Deutschland: Es braucht mehr Menschen mit Behinderungen in den Redaktionen

Wie eine deutsche Studie zu Diversität in Film und Fernsehen zeigt, treten nur 0,4 % der Menschen mit sichtbaren Behinderungen im deutschen Fernsehen auf.

Verschiedene Personen am Bildschirm
Gerd Altmann

Die deutsche Journalistin Andrea Schöne hat selbst eine Behinderung und legt dar, warum es schwierig ist, dass Menschen mit Behinderungen in der Medienlandschaft Fuß fassen.

Schätzungsweise haben 6 % der Menschen, die in Deutschland leben, eine Behinderung. Wirft man einen Blick in die Medienlandschaft, so ist dieser Bevölkerungsteil aber gänzlich unterrepräsentiert.

Das zeigt eine Studie der MaLisa Stiftung über Diversität in den deutschen Medien. Laut dieser Studie macht der Anteil der Menschen mit sichtbaren Behinderungen, die im Fernsehen auftreten, nur 0,4 % aus.

In einem Kommentar auf Übermedien plädiert Andrea Schöne für mehr Diversität in den Redaktionen und spricht über die Hindernisse, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind, wenn sie im journalistischen Beruf Fuß fassen wollen.

Bildungshürden, Vorurteile und mangelnde Barrierefreiheit

Das erste Hindernis sei laut Schöne der Bildungsabschluss. Immer noch besuchen viele Menschen mit Behinderungen in Deutschland eine Förderschule. Um in einem journalistischen Beruf Fuß zu fassen, sei aber immer noch ein Abitur Voraussetzung.

Schöne ist dafür, journalistische Talente fernab von Bildungsabschlüssen zu fördern und zu entdecken.

Ein weiteres Problem, mit dem Schöne auf ihrem eigenen Weg in den Journalismus konfrontiert war, waren die Schwierigkeiten, ein Praktikum oder eine freie Mitarbeit in einer Redaktion zu finden.

Hier stieß sie nicht nur auf fehlende Barrierefreiheit, sondern auch auf Vorurteile: so wurde sie in einer Redaktion gefragt, ob sie überhaupt mobil genug für den Journalismus-Beruf sei.

In einer anderen Redaktion teilte man ihr mit, dass ihre Bewerbung wahrscheinlich im Müll gelandet sei. Mittlerweile gebe es ein paar Redaktionen, die ihre Ausschreibungen gezielt an Menschen mit Behinderungen richten.

Das sei ein erster Schritt, die praktische Umsetzung, eine Stelle tatsächlich auch wahrnehmen zu können, sei immer noch schwierig, da die Zusagen der Redaktionen oft wenige Wochen vor Antritt der Ausbildungsstelle erfolgen.

Das macht es für Menschen mit Behinderungen sehr schwierig, alles zu organisieren. Ist es schon für Menschen ohne Behinderung sehr herausfordernd, in kurzer Zeit eine passende Wohnung zu finden, kommt bei Menschen mit Behinderungen noch der Faktor der Barrierefreiheit hinzu.

Laut dem Statistischen Bundesamt Deutschland sind nur 2 % aller Wohnungen und Wohnhäuser in Deutschland barrierefrei zugänglich. Das macht es für Menschen mit Behinderung sehr schwierig, spontan eine Stelle in einer anderen Stadt anzunehmen. Auch die Redaktionen selbst sind oft nicht barrierefrei zugänglich.

Gezielte Förderungen, Barrierefreiheit und Abbau von Vorurteilen

Beruhend auf ihren Erfahrungen wünscht sich Schöne mehr gezielte Förderung von Menschen mit Behinderungen im Journalismus-Beruf. Lobend erwähnt sie das Projekt Leidmedien, das ein Recherche-Stipendium für Menschen mit Behinderungen ins Leben gerufen hat.

Trotz einzelner Projekte fehlt es an umfassendem Disability-Mainstreaming. Der britische Sender BBC ist hier schon wesentlich weiter. Hier gibt es Förderungsprogramme und Diversity-Konzepte, die auch Menschen mit Behinderungen nicht ausschließen.

Handlungsbedarf, was Menschen mit Behinderungen in den Medien betrifft, gibt es nicht nur in Deutschland. Auch Österreich hat diesbezüglich noch einiges zu lernen.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2017 belegt, sind Menschen mit Behinderungen in den österreichischen Medien zu wenig präsent, und wenn, ist ihre Darstellung immer noch sehr einseitig und klischeebehaftet.

Menschen mit Behinderungen im Journalismus – der Schlüssel zur Veränderung

Die beste Möglichkeit, die Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen und ihre Präsenz in den unterschiedlichsten Medien zu verändern ist es, den Journalisten-Beruf für Menschen mit Behinderungen zu öffnen.

Medien sind auch ein Spiegel der Gesellschaft, wenn eine Gruppe kaum in den Medien präsent ist, dann sagt das etwas über die Stellung dieser Gruppe in der Gesellschaft aus.

Umgekehrt tragen Medien durch ihre Berichterstattung dazu bei, wie Menschen mit Behinderungen oder Menschen mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft gesehen werden.

Der einzige Weg zu einer modernen, offenen und diversen Medienlandschaft ist es, diese für Menschen mit Behinderungen zu öffnen.

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