Deutsche Sonderschule soll nach Kämpferin gegen Ausgrenzung benannt werden

Die Afroamerikanerin Rosa Parks kämpfte als Bürgerrechtlerin gegen die Ausgrenzung von Afroamerikaner:innen zur Zeit der Rassentrennung. Nun soll eine deutsche Sonderschule ihren Namen tragen - eine neue Form des Etikettenschwindels. Ein Kommentar.

Man sieht Rosa Parks skeptisch schauen, wie ein Mann ein Schild Sonderschule unter dem Text: Rosa Parks-Schule hängt
BIZEPS / ChatGPT

Rosa Parks ist eine bekannte Persönlichkeit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. In den 1950er Jahren widersetzte sie sich der Rassentrennung, indem sie sich in einem Bus auf einen Platz setzte, der ausschließlich Weißen vorbehalten war. Aufgrund dieser mutigen Aktion wurde sie festgenommen.

Mit ihrem Handeln setzte Parks ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Afroamerikaner:innen zur Zeit der Rassentrennung. Umso befremdlicher erscheint es nun, dass ausgerechnet eine deutsche Sonderschule ihren Namen tragen soll.

Wie auf kobinet-nachrichten berichtet wird, soll die Sonderschule Nord künftig den Namen Rosa Parks erhalten – also den Namen einer Frau, die für Gleichberechtigung und gegen Ausgrenzung gekämpft hat.

Etikettenschwindel ist nichts Neues

Dass ausgrenzende Einrichtungen wie Tageszentren, Werkstätten oder Sonderschulen Begriffe wie „Inklusion“ im Namen tragen, um zu verschleiern, dass sie eigentlich gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und gegen das Prinzip der Deinstitutionalisierung verstoßen, ist leider auch in Österreich gängige Praxis.

Das Perfide an der Benennung nach Rosa Parks ist, dass der Etikettenschwindel nicht sofort erkennbar ist.

Natürlich ist es grundsätzlich positiv, wenn öffentliche Einrichtungen nach herausragenden Persönlichkeiten wie Rosa Parks benannt werden. Doch in diesem Fall ist es hochproblematisch: Denn Sondereinrichtungen trennen Menschen mit Behinderungen von Menschen ohne Behinderungen – und behindern somit eine inklusive Gesellschaft. Eine Sonderschule steht symbolisch für genau das, wogegen Rosa Parks gekämpft hat: die Ausgrenzung von Menschen.

So sieht das auch der langjährige ehemalige Bundestagsabgeordnete der CDU, Hubert Hüppe. Auf Facebook äußert er sich dazu folgendermaßen:

Hubert Hüppe

Bei der Sitzung des Kreistages in Unna habe ich mich gegen die Umbenennung der Sonderschule Nord, die bisher ‚Förderzentrum Nord‘ hieß, ausgesprochen.

Sie soll zukünftig nach der Bürgerrechtlerin Rosa Parks benannt werden. Parks hatte sich dagegen ausgesprochen, dass Menschen nach bestimmten Merkmalen getrennt und ausgesondert werden. Damals ging es um die Hautfarbe.

Dass jetzt eine Schule, die Schülerinnen und Schüler wegen ihrer emotionalen oder sozialen Beeinträchtigung von anderen Schülern trennt, nach ihr benannt wird, würde sie, wenn sie noch leben würde, bestimmt ablehnen.

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  • Christiane Link , Antworten

    15.07.2025, 14:42

    Hat die Familie von Rosa Parks dem zugestimmt oder geht man auch über die Angehörigen hinweg?

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