Deutschland: Aktion gegen behindertenfeindliche Absperrungen

Während die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am öffentlichen Leben festgeschrieben, geht die Bahn AG im Kreis Marburg-Biedenkopf den umgekehrten Weg.

Deutsche Bahn
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Seit einiger Zeit sorgen zwei Absperrketten im Bahnhof Kirchhain dafür, dass RollstuhlfahrerInnen den Gleisübergang zwischen Bahnsteig und Ausgang nicht mehr passieren können. Am Wochenende fand eine Aktion gegen diese Barrieren statt.

Eine Gruppe von rund zehn Menschen mit Behinderungen sowie einige weitere UnterstützerInnen folgten am Samstag dem Aufruf der „Initiative Freie Mobilität“, um gegen diese behindertenfeindliche Politik des Staatsunternehmens Bahn, im knapp 20 km von Marburg entfernt liegenden Kirchhain, zu protestieren und – so das Flugblatt – die Barrieren zu „durchbrechen“ und das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben „zurück zu erobern“. Die DemonstrantInnen aus Marburg und aus Stadtallendorf reisten, einem Bericht von Rüdiger Bröhling aus Marburg zufolge, per Bahn an. Sie stießen in Kirchhain auf mehr als ein halbes Dutzend Polizisten, deren Aufgabe es war, ein offenbar gemutmaßtes allzu wörtliches Umsetzen des Aufruftextes zu verhindern.

„Mobilisierung der Staatsgewalt, statt kundenorientierter Dialog – von den Verantwortlichen bei der Bahn ließ sich niemand blicken, um den betroffenen Kundinnen und Kunden den Sinn der Absperrmaßnahmen zu erläutern. Da die Bahn den Zug aus Marburg kurzerhand auf ein Nebengleis umgeleitet hatte, kamen die Marburger noch nicht einmal mit der aus der entgegengesetzten Richtung angereisten Gruppe zusammen. Die Absperrketten, die angeblich für mehr Sicherheit sorgen sollen, verhinderten dies“, berichtet Rüdiger Bröhling. Bei einer kurzen Ansprache wurde seitens der Demonstranten ein Bolzenschneider präsentiert – Zeichen dafür, dass RollstuhlfahrerInnen zwar keine Fahrkarte, im mittelhessischen Nahverkehr aber mittlerweile entsprechendes Werkzeug benötigen, um überhaupt in den Zug gelangen zu können.

Bahn und Rhein-Main-Verkehrsbund, so die Demonstranten empört, erhalten zwar beträchtliche Subventionen vom Versorgungsamt, damit Behinderte das schienengebundene Mobilitätsangebot nutzen können. Gleichzeitig vereitelt die Bahn dies aber durch immer umfangreichere physische Zugangsbeschränkungen. Wie sich im Laufe der Aktion herausstellte, gilt eine solche Einschränkung zukünftig auch für Marburg, wo die Überquerung der Gleise nur noch unter Assistenz des Mobilitätsservices möglich sein wird. Dessen Dienstleistung steht aber nach 20.30 Uhr nicht mehr zur Verfügung. Die „Initiative Freie Mobilität“ hat angekündigt, ihre Arbeit gegen die behindertenfeindliche Politik der Bahn AG nach der erfolgreichen Aktion in Kirchhain fortsetzen zu wollen.

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