernfamilie, eines Clans oder einer Sippe anzutreffen sei.

Ob das mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Geburten von behinderten Kindern einhergeht, könne er nicht einschätzen. Hierzu seien nähere wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse einzuholen. Zudem, so fügt er hinzu, halte er die Aufschlüsselung von gesellschaftlichen Gruppen nach Merkmalen oder Religionszugehörigkeit, Schulbildung oder Berufsabschlüssen „immer für relevant.“

Bleibt nur zu hoffen, dass diese Anfrage auch von Seiten der deutschen Bundesregierung bald eine deutliche Antwort erhält, die ausdrückt, dass solch eine Denkweise in der Gesellschaft fehl am Platz ist.

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4 Kommentare

  • Ich kann ehrlich gesagt die etwas künstliche Empörung nicht nachvollziehen – dass durch Inzest eine Zunahme an Behinderungen entsteht, ist eine unbestrittene Tatsache – um das festzustellen, hätte es jedoch keiner Einwanderung bedurft, sondern nur ein Blick in die Geschichte der Familie Habsburg;-)
    Genauso würde ja keiner bestreiten, dass Behinderungen etwa durch radioaktive Verseuchung eines Gebietes zunehmen. Dass hier seitens der AFD ein Kostenfaktor gesehen wird, dessen man sich entledigen sollte, ist die eigentliche Problematik. Das erheben von Statistiken allein ist jedoch noch kein Verbrechen und schon gar keine Widerbetätigung!
    Man sollte sich aber vielmehr fragen, warum die Regierung ihre Antowrt in einem nicht durchsuchbaren PDF quasi nicht-zugänglich macht, hier liegt nämlich die tatsächliche Problematik: in der permanenten Diskriminierung im Alltag, und nicht in Scheindebatten, die immer von gleicher Stelle ausgelöst und von ebenso gleicher Stelle bekämpft wird, dies steht uns eher im Weg.

  • Zunächst danke für den Antwort die interessant ist, leider aber nicht barrierefrei. Der Großte Teil ist nicht als „Text“ im PDF abgelegt sondern als Bild. Somit müssen blinde, sehbehinderte oder evtl. auch andere Menschen, die mit geschriebenenm Text bzw. Bilder Probleme haben die Datei erst mal mit einer Texterkennungssoftware zugänglich machen.
    Die Entwicklungen kann man sicher sachlich diskutieren, aber mich würde doch eher interessieren, was denn die Beweggründe hinter diesen Fragen steckt. Doch nicht ein gewachsenes Maß an Interesse für Behinderte Menschen. Man bekommt den Eindruck, dass man eher versucht einen Zusammenhang zwischen nichtwertem Leben, Einwanderern und vielleicht Kosten herzustellen.

  • Hier die Antwort der Bundesregierung: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/016/1901623.pdf Sachliche Antwort. Mehr nicht.

    • So gehört es sich auch.