Der Railjet wird ab 2026 doppelstöckig

Die ÖBB nehmen ab 2026 ihre eigenen, doppelstöckigen Fernverkehrszüge in Betrieb. BIZEPS konnte sich den Zug bereits ansehen. Ein Bericht.

Neuer Doppelstock Railjet in rot. Ansicht von schräg vorne am Bahnsteig.
BIZEPS

Durch den Ausbau der Südstrecke und die Eröffnung des Koralmtunnels für die Verbindung Graz und Klagenfurt ab 15. Dezember 2025 werden bei den ÖBB mehr Züge benötigt. Insgesamt 14 Züge des Typs Stadler KISS, auch bekannt als Railjet 3. Generation, werden ab 2026 bis 2027 in Betrieb genommen. Diese werden bis zur Fertigstellung des Semmering-Basistunnels auf der Weststrecke zum Einsatz kommen.

Die als Doppelstockzüge ausgeführten Fahrzeuge werden hauptsächlich auf Fernverkehrsstrecken mit vielen Stopps eingesetzt werden, wo sie trotz geringerer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, gegenüber der bisher von Railjets bekannten 230 km/h, durch die schnellere Beschleunigung den bisherigen Fahrplan einhalten können.

Besichtigung des Zuges

BIZEPS konnte den Zug am 25. November 2025 am Wiener Westbahnhof besichtigen. Hier ein paar Impressionen:

An den Eingängen gibt es bei den Türen automatisch ausfahrende Spaltüberbrückungen bei 55 cm hohen Bahnsteigen (die Standardhöhe in Österreich).

Stufenloser Eingang mit automatischem Schiebetritt in den neuen ÖBB Doppelstock Railjet.
BIZEPS

Der Bereich mit den Rollstuhlplätzen ist von zwei Seiten aus erreichbar. Der Eingangsbereich auf der einen Seite sieht so aus:

Eingangsbereich mit viel Platz, Blick von Innen in Richtung Türen. Links 3 Klappsitze.
BIZEPS

Von diesem Eingangsbereich ist zuerst direkt das Universal-WC zugänglich. Wie bei Doppelstockzügen in Österreich leider häufig der Fall, ist es beengter als bei einstöckigen Zügen. Links daneben ist der Durchgang zu den Rollstuhlplätzen. Ganz links im Bild, an der Wand befestigt, ist noch die mobile Rampe für andere Bahnsteighöhen zu sehen.

Blick ins Universal WC, links der Durchgang in Richtung Rollstuhlplätze.
BIZEPS

Der Rollstuhlplätzebereich

Dieser Zug verfügt über 2 Rollstuhlplätze. Dass dies angesichts der höheren Fahrgastkapazität dieses Zuges recht wenig ist, haben wir schon oft mit den ÖBB diskutiert. In zukünftigen Zügen soll es wieder mehr Rollstuhlplätze geben, wurde uns mitgeteilt. Pro Rollstuhlplatz gibt es gegenüberliegend zwei Sitzplätze. Die Sitze sind eher hart, die Verstellknöpfe der Sitzschräge sind mittig unter dem Sitz angebracht und laut Berichten von anderen anwesenden Personen nur mit einigem Kraftaufwand bedienbar. Fahrgäste, die sich zum Aufstehen an den Armlehnen an der Wandseite anhalten möchten, tun sich schwer, da nicht ausreichend Platz für die Finger zwischen Armlehne und Wand vorhanden ist.

2 hintereinander angeordnete Rollstuhlplätze mit je 2 gegenüber angeordneten Sitzen.
BIZEPS

Die Sonnenrollos sind wie schon bekannt mit einer Stange zu schließen und zu öffnen. Diese Stange ist allerdings schwer greifbar für Menschen mit geringer Feinmotorik in den Fingern und das Rollo geht sehr streng zu öffnen. Hier wäre eine elektrische Bedienung wünschenswert. Es gibt einen Tisch, der allerdings aufgrund des darunterliegenden Kabelkanals leider nicht mittig im Rollstuhl angefahren werden kann, wodurch die nutzbare Fläche recht schmal ist.

Der Tisch im Vordergrund, im Hintergrund ein Mann im Rollstuhl. Der Tisch ragt nur etwa bis zu seiner Körpermitte heraus, er ist also seitlich zu kurz.
BIZEPS

Es gibt ausklappbare Elemente, um den Tisch breiter zu machen. Für Menschen mit Einschränkungen in der Feinmotorik sind diese aber schwer selbstständig auszuklappen. Unter dem Tisch gibt es auf der Rollstuhlplatzseite einen Knopf zur Höhenverstellung. Er muss herausgezogen werden, dann kann der Tisch durch Heben oder nach unten Drücken der Tischplatte in der Höhe verstellt werden. Nicht nur aufgrund des Kraftbedarfs, auch bedingt durch die Position, ist diese Lösung nicht gut und für viele nicht eigenständig nutzbar.

Knopf unter dem Tisch mit Pfeilen nach oben und unten die die Höhenverstellungsmöglichkeit zeigen sollen.
BIZEPS
Bedienpanel, Rufknopf gehörlos, Glücke, Servicerufknopf und ganz unten die Steckkdose.
BIZEPS

Seitlich beim Rollstuhlplatz, an der Fensterwand, gibt es ein Bedienpanel mit Notrufsprechstelle, Serviceanforderungsknopf und eine 230V Steckdose mit sowohl USB-A als auch USB-C Steckplätzen. Leider sind die Knöpfe sehr weit unten angebracht, sodass eine Nutzung zum Teil erschwert wird. Eine Anbringung nebeneinander wäre für alle besser erreichbar.

Da es bei diesem Zug nur Snackautomaten gibt, die nicht barrierefrei ereichbar sind, können Snacks über den blauen Serviceknopf beim/bei der Zugbegleiter:in oder einer/m Gastromitarbeiter:in zum Platz bestellt werden. Es wird auch möglich sein, bargeldlos zu bezahlen.

Weitere Beobachtungen

Von den Rollstuhlplätzen führt der Weg zum zweiten Eingangsbereich des Waggons am Gepäckfach vorbei. Dort ist eine Kurve zu fahren, da das Gepäckfach in den Türbereich ragt. Es geht leicht bergauf und anschließend folgt eine kleine Stufe als Türschwelle. Nicht optimal.

Die Sitzplatznummern sind auch gut für sehbehinderte und blinde Menschen erkennbar und ertastbar. Die Sitzplatzreservierungen leider nicht, da sich sehbehinderte Menschen nicht an sie annähern können, weil diese über den Sitzen an den Außenwänden positioniert sind.

Die Snackautomaten sind auch für sehbehinderte und blinde Menschen leider nicht nutzbar. So lange es keine barrierefreien Automaten gibt, sollte es zumindest auch einen Servicerufknopf geben, um Hilfe herbeirufen zu können.

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  • Marlene Fuhrmann-Ehn , Antworten

    16.12.2025, 18:42

    Gibt es außer den Rollstuhlplätzen auch Plätze fūr Menschen mit Gehilfen? Wo stellt man zB. einen Walker ab (engl. Begriff fūr Rollator) ohne dass er am Gang stehen muss oder auf der Kofferablage liegen muss,
    wo ich dann nicht hinkomne

    • Markus Ladstätter

      16.12.2025, 19:20

      Am ehesten noch auf dem Platz, den man auf den Bildern leider nur ansatzweiße sieht links neben der Toilette. Es ist ein Einzelsitz. Explitz gedacht dafür vorgesehen ist es aber meines Wissens nach nicht.

  • Klaudia Karoliny , Antworten

    16.12.2025, 11:31

    Vielleicht hätten die ÖBB vorher fragen sollen … Schade, wieder für Generationen umfassende Barrierefreiheit verpasst.
    Danke Markus aber für den Bericht.

    Es ist leider auch bei der neuen Westbahn nicht alles glänzend gelungen.

    Ich freue mich schon, bei den ÖBB endlich einmal selbstständig einsteigen zu können!

  • Michael Bauer , Antworten

    15.12.2025, 15:13

    Was für ein toller Zug, umso mehr ist es schade, dass seitens der ÖBB, bereits in der Planung, in nicht ausreichenden Maße, die Bedürfnisse ihrer Fahrgäste mit Behinderungen berücksichtigt wurden.

    Danke Markus Ladstätter, für den tollen Bericht!

  • Walter , Antworten

    15.12.2025, 14:52

    Herzlichen Dank für den ausführlichen Bericht!
    LG Walter

  • Ewald Feyerer , Antworten

    15.12.2025, 10:40

    Da hat man wohl vergessen, schon bei der Planung einen Check zu machen. Schade.

    • Markus Ladstätter

      15.12.2025, 10:42

      Oder, den kritischen Stimmen auch Gehör zu schenken.

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