Der modebewusste Assistent

In den heutigen Modevorschriften ist alles erlaubt.

2 unterschiedlich große schwarze Stifel
Gabriela Obermeir

Man kann sogar sagen, dass es gar keine Vorschriften gibt. Ich denke da zum Beispiel an den “bauchfreien” Trend! Egal wer bauchfrei trägt, Hauptsache ist eben bauchfrei. Realität und Wunschvorstellung über das Aussehen stehen hier oftmals in einem sehr fragwürdigen Verhältnis.

Aber auch zwei verschiedene Socken sind in, beziehungsweise man schaut gar nicht hin. Zu meiner Zeit, in jungem Alter, gab es weitaus strengere Modevorschriften. Das Tragen von Rot und Blau, zum Beispiel, war ein absolutes „No Go“ und wurde durch strenge und prüfende Blicke zum Martyrium.

Heutzutage gibt es wohl auch Grenzen zwischen hübsch und nicht hübsch, nur die gesellschaftliche Akzeptanz ist um vieles größer geworden als damals. Wie Paul die Modewelt vor eine kleine Herausforderung stellt, sei hier erzählt.

Ausflug vor die Anstalt

Paul soll mir während eines winterlichen Spitalaufenthaltes, die Stiefel aus meiner Wohnung bringen. Er kennt diese Stiefel nur zu gut. Sie erhielten von ihm sogar schon starke Bewunderung, als ich sie bei Schneelage ohne Socken trug und dabei keine kalten Füße bekam.

Billige Moon Boots, die ihren Dienst schon längst aufgeben könnten, es aber nicht tun. Bei der nächsten Gelegenheit kommt Paul mit den Stiefeln in einer Tasche ins Spital. Die Tasche wandert in den Spint. So weit so gut. Noch werden sie nicht gebraucht.

Jedoch am nächsten Tag will ich an die “frische” Luft. Nicht in die weihnachtliche Wiener Winterlandschaft. Nein, nur vor die Anstalt zum Haupteingang. Denn, weiter weg ist es ohnehin nicht erlaubt. Ich sitze schon fertig eingepackt, mit Schal und Haube im Rollstuhl und Paula holt die Tasche mit den Stiefeln.

“Du Gabi, da stimmt was nicht!”

Lacht Paula und stellt die Stiefel vor mich hin. Mein Blick täuscht nicht. Das war kein Stiefel-Paar! Da steht ein Stiefel, der seinen Dienst schon längst aufgeben könnte, es aber nicht tut und ein zweiter, viel kürzerer, neuwertiger Stiefel.

Beide sind schwarz. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, die sie haben! Während der eine Stiefel fast bis zu den Knien reicht, ausgelatscht ist und Schmutz aufweist, ist der andere ohne Gebrauchsspuren und reicht nur etwa bis zur Wade.

Gewiss, heutzutage sind auch zwei verschieden hohe Stiefel erlaubt. Aber beide sind noch dazu für den rechten Fuß! Da hat Paul wohl mitgemacht, aber nicht mitgedacht!

Wo kein Licht ist

Nach seinen folgenden Erklärungen war kein Licht in der Garderobe und er konnte beim Einpacken nichts Genaues sehen! Okay, das kann ich verstehen. Wo kein Licht ist, sieht man nichts. Logisch …

Also, nichts mit frischer Luft an diesem Tag. Ich stellte das vermeintliche Stiefel-Paar vor mein Krankenbett, jedoch nicht ohne dabei auf Paul zu vergessen! Am nächsten Morgen, als er seinen Dienst antrat, stellte ich ihm, mit unermesslicher Spannung auf die Antwort, folgende Fragen:

“Paul, betrachte die Stiefel genau. Wo liegt der Fehler? Oder ist das jetzt modern?“

Übrigens: Die Modevorschriften in Spitalsanstalten beschränken sich auf hellblaue Nachthemden. Alles darüber hinaus, wie ungleiche Stiefel, sind maximal ein „Hingucker“.

Nachtrag:

Dieser Tage stöberte ich in den Briefen meiner Mutter aus längst vergangenen Zeiten. Folgender Absatz beschäftigt mich seither:

„Ui, du schlimmes Kind! Du hast mir zwei verschiedene Stiefel geschickt! Zwar sind beide schwarz, aber sonst haben sie nichts gemein! Soll ich jetzt mit verschieden hohen Stiefeln rumlaufen? Ui, du schlimmes Kind!” (1983)

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4 Kommentare

  • Es geht jedem so letztes sagte mir die Heimhilfe beim Wäsche einschlichten
    „aber das sind 2 verschiedene Socken“ ich „Wieso sind beide schwarz“
    ich trage fast nur schwarze Socken

  • @Paul
    Beim zweiten Mal lesen ihres Kommentares, finde ich ihn mehr merkwürdig und provokant, als nett.
    Ich werde den Verdacht nicht los, dass immer dieselbe Person unter meinen Texten kommentiert, aber mit wechselnden Namen!
    Ich glaube, dass Sie, Paul, auch Sandra und Blindwurm sind und ich glaube, ich weiß auch wer hinter diesen Namen steckt … Kommentieren Sie nur weiterhin meine Texte, wenn es ihnen Spaß macht, nur für dumm sollten Sie mich nicht verkaufen! Alles klar, Paul? 😉

  • Liebe Gabriela,

    wir kennen uns nicht, aber ich bin auch ein Paul und hab schon viel Erfahrung in persönlicher Assistenz.

    Ich finde deine Geschichten sehr amüsant und ich finde es ganz toll, du bist die beste Chefin, die man haben kann.

    Paul kann wirklich nichts dafür, wenn es kein Licht gibt. Außerdem wer merkt sich auch, welches Accessoire zusammengehört.

    Das wäre zu viel verlangt und ich und meine Kollegen sagen das auch immer beim ersten Dienst: ich mach die Arbeit wie ich es für richtig finde. Wem es nicht passt, kann es selber machen oder ich drehe mich um und gehe.

    Bei dir und Paul scheint die Chemie auch zustimmen. Mir ist Chemie sehr wichtig, ich mag es nicht, wenn ich kritisiert werde.

    Außerdem sind wir persönliche Assistenz, wie sind keine professionellen Ankleider, Köche oder sonst was. Außerdem werden wir nicht zum denken bezahlt. Da müsste schon ein Stundenlohn eines Projektmanagers drin sein. Aber das wäre mir eh zu stressig. Bin mit meinem Hungerlohn als Assistent zufrieden, wenn die Work-Life-Balance stimmt:
    Genug Zeit zum telefonieren und WhatsApp und das nicht ein Drama darum gemacht wird, warum ich das Geschirr erst 5 min vor Dienstende mache. Stress ist Scheiße und der nächste Dienst kann das ja auch erledigen.

    Hab übrigens bei einem PA Dienstleister meinen Traumjob gefunden. Ich suche mir meine Kunden und über mir gibt’s keinen der mir dreinreden kann.

    Ganz liebe Grüße dir und deinem Paul.

    • Grüß dich, Paul!

      Vielen Dank für deinen netten Kommentar!
      Ich weiß nicht, ob ich die beste Chefin bin.
      Das würde ich nie von mir behaupten!
      Aber eines weiß ich, jeder Fehler ist menschlich!
      Und Menschlichkeit ist mein oberstes Lebensprinzip!
      Viel Spaß weiterhin in deinem Traumjob!

      Liebe Grüße
      Gabriela