Deutschland: Recht auf 100 Prozent Untertitel

Mit der Forderung nach 100 Prozent Untertitel möchten die Verbände auf das Recht auf Barrierefreiheit hinweisen, damit auch in Deutschland Hörbehinderte schrittweise 100 Prozent Zugang zum Fernsehangebot bekommen.

Demonstration Recht auf 100% Untertitel
Deutsche Gehörlosen-Bund

Der Deutsche Gehörlosen-Bund, die Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten – Selbsthilfe und Fachverbände sowie der Deutsche Schwerhörigenbund rufen gemeinsam am 23. August 2008 in Köln zu einer Großdemonstration für 100 Prozent Untertitel im Fernsehen auf.

Zur gleichen Zeit finden in Köln die vierten Deutschen Kulturtage der Gehörlosen mit rund 2.500 Besuchern statt. So sei mit einer hohen Beteiligung von Seiten Gehörloser und anderer Menschen mit Hörbehinderung zu rechnen.

Mit der Forderung nach 100 Prozent Untertitel möchten die Verbände auf das Recht auf Barrierefreiheit hinweisen, damit auch in Deutschland Hörbehinderte schrittweise 100 Prozent Zugang zum Fernsehangebot bekommen. Die Demonstration soll auf die viel zu geringe Quote an untertitelten Ausstrahlungen im Fernsehen aufmerksam machen und eine deutliche Erhöhung fordern.

Noch immer untertiteln sowohl öffentlich-rechtliche als insbesondere auch private Sender viel zu wenig. Der Untertitelanteil der 22 wichtigsten deutschsprachigen Sender beträgt gerade mal 6,1 Prozent. Den größten Anteil an Untertitel haben die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sender; die meisten Privatsender hingegen untertiteln kaum oder gar nicht. „So beträgt der Anteil an Untertitel bei RTL, dessen Hauptgeschäftsstelle sich in Köln befindet, ganze 0,0 Prozent“, heißt es im Aufruf für die Demonstration.

„Die Privatsender entziehen sich ihrer sozialen Verantwortung gegenüber fast 13 Millionen Menschen mit Hörbehinderung, weil sie Untertitel als Aufgabe der gebührenfinanzierten Anstalten betrachten. Doch angesichts hoher Gewinne ist diese Haltung nicht nachvollziehbar.“ Die Untertitelung einer 90-Minuten-Sendung koste mit ca. 2.500 Euro nur einen Bruchteil der Produktionskosten einer Sendung.

In Zusammenhang mit der Demonstration steht eine Unterschriftenaktion, die bereits angelaufen ist. Ziel der Unterschriftenaktion ist es, den Verantwortlichen in Politik und bei den Fernsehanstalten die breite Unterstützung möglichst vieler Menschen für die Forderung nach 100 Prozent Untertitel zu belegen. Die Unterschriftenlisten stehen auf den Internetseiten der Organisatoren zur Verfügung. An der Online-Petition kann man sich unter www.untertitel-aktion.de beteiligen, indem man sich in den Newsletter einträgt und so immer auf dem Laufenden gehalten wird. Ziel der Untertitel-Aktion ist es, in jedem Bundesland aktive Leute für die „Aktion Untertitel“ zu organisieren, so die Organisatoren.

Die Demonstration startet am 23. August 2008 um 15.00 Uhr am Messegelände vor dem Konferenzzentrum in Köln und führt durch die Kölner Innenstadt bis vor das Rathaus. Auf der abschließenden Kundgebung werden die Unterschriftenlisten an die Verantwortlichen aus Politik und Medienanstalten übergeben.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Wirklich toll gelöst sind Untertitel in England, die gibt es auch für Livesendungen. Letztes Jahr war ich zur Zeit des Amoklaufs an der Virginia Tech in London. Dort wurde die BBC im McDonalds auf einem Fernseher angezeigt, ohne Ton, dafür mit Untertitelung. Das erlaubte mir trotz Umgebungsgeräuschen dem Geschehen im Fernsehen zu folgen. Für mich ganz klar ein Beweis dafür, dass Barrierefreiheit allen Menschen hilft.